Über 200 Tote: Hier versenkt das US-Militär «Drogenboote»
Das US-Militär hat erneut ein Boot mit mutmasslichen Drogenschmugglern im Ostpazifik beschossen – und damit zwei weitere Personen getötet. Die Zahl der Todesopfer seit vergangenem September steigt gemäss der New York Times damit auf mindestens 207.
Erneut sprach das zuständige US Southern Command auf der Social-Media-Plattform X von einer «terroristischen Organisation», die auf dem Boot entlang «bekannter Drogenhandelsrouten» unterwegs war.
On June 3, at the direction of #SOUTHCOM commander Gen. Francis L. Donovan, Joint Task Force Southern Spear conducted a lethal kinetic strike on a vessel operated by Designated Terrorist Organizations. Intelligence confirmed the vessel was transiting along known narco-trafficking… pic.twitter.com/wCHvnSJf3O
— U.S. Southern Command (@Southcom) June 4, 2026
Immer mehr Angriffe im Ostpazifik
Die US-Streitkräfte hatten im September 2025 die Operation Southern Spear begonnen. Gemäss Donald Trump führt Washington seither Krieg gegen sogenannte «Drogen-Terroristen» in Lateinamerika. Dabei stuft er Drogenkartelle als Terrororganisationen ein, um mit militärischen Mitteln gegen die Boote vorgehen zu können.
«Es kamen riesige Mengen Drogen in unser Land, um viele Menschen zu töten. Und jeder versteht diese Tatsache vollkommen. Sie sehen es, Sie sehen die Tüten voller Drogen überall auf dem Boot, und sie wurden getroffen», sagte Präsident Trump am 3. September 2025 zu Reportern im Weissen Haus.
Der Einsatz weitete sich aus. Trump erklärte die venezolanische Regierung unter Nicolás Maduro im Dezember 2025 zur Terrororganisation, blockierte venezolanische Öltanker und liess im Januar 2026 gar Ziele in der Hauptstadt Caracas bombardieren. Dabei nahmen US-Streitkräfte Maduro gefangen und flogen ihn aus dem Land. Seitdem konzentrieren sich die Angriffe auf mutmassliche Drogenboote vorwiegend auf die kolumbianische und ecuadorianische Küste.
Rechtsexperten sprechen von illegalen Tötungen
Die Attacke vom 3. Juni ist der 63. bekannte Luftschlag innert neun Monaten. Der US-Präsident rechtfertigt die Angriffe als nötige Massnahme, um gegen den Drogenfluss und die tödlichen Überdosierungen amerikanischer Bürgerinnen und Bürger vorzugehen.
Rechtsexpertinnen und -experten sprechen von «illegalen aussergerichtlichen Tötungen», so die New York Times. Das US-Militär dürfe nicht gezielt Menschen angreifen, die keine unmittelbare Bedrohung durch Gewalt darstellen – egal, ob sie Zivilisten oder mutmassliche Kriminelle seien.
Bereits die ersten Luftschläge am 2. September 2025 sorgten für Empörung. Laut US-Regierung handelte es sich bei den Zielpersonen um Mitglieder der venezolanischen Bande Tren de Aragua. Das US-Militär tötete in einer ersten Attacke neun Personen. Zwei weitere Männer überlebten vorerst und klammerten sich an die Trümmer des Bootes. Aus «Selbstverteidigung» beschoss das US-Militär das Boot ein zweites Mal und exekutierte die beiden Überlebenden.
Kritikerinnen und Kritiker bezweifeln nebst der Legalität auch die Effektivität der Luftangriffe, denn viele tödliche Überdosierungen in den USA gehen auf Fentanyl zurück, das selten auf Booten von Südamerika ins Land gebracht wird. Das extrem starke, synthetische Opioid gelangt normalerweise von Mexiko über Landwege in die USA.
