Timmy immer wieder in Bewegung – die neusten Entwicklungen zur Rettungsaktion
Wird die privat organisierte Rettungsaktion für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal Erfolg haben? Rasche Klarheit darüber gibt es wohl nicht. Die Vorbereitungen einschliesslich einer vorsichtigen äusserlichen Untersuchung wurden gestern Nachmittag unterbrochen, um dem Tier Ruhe zu gönnen. Das steht heute an.
Die Rettungsaktion live im Stream
Bei der privaten Rettungsaktion für den vor der deutschen Ostseeinsel Poel liegenden Buckelwal hat Tag zwei begonnen.
Sechs Helfer fuhren kurz nach 8.00 Uhr auf Booten im Morgennebel zu dem Tier und überprüften seinen Zustand, wie in Livestreams zu sehen war. Sie erneuerten ein nasses Tuch auf dem Rücken des Wals.
Gegen 9.30 Uhr tat sich dann einiges: Plötzlich begann der zuvor weitgehend regungslose Wal, sich zu bewegen. Er wälzte sich am Grund hin und her und hob mehrmals seine Schwanzflosse. In der Folge entfernten sich die Helfer von ihm und halten einen Sicherheitsabstand. Gegen Nachmittag sollte der Ponton angenähert werden. Da der Wal aber erneut aktiver wurde, pausierte man die Aktion.
Wie soll es jetzt weitergehen?
Ein Konvoi aus mehreren Lastwagen hatte am Donnerstag Material in den kleinen Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel gebracht. Darunter befinden sich zwei Pontons, die eine wichtige Rolle bei dem Vorhaben spielen sollen. Details der Aktion sind nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Helfer versuchen wollen, das tonnenschwere Tier mit Luftkissen anzuheben. Weil der Buckelwal aber seit mehr als zwei Wochen auf dem Grund festliegt, muss zunächst Meeresboden unter ihm weggespült werden.
Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert werden. Wenn alles gut geht, kann ein Schlepper damit beginnen, die empfindliche Fracht in die tiefere Ostsee und dann durch Kattegat und Skagerrak in die Nordsee und dann in den Atlantik zu ziehen. Dort könnte das Tier im besten Fall in die Freiheit entlassen werden.
Wie geht es dem Tier?
Alle Experten gehen davon aus, dass der Wal stark geschwächt und schwer krank ist. Ein Walexperte und zwei Tiermedizinerinnen nahmen am Donnerstag vorsichtig Kontakt zu ihm auf und stellten fest, dass er auf Ansprache reagiert, wie die Sprecherin der Rettungsaktion sagte. Sein Blasrohr sei intakt, an ihm seien keine Entzündungszeichen zu erkennen. Aufregung zeige der Meeressäuger nicht.
Wer steckt hinter der Operation?
Hinter dem Rettungsversuch steht eine private Initiative um Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. Sie finanzieren und organisieren die Aktion mit Einverständnis der Behörden in Mecklenburg-Vorpommern.
Was sagen andere Experten?
Der Meeresbiologe Boris Culik äusserte sich positiv zum Rettungsversuch. Er schätze die Massnahmen, die man vorhabe, als sehr vielversprechend ein, sagte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat. Ob der Wal überlebe, sei ungewiss, sagte der Meeresbiologe. Denn das Hauptproblem – das Netz in seinem Maul – bleibe bestehen. Culik sagte: «Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?»
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der geplanten Rettungsaktion, denn nach den vorliegenden Informationen sei der Wal krank und stark geschwächt, so eine Sprecherin. (dab/sda/dpa)
