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Die Welt im Corona-Dilemma: Vorsicht oder Rückkehr zum Normalbetrieb?

Ein Überblick über die Situation in verschiedenen europäischen Ländern und den USA.
13.04.2020, 08:3313.04.2020, 13:44

Die Versuchung, Beschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzufahren, ist gross angesichts der wirtschaftlichen Verluste. Aber Virologen warnen: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Es bestehe das Risiko, dass die Infiziertenzahlen wieder hochschnellen könnten. Der prominente Immunologe und Berater Trumps, Anthony Fauci, hält eine Rückkehr zur Normalität allenfalls schrittweise und mit regionalen Abstufungen für möglich.

USA wollen Wirtschaft bald wieder hochfahren

Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Covid-19-Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde. Die USA haben inzwischen in absoluten Zahlen weltweit die meisten Toten durch die Corona-Epidemie zu verzeichnen: Mehr als 22'000 Menschen starben bis zum Abend des Ostersonntag im Zusammenhang mit dem Virus.

Auf Hart Island in New York werden Massengräber ausgehoben – falls sie gebraucht werden.
Auf Hart Island in New York werden Massengräber ausgehoben – falls sie gebraucht werden.Bild: EPA

Trump will die Wirtschaft rasch wieder zum Laufen bringen und voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorstellen, das über den Zeitplan für eine Lockerung der geltenden Beschränkungen beraten soll. Aber nachdem der Präsident sich schon massive Kritik der oppositionellen Demokraten und der Medien einhandelte, die Corona-Gefahr lange verharmlost und das Steuer erst viel zu spät herumgerissen zu haben, warnt Fauci seinen Chef jetzt vor übereilten Schritten in die andere Richtung: Möglicherweise könnte der Prozess einer vorsichtigen Öffnung «zumindest auf gewisse Weise» im kommenden Monat beginnen.

Vorhersagen dieser Art seien aber schwierig, und man dürfe nicht vorschnell handeln. Das Eis, auf dem sich Politiker und Experten in der Corona-Krise bewegen, ist immer noch dünn, vieles über das Virus immer noch nicht genau bekannt.

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

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Am Sonntag versuchte Trump den Vorwurf zu entkräften, er habe zu spät auf die heraufziehende Pandemie reagiert. Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: «Korrupte Medien!». Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge bereits Ende Januar vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt, in deren Folge Hunderttausende Amerikaner ums Leben kommen könnten. Trump selbst beteuerte noch bis Anfang März, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge.

Spanier kehren zu Arbeit zurück

In Spanien, wo Ostermontag kein Feiertag ist, steht die erste Lockerung der strikten Ausgehbeschränkungen für die fast 47 Millionen Einwohner an. Seit zwei Wochen durfte nur noch zur Arbeit, wer in unverzichtbaren Branchen tätig ist. Ab Montag dürfen die meisten Spanier nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren – die strenge Ausgehsperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber ansonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür.

Momentaufnahme vom Sonntag: Nur ein Essenslieferant ist in Barcelona unterwegs.
Momentaufnahme vom Sonntag: Nur ein Essenslieferant ist in Barcelona unterwegs.Bild: EPA

«Die Pandemie wird kontrolliert. Die Daten werden in den kommenden Wochen dank des wirtschaftlichen Winterschlafes noch besser sein», sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez mit Blick auf die zweiwöchige Zwangspause der Arbeitnehmer. Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt derweil auch über Ostern an. Binnen 24 Stunden wurden knapp 4200 neue Fälle registriert, eine Zunahme um knapp 2,6 Prozent auf insgesamt 166'000 – eine vergleichsweise niedrige Zuwachsrate.

So sieht der Lockdown in Barcelona aus:

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Barcelona Lockdown
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Italien zählt weniger Todesfälle

Einen Hoffnungsschimmer gab es auch aus Italien. Dort wurden am Ostersonntag 431 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert. So niedrig war der Anstieg seit längerem nicht gewesen. Insgesamt starben in dem Land seit Februar 19'899 Menschen im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg moderat auf 156'363 Fälle (plus gut 4000).

Füllen sich die Florenzer Plätze bald wieder?
Füllen sich die Florenzer Plätze bald wieder?Bild: EPA

Grossbritannien noch nicht über den Berg

Von einem «düsteren Tag» sprach jedoch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10'000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Grossbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

Medizinisches Personal des St.Thomas-Spitals in London macht eine Pause.
Medizinisches Personal des St.Thomas-Spitals in London macht eine Pause.Bild: AP

Aber zumindest der an Covid-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson hat seine schwere Erkrankung überstanden. Er konnte das Krankenhaus verlassen und soll sich nun auf dem Landsitz Chequers erholen. Der 55-Jährige lobte die Mitarbeiter des St.Thomas' Hospitals in höchsten Tönen: «Ich verdanke ihnen mein Leben.» Es wird erwartet, dass er erst in einigen Wochen die Regierungsgeschäfte übernehmen kann. Johnson ist über den Berg, sein Land noch nicht.

Frankreich weiter hart getroffen

Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus beginnen in Frankreich Wirkung zu zeigen, dennoch bleibt die Lage ernst. Fast 14 400 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 verstorben, wie das Gesundheitsministerium am Sonntagabend in Paris mitteilte. Wenigstens sank am vierten Tag in Folge die Zahl der Menschen, die auf der Intensivstation behandelt werden, leicht. «Diese Daten bestätigen, dass die Epidemie in unserem Land in dynamischer Weise weitergeht und es weiterhin hart trifft», so das Gesundheitsministerium. Man beobachte den Beginn «eines sehr hohen Plateaus», müsse aber wachsam bleiben.

Am Montagabend wollte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut mit einer Rede an seine Landsleute wenden. Es wird erwartet, dass der Präsident die Dauer der Verlängerung der strengen Ausgangsbeschränkungen verkünden wird. Das «Journal du Dimanche» schrieb, dass sogar eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung bis Mitte oder Ende Mai möglich sei. Die Regelungen gelten in Frankreich seit dem 17. März. Das Haus dürfen die Menschen nur für notwendige Dinge wie Einkaufen verlassen, Spazieren gehen oder Sport ist nur eine Stunde pro Tag im Umkreis von einem Kilometer zur Wohnung erlaubt.

(sda/dpa)

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Messe für Niemanden - der Papst in Zeiten Coronas

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Messe für Niemanden - der Papst in Zeiten Coronas
quelle: ap / remo casilli
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62 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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dmark
13.04.2020 13:39registriert Juli 2016
Mal so herum gefragt - was will man? Sollte man noch eine gewisse Zeit die Zähne zusammen beissen, evtl. kleineren Geschäften unter entsprechenden Auflagen ihren Betrieb ermöglichen und die Zahlen der Ansteckung weiter reduzieren oder lockert man nun die Massnahmen und hat dann u.U. in kurzer Zeit wieder das gleiche Szenario?
Eine "Normalität", wie wir sie vor dem Ausbruch kannte, wird sich - wenn überhaupt - erst mit einem geeigneten Impfstoff einstellen.
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Locutus70
13.04.2020 13:33registriert September 2018
Natürlich werden die Zahlen hochschnellen, wenn man Lockerungen macht - aber dazu gibt es keine Alternative.

Wir werden damit leben müssen, das Menschen sterben. Das haben sie seit Anbeginn der Menschheit getan und werden es bis zum Aussterben der Menschheit tun.

Leider gibt es für die Schweiz noch keine Zahlen (ich hab noch keine gesehen) über die Situation in Alten- und Pflegeheimen. In Belgien kommen 40 % der Toten aus Alten- und Pflegeheimen. Ich denke da muss am Hygienemanagement gearbeitet werden.

Wir können viele, aber nicht alle retten.
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Hiker
13.04.2020 15:27registriert Januar 2017
Ich finde einige Kommentare hier entsetzlich. Aussagen wie: es trifft ja nur ü80 und Menschen mit Vorerkrankungen machen mich sprachlos. In was für einer Welt leben wir eigentlich in der das Wohlergehen von zum Glück nicht Betroffenen höher eingeschätzt wird als jenes der unglücklichen die daran sterben könnten? Wie arrogant und selbstsüchtig muss man sein so etwas unbeschreibliches zu fordern? Bitte sagt mir, dass nicht alle hier so denken. Bleibt gesund und dankbar wenn Ihr (noch) nicht betroffen seid.
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