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Was Corona mit der Kriminalität in den USA macht (es gibt nur ein grosses Problem)



Kriminelle haben es in Corona-Zeiten schwer, das zeigt sich auch in den USA. Eine weitere gute Nachricht: Vor Schulmassakern muss derzeit niemand Sorge haben. Doch es gibt auch Anlass zur Sorge in Zeiten, in denen die Strassen leer gefegt, Schulen geschlossen und die meisten Menschen zu Hause sind. Mal wieder sind die weit verbreiteten Waffen das Problem.

Weniger Strassenkriminalität

Die Behörden in den USA beobachten in diesen Wochen einen Rückgang von Straftaten. Seit die Menschen in New York vor fast vier Wochen angehalten wurden, zu Hause zu bleiben, ging die Zahl der Festnahmen wegen schwerer Verbrechen und anderer Vergehen deutlich zurück: in New York City um 43.3 Prozent, im Rest des Bundesstaates sogar um 68.8 Prozent, wie es aus dem Büro des Gouverneurs für den Zeitraum vom 18. bis 24. März hiess.

epa07436781 Several thousand of high school students from Montgomery County, Maryland who walked out of class march to the US Capitol and protest gun violence in Washington, DC, USA, 14 March 2019. MoCo Students For Change organized the rally, which seeks tighter gun control measures.  EPA/JIM LO SCALZO

Schüler protestieren im März 2020 in Washington gegen Waffengewalt. Bild: EPA/EPA

In Los Angeles wurden im März 23 Prozent weniger Straftaten verzeichnet als im Vorjahresmonat, wie Polizeichef Michel Moore US-Medien zufolge sagte. «Menschen, die zu Hause und in ihrer Nachbarschaft bleiben, aufeinander achten und soziale Distanz halten, ermöglichen uns, eine sicherere Stadt zu haben», erklärte er.

In Washington ist der Trend ähnlich. Sowohl Raubüberfälle als auch Einbrüche und Gewalttaten gingen einem Bericht der «Washington Post» zufolge zurück. Bei gezielten bewaffneten Übergriffen sehe es allerdings anders aus. Und die Zahl der Morde sei auf dem Niveau von 2019, das ein Rekordjahr markierte.

Weniger Angriffsfläche

Verrammelte Läden, leer gefegte Strassen, belebte Wohnungen und Häuser: Die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben Kleinkriminellen und Verbrechern die Grundlage entzogen. «Vor vielen Jahren sagte ein Kollege einmal scherzhaft, dass die Strassenkriminalität reduziert werden kann, wenn man (den Kriminellen) die Strasse wegnimmt. Das ist im Grunde das, was die Städte getan haben», sagt der Kriminologe von der Northeastern-Universität in Boston, James Alan Fox.

Derzeit gebe es insbesondere weniger Gelegenheiten für Straftaten, die sich gegen Fremde richteten. «Die Leute interagieren nicht mit Fremden. Wenn man fast zwei Meter Abstand zueinander hält, gerät man nicht in Auseinandersetzungen und Streit», sagt Fox.

Zu Hause gefangen

Gleichzeitig gebe es mehr «Gelegenheiten» für häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch. «Die Nerven liegen ohnehin blank, den Menschen fällt es schwer, damit umzugehen, drinnen zu bleiben. Sie streiten mit ihren Partnern und ihren Kindern», sagt Fox. Erschwerend komme hinzu, dass sich Opfer häuslicher Gewalt zu Hause gefangen fühlten. Es herrsche Angst, Schutzräume aufzusuchen, die als «Brutstätten für das Virus» wahrgenommen würden.

Schulmassaker unmöglich

In der Corona-Krise macht per WhatsApp ein Spruch die Runde: «Wenigstens haben wir einen Weg gefunden, vorübergehend Schul-Shootings zu stoppen.» Und so war der März tatsächlich der erste März* seit 2002 ohne Schulmassaker, wie Robert Klemko, Journalist der «Washington Post», schreibt.

«Das ist definitiv wahr! Das Risiko von Massenerschiessungen ist geringer, wenn jeder zu Hause ist und Schulen und andere öffentliche Plätze geschlossen sind», sagt Margaret Gleason. Sie ist Studentin an der Georgetown-Universität in der US-Hauptstadt Washington und engagiert sich bei der Protestbewegung «March For Our Lives», die sich für Massnahmen zur Kontrolle von Schusswaffen stark macht.

Gleason geht allerdings nicht so weit, das geringere Risiko für Zwischenfälle an Schulen oder auf öffentlichen Plätzen als «positiven Aspekt der Krise» zu bezeichnen. Sie warnt, dass das Risiko der Waffengewalt in der Krise zugenommen habe.

Das Problem mit den Waffen

Viele Amerikaner haben sich mit Waffen und Munition eingedeckt – was die Lage insbesondere mit Blick auf häusliche Gewalt zu verschärfen droht. Massenerschiessungen sind nur Teil des Problems der weiten Verbreitung von Schusswaffen. Das Risiko häuslicher Gewalt sei derzeit akuter denn je, sagt Aktivistin Gleason. Zudem sei zu befürchten, dass es in Folge der Krise mehr Suizide geben könnte – und die Menschen dafür zur Waffe griffen.

People wait in a line to enter a gun store in Culver City, Calif., Sunday, March 15, 2020. Coronavirus concerns have led to consumer panic buying of grocery staples, and now gun stores are seeing a similar run on weapons and ammunition as panic intensifies. (AP Photo/Ringo H.W. Chiu)

Eine Schlange vor einem Waffenladen in Culver City, Kalifornien. Bild: AP

«Leider werden Waffen, die ausgiebig zum Selbstschutz und zum Schutz der Familie gekauft werden, am Ende gegen die Familie gerichtet, wenn man in Streit gerät», sagt Kriminologe Fox. Niemand rüste sich, um dem Nachbarn Brot oder Toilettenpapier wegzunehmen, falls es knapp werde. Menschen seien in Zeiten wie diesen viel kooperativer.

Der Bürgermeister von Baltimore, Bernard Jack Young, richtete angesichts der Corona-Krise schon vor einigen Wochen einen dramatischen Appell an seine Bürger, ihre Waffen niederzulegen: «Wir können unsere Krankenhäuser und ihre Betten nicht mit Menschen verstopfen, auf die sinnlos geschossen wird, weil wir diese Betten für Menschen brauchen, die mit dem Coronavirus infiziert sind.»

Die Hoffnung

Wissenschaftler Fox hält den Rückgang der Kriminalität für ein temporäres Phänomen. «Leider denke ich, dass die Dinge wieder dahin zurückgehen, wo sie vorher waren», sagt er. «Ich denke, es ist eine Pause, keine Lösung.» Eine Hoffnung äussert er aber: Das Land könnte durch die Corona-Krise möglicherweise wirklich weniger Massaker sehen - aus dem Grund, dass das Thema im Bewusstsein der Menschen in den Hintergrund trete.

Eine solche Entwicklung habe es nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gegeben. «Als 9/11 passiert ist, haben die Leute aufgehört, über Schulmassaker zu reden», sagt Fox. Die Aufmerksamkeit habe sich vier Jahre lang auf eine andere Bedrohung gerichtet: den Terrorismus, Al-Kaida, Osama bin Laden. Shootings im grösseren Ausmass habe es in dieser Zeit nicht gegeben. Die aktuelle Krise könnte einen ähnlichen Effekt haben. (sda/dpa)

* In einer früheren Version des Artikels hiess es, der März 2020 sei der erste Monat seit 2002 ohne Schulmassaker gewesen. Das war nicht korrekt.

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39
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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BlickvonAussen 14.04.2020 15:22
    Highlight Highlight Vorschlag für Twitter-Nachricht an das blonde Genie:
    Das wusste ich schon alles. Die Corona-Pandemie ist harmloser als eine Grippe. Nimmt man die Toten der Pandemie und zieht die vermiedenen Toten durch die Abnahme der Kriminalität ab, dann hat der Virus mehr Leben gerettet als zerstört. Auch die Polizei tötet weniger Schwarze und Latinos als üblich. Das macht jetzt unser Freund der Virus. Wir sind voll im Zeitplan: America first!
    • Bartli, grad am moscht holä.. 14.04.2020 16:16
      Highlight Highlight Gewaltverbrechen hats aber nicht weniger gegeben. Die haben sich einfach von der strasse in die häuser/familien verlagert. Pädophile übergriffe sollen auch zugenommen haben. Nur weniger raubdelikte und diebstahl, schönerweise können kinder heimschule machen also keine schulschiessereien. Aber die kinder sind nun ev gewalttätigen/pädophilen familienmitgliedern ausgeliefert 24/7. Es ist jetzt anders, aber nicht besser.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 15.04.2020 20:08
      Highlight Highlight gerne mit fundierten quellen bartli
    • Bartli, grad am moscht holä.. 15.04.2020 20:56
      Highlight Highlight Der selbe artikel...
  • Dominik Treier 14.04.2020 15:04
    Highlight Highlight Die USA haben nicht nur ein Waffenproblem, denn die Waffen und all die Konflikte für die sie verwendet werden sind letztendlich doch nur das Symptom einer tief kranken Gesellschaft.

    Eine die sich mit Freiheit, Eigenleistung und dem Idealbild des ungebremsten sozialen Aufstiegs, der berühmten US-Tellerwäscherkarriere brüstet, in der aber all dieses Glück nur 0.1% aller Menschen zugute kommt, während die Anderen immer stärker gen Existenzminimum und Armutsgrenze driften.
    Da ist es klar, dass einige Chancenlose irgendwann aus Verzweiflung zur Waffe greifen...
  • BVB 14.04.2020 13:59
    Highlight Highlight Man sollte psychologische Beratung leichter zugänglich machen und vielleicht verstärkt gegen Dinge wie Mobbing vorgehen. Ausserdem muss man gegen die Armut vorgehen, denn mehr Armut bedeutet mehr Kriminalität. Das geht aber nicht so einfach und nicht schnell, darum wollen die Politiker lieber einen Sündenbock. Bei Trump sind das Videospiele und bei Demokraten lasche Schusswaffengesetze.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 15.04.2020 20:10
      Highlight Highlight @ BVB

      trump gibt videospielen die schuld an kriminalität?
    • BVB 15.04.2020 21:01
      Highlight Highlight @just sayin'
      Leider schon, kannst du nachschauen. Also Massenshootings, nicht generell Kriminalität.
  • Mugendai 14.04.2020 13:47
    Highlight Highlight Und viele ehemalige Waffengegner sind jetzt empört, dass sie eben nicht einfach mal eben eine Waffe kaufen können, wie immer wieder gelabert wird.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 15.04.2020 20:10
      Highlight Highlight ja😂
  • [Nickname] 14.04.2020 13:07
    Highlight Highlight Amerika hat ein Gewalt bzw. Gesellschaftsproblem und kein Schusswaffenproblem. Aber es eignet sich natürlich hervorragend von westeuropäischen autoritären Medien weiter darauf rumzureiten, da man Freiheiten sowieso nicht schätzt.

    Nur Schweizer sind so dumm, weiteren Staatsmassnahmen zur Überwachung zuzustimmen in einer Abstimmung, nach einem massiven Skandal der Fichenaffäre in den 1990ern.
    Benutzer Bild
    • Liselote Meier 14.04.2020 13:58
      Highlight Highlight Ähm wenn eine Gesellschaft eine Gewaltproblem hat, dann ist es ja erst Recht verwerflich diese noch mit Schusswaffen auszustatten.

      Wenn ein Kind mit einem Streichholz spielt, gibst du ihm dann auch einen Bunsenbrenner, gibt ja auch kein Streichholzproblem?
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 14.04.2020 15:13
      Highlight Highlight word!
    • [Nickname] 14.04.2020 16:49
      Highlight Highlight @Liselote Meier

      Somit gibst du zu, dass nicht Schusswaffen das „Problem“ sind?

      Denn wenn du was anderes behauptest, würdest du damit gleichzeitig behaupten in Finland, Tschechien und der Schweiz (alles europäische Länder mit freiheitlicheren Waffengesetzen) würde es jeden Tag Tote und Massaker geben, da ja Waffen von alleine Töten und nicht der gewaltvolle Mensch dahinter 😌

      Tägliche Kost der Hoplophoben gib uns heut.
    Weitere Antworten anzeigen
  • G. Samsa 14.04.2020 10:45
    Highlight Highlight Und sonst kann man dann ja immer noch beten. Hat in der Vergangenheit bestens funktioniert.
  • saukaibli 14.04.2020 10:29
    Highlight Highlight "Und so war der März tatsächlich der erste Monat seit 2002 ohne Schulmassaker..." Das steht aber nicht im Tweet von Robert Klemko. Da steht: "Last month was the first March without a school shooting in the United States since 2002." Also übersetzt: Der letzte Monat war der erste März ohne Schul-Schiesserei in den USA seit 2002.
    Ein kleiner aber feiner Unterschied (OK, der die Sache auch nicht viel besser macht).
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 14.04.2020 15:13
      Highlight Highlight ein subtiler aber wichtiger unterschied.
  • Militia 14.04.2020 09:19
    Highlight Highlight «Leider werden Waffen, die ausgiebig zum Selbstschutz und zum Schutz der Familie gekauft werden, am Ende gegen die Familie gerichtet, wenn man in Streit gerät» - wenn doch nur so einfach wäre. Das wäre die Definition eines verantwortungslosen Waffenbesitzers. Nur ein Idiot glaubt, dass ein Familienstreit mit einer Waffe gelöst werden kann. Viele, welche sich aber jetzt Waffen kaufen wollen, waren bis anhin strikt dagegen. Alle anderen haben ja schon eine. Zuerst Waffengegner, dann Heuchler.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 14.04.2020 15:16
      Highlight Highlight amussant sind auch die berichte von verwirrten waffen-erst-käufer, welche erstaunt waren, dass sie die waffe nicht einfach so kaufen und mitnehmen konnten.
    • trio 14.04.2020 16:30
      Highlight Highlight @Kerzenständer*in
      Blöd ist in erster Linie eine Waffe zu kaufen. Noch blöder ist es, den Waffenkauf zu ermöglichen.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 15.04.2020 20:07
      Highlight Highlight @ Kerzenständer*in

      „@trio, Huh? Warum wäre es blöd ein Utensil für die selbstverteidigung zu kaufen?“

      ich nehme an, dass es hier „um‘s prinzip“ geht.

      im sinne von: „was ich selber nicht will (und auch nicht verstehe), ist blöd“.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Unicron 14.04.2020 09:14
    Highlight Highlight "Die Aufmerksamkeit habe sich vier Jahre lang auf eine andere Bedrohung gerichtet: den Terrorismus, Al-Kaida, Osama bin Laden. Shootings im grösseren Ausmass habe es in dieser Zeit nicht gegeben."

    Ach, die Medien werden es sicher nicht verpassen uns alle paar Tage daran zu erinnern und jeden Tag einen "Soundso Tage seit dem letzten Schulmassaker" Counter einzublenden :)
    Wie letztes Jahr als alle auf ein Kinomassaker geil waren im Rahmen von Joker. Ist dann halt nicht passiert.
    Oder vor ein paar Jahren als Überfälle mit Pfefferspray zunahmen und alle jeden Tag darüber berichteten.
    • Bartli, grad am moscht holä.. 14.04.2020 16:19
      Highlight Highlight War es bis vor corona nicht so, dass es überlebenstechnisch sicherer war zur army zu gehen als in die schule?
    • Unicron 14.04.2020 16:41
      Highlight Highlight Ist schon krass, ja. Auch dass da mittlerweile Schulen gebaut werden welche so aufgebaut sind um Schiessereien möglichst zu verhindern oder zu erschweren. Mit kurvigen Korridoren damit man keine gerade Schuaslibie hat, gepanzerten Türen damit man nicht durch schiessen kann, mit Panikräumen und Metalldetektoren.
      Wahnsinn.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 15.04.2020 20:13
      Highlight Highlight gerne mit fundierten quellen bartli
  • estrella5 14.04.2020 08:48
    Highlight Highlight Im Ernst? Seit 2002 gab es jeden Monat ein Schulmassaker. Unglaublich!! Und da tut niemand etwas dagegen....
    • BVB 14.04.2020 14:00
      Highlight Highlight Die Politiker wollen halt lieber einen Sündenbock als wirkliche Probleme lösen. Es ist ein psychologisches Problem.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 14.04.2020 15:21
      Highlight Highlight nein.
      das wurde leider falsch übersetzt.
      ein schelm wer böses denkt...
  • kettcar #lina4weindoch 14.04.2020 08:47
    Highlight Highlight „Und so war der März tatsächlich der erste Monat seit 2002 ohne Schulmassaker“

    Nicht ganz... denn er sagt, es war der erste März seit 2002 ohne Schulmassaker, nicht der erste Monat seit 2020.
    • Martin Lüscher 14.04.2020 13:25
      Highlight Highlight @kettcar #lina4weindoch: korrekt. ist transparent korrigiert.

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