International
Deutschland

Ostsee-Wal: Tag 4 von Timmys Rettung – der aktuelle Stand

Ob Timmy noch geholfen werden kann, ist nicht klar.
Ob Timmy noch geholfen werden kann, ist nicht klar.Bild: keystone

Neuer Anlauf für Timmys Rettung – die wichtigsten Punkte

Die private Rettungsinitiative für den vor der Ostseeinsel Poel festliegenden Buckelwal «Timmy» wird am Sonntag fortgesetzt. Viele Fachleute kritisieren die Aktion mittlerweile.
19.04.2026, 09:2519.04.2026, 12:48

Die Aktion im Livestream

Der aktuelle Stand

Ob der Buckelwal am Sonntag transportiert werden kann, ist zunächst noch offen. Dem Wal solle die für den Transport benötigte Plane vorgelegt werden, wie ein Teammitglied der privat finanzierten Rettungsaktion am Morgen der Deutschen Presse-Agentur in Kirchdorf sagte. Dann müsse man sehen, wie er darauf reagiere.

Am Sonntagmorgen waren zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal immer wieder DLRG-Boote unterwegs. Sie sind auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort. Am Vormittag hatten sich Mitglieder des Rettungsteams im Hafen länger mit den Behörden und der DLRG besprochen. Direkte Informationen von der Initiative selbst gab es zunächst nicht.

Laut der Bild soll es jedoch bereits am Sonntag wieder zu Verzögerungen gekommen sein, weil sich der Schlick unter Timmy als härter herausgestellt hat, als ursprünglich angenommen.

So sieht der Plan aus

Bis zum Samstagabend hatten die Beteiligten die Befreiung des Wals weiter vorbereitet. Im Gegensatz zu Freitag, als der Buckelwal nach der Annäherung eines Tauchers plötzlich mit starken Bewegungen reagiert hatte, blieb das Tier am Samstag weitgehend regungslos. Gelegentlich buckelte der Wal leicht. Zudem stiess er in regelmässigen Abständen Wasserfontänen aus.

Helfer legten am Samstagmorgen erneut Tücher auf den Rücken des Wals und beobachteten das Tier. Am Nachmittag wurde eine Art grosser Schlauch ins Wasser gelassen. Nach früheren Angaben soll im Bereich des Wals der Untergrund weggespült werden, um das Tier dann mit Luftkissen anzuheben.

Geplant ist nach früheren Angaben der privaten Rettungsinitiative, dass unter den Wal eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch.

Gescheiterte Versuche an den Vortagen

Am Samstag waren Helfer den gesamten Tag wieder in der Nähe des Wals und eine schwimmende Arbeitsplattform war näher an den Meeressäuger gebracht worden. Ein Transport ins offene Meer war nach Angaben der an dem Rettungsversuch beteiligten Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert jedoch auch am dritten Tag der Aktion nicht möglich.

Seit Donnerstag laufen die Arbeiten der privaten Initiative, die das Tier lebend zurück in die Nordsee bringen möchte. Ursprünglich war für den Fall eines erfolgreichen Verlaufs des Rettungsplans für Freitag der Start des Transports geplant gewesen.

Das sagen die Retter

Wie genau der intern bekannte Zeitplan nun aussieht, wollten die Mitglieder der Initiative am Samstag nicht preisgeben. Hintergrund sei, dass das Team von aussen nicht unter Druck stehen wolle. «Wir sind jetzt gut dabei», sagte Bahr-van Gemmert. Sie gestand aber auch ein:

«Wir wären gerne noch schneller.»

Der geschwächte Wal liegt am Sonntag bereits den 20. Tag an derselben Position in der Kirchsee in der Wismarer Bucht.

Die Situation sei schwierig, sagte die Veterinärin, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet. Die an der Rettung beteiligten Helfer seien aber überzeugt: «Wir machen das Beste für den Wal.» Zu sehen, wie der Wal versuche, sich aus seiner Lage «rauszukämpfen», sei für sie kein Tierschutz. «Und ihn in Ruhe sterben lassen ist es auch nicht, weil es keine Ruhe ist», beschreibt sie das Wal-Dilemma.

Am Samstag hatten die Helfer nach eigenen Angaben unter anderem versucht, das Maul des Tieres zu kontrollieren. «Es sollte geguckt werden, ob noch ein Stück Netz in den Barten ist», sagte Bahr-van Gemmert. Das sei jedoch nicht gelungen.

Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies sie zurück: «Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen.» Sie betonte erneut, dass der Wal eine «reelle Chance» habe. Diesbezüglich würden ihr Expertinnen und Experten, die aktuell vor Ort waren, zustimmen.

Kritik aus vielen Kreisen

Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen dagegen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.

Ein Sprecher der Umweltorganisation Greenpeace sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Gesundheitszustand des Wals lasse sich an der Intensität der Ausatmung erkennen.

«Wenn er strandet, wird die Atmung flacher und eher ein Seufzen, und es ist nicht mehr dieses kräftige Ausblasen.»

Diese flachere Atmung sei beim Buckelwal immer öfter zu beobachten.

«Kranke Wale haben ein anderes Atemmuster, die Abstände zwischen den Atemzügen sind nicht entscheidend, sondern die Art des Atmens», sagte der Meeresbiologe weiter. Diese Walart atme demnach in der Regel zwei relativ kurze, schnelle Atemzüge in Abständen von 20 bis 30 Sekunden, dann folgten zwei bis zu fünf Minuten Pause. Dann sei der Körper mit Sauerstoff geflutet.

Die Umweltschutzorganisation sieht wenig Chancen für eine Rettung des Buckelwals durch die private Initiative. «Was passiert im besten Fall, wenn er befreit wird: Das Tier ertrinkt in der Nordsee», sagte der Umweltschützer. Angesichts des «Hypes» mit dem durch die Aktion erzeugten Motoren-Lärm, den Booten und Tauchern müsse man sich die Frage stellen, ob das Prozedere dem Tierwohl noch zuträglich sei.

An der aktuell laufenden Rettungsaktion beteiligt sich die Organisation nach eigenen Angaben nicht, denn nach den vorliegenden Informationen sei der Wal krank und stark geschwächt, teilte sie mit. (sda/dpa/con/vro)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Der Wal an der Ostsee ist schon wieder gestrandet
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
3
KI-Firmen lassen Menschen ihre Arbeit filmen – um sie durch Roboter zu ersetzen
Videos zeigen, wie indische Fabrikangestellte mit einer montierten Kamera auf der Stirn ihre Arbeitsschritte aufzeichnen müssen. Diese Daten sollen die künstliche Intelligenz füttern.
Die Frage, wie gross die Bedrohung der künstlichen Intelligenz für die menschliche Arbeit ist, treibt viele Leute um. Und ihre Ängste dürften durch Videos, wie sie derzeit auf den sozialen Medien zu sehen sind, nicht kleiner werden.
Zur Story