International
Best of watson

Eklat am G7-Gipfel: Was ist passiert? Fakten und Reaktionen

Eklat am G7-Gipfel: Was ist passiert? Fakten und Reaktionen

 
10.06.2018, 06:0310.06.2018, 17:13

Der Gipfel in Kanada war zu Ende, alle Delegationen sind aus La Malbaie abgereist und die Pressekonferenzen abgehalten. Mühsam hatten sich die Vertreter der G7-Staaten zu einer gemeinsamen Erklärung durchgerungen. US-Präsident Trump sagte sogar, der Gipfel sei «ausgesprochen erfolgreich» verlaufen – doch dann kam alles irgendwie anders.

Doch was ist genau passiert? 

Trudeaus Rede soll der Auslöser sein

Kanadas Trudeau hatte am Samstag in seiner Abschluss-Pressekonferenz gesagt, die Strafzölle, die Trump mit der Wahrung der amerikanischen Sicherheitsinteressen begründet, seien «etwas beleidigend».

Kanada werde seinerseits die USA mit höheren Zöllen belegen. «Das machen wir nicht gerne, aber wir werden es absolut machen, denn wir Kanadier sind freundlich und vernünftig, aber wir lassen uns nicht herumkommandieren.»

Hier spricht Justin Trudeau Klartext.Video: YouTube/The Globe and Mail

Trumps Ausraster

Längst auf dem Weg nach Asien, zieht US-Präsident Donald Trump stocksauer die Unterstützung des Dokuments zurück. In zwei wuchtigen Tweets gibt der Amerikaner dem Gastgeber des G7 die Schuld, Kanadas Premier Justin Trudeau.

Ein falsches Statement habe er nach dem Gipfel abgegeben, nachdem er sich zuvor so bescheiden und demütig gegeben habe. Unehrenhaft sei das und schwach, polterte Trump. Mit ihren Zöllen reagierten die USA doch nur auf die Handelspolitik Kanadas! Einmal mehr stellt er sein Land als Opfer dar.

«Basierend auf den falschen Aussagen von Justin (Trudeau) bei seiner Pressekonferenz und dem Fakt, dass Kanada den amerikanischen Bauern, Arbeitern und Firmen massive Zölle berechnet, habe ich unsere US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen, und wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten.»

Trudeaus Reaktion

Zunächst reagiert Trudeau nicht auf Trumps Tweets, sondern lächelt den Affront beim bilateralen Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri weg.

Später liess er sein Büro eine dürre Mitteilung verschicken: «Wir konzentrieren uns darauf, was wir hier bei dem G7-Gipfel erreicht haben. Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat – sowohl öffentlich, als auch in privaten Konversationen mit dem Präsidenten.»

epa06796886 Canada's Prime Minister Justin Trudeau (L) and Argentina's President Mauricio Macri (R) attend the G7 and Outreach Working Session at the G7 summit in Charlevoix in Canada 09 Jun ...
Justin Trudeau und Mauricio Macri (rechts) während des Gipfels. Zu diesem Zeitpunkt schien die Welt noch in Ordnung zu seinBild: EPA/EPA POOL

Breitseite aus Frankreich

Frankreich hat die Einhaltung der Regeln für die internationale Zusammenarbeit angemahnt. «Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen», hiess es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Elysée-Palastes in Paris.

EU steht zur G7-Erklärung

Die EU will trotz des überraschenden Rückziehers von US-Präsident Donald Trump zu der G7-Gipfelerklärung stehen. «Wir halten an dem Communiqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde», sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht zu Sonntag der Nachrichtenagentur DPA.

epa06793877 European Union Council President Donald Tusk holds a press conference at the G7 summit in Charlevoix in Canada 08 June 2018. The G7 Summit runs from 08 to 09 June in Charlevoix, Canada. EP ...
EU-Ratspräsident Donald Tusk gab bekannt, dass die EU weiterhin zur G7-Erklärung steht. Bild: EPA/EPA

US-Senator McCain rügt Trump und sagt Verbündeten Unterstützung zu

Der republikanische US-Senator John McCain hat Präsident Donald Trump wegen dessen nachträglichen Ausstiegs aus der G7-Abschlusserklärung gerügt. Er wendete sich direkt an die Bündnispartner und sagte ihnen Unterstützung zu.

«An unsere Verbündeten: Die parteiübergreifende Mehrheit der Amerikaner bleibt für freien Handel, für Globalisierung & unterstützt Bündnisse, die auf 70 Jahre lang gemeinsam geteilten Werten basieren», schrieb der 81-Jährige, der an einem Hirntumor erkrankt ist, am späten Samstagabend auf Twitter.

«Die Amerikaner stehen zu euch, auch wenn es unser Präsident nicht macht.» Trump, wie McCain ebenfalls Republikaner, hatte seinen Schritt mit der Haltung des kanadischen Gastgebers des Gipfels in La Malbaie, Justin Trudeau, zu US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium, erklärt. 

Deutsche Regierung steht zu G7-Abschlusserklärung

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat zurückhaltend auf den nachträglichen Ausstieg von US-Präsident Donald Trump aus der G7-Abschlusserklärung reagiert. «Deutschland steht zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué», sagte ein Regierungssprecher nach Ankunft Merkels am Sonntagmorgen in Berlin vom G-7-Gipfel in Kanada. (sda/dpa/vom)

Handelskrieg zwischen den USA und China abgewendet

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mehr Öllieferungen durch Strasse von Hormus – die Gründe
Öllieferungen durch die umkämpfte Strasse von Hormus nehmen zu. Derzeit flössen etwa 65 bis 70 Prozent der Ölmenge verglichen mit Vorkriegsniveaus durch die Meerenge, schrieb die der Energie-Datenanbieter Vortexa auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA.
Zur Story