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Rettungsaktion für Ostsee-Wal Timmy: So geht es voran

Rettungsaktion für Buckelwal Timmy gestartet – und bereits auf Freitag verschoben

16.04.2026, 09:0316.04.2026, 16:46

Für den vor der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwal ist am Donnerstag eine Rettungsaktion begonnen und bereits auf Freitag vertagt worden. Eine Übersicht zu den Massnahmen:

Die Rettungsaktion live

Das ZDF ist live vor Ort.Video: YouTube/ZDFheute Nachrichten

Die Aktion startete nach 11 Uhr. Sechs Helfer nähern sich am Mittag im hüfttiefen Wasser der Ostsee dem bei Wismar gestrandeten Buckelwal. Sie spritzen zunächst mit den Händen Wasser auf das grosse Tier.

Ehe sie sich wieder entfernen, legen sie ein Tuch auf den Wal, das allerdings nur einen kleinen Teil von ihm bedeckt - weitere Tücher werden folgen. Es sind die ersten Schritte einer privaten Rettungsaktion, die zahlreiche Menschen in Deutschland gebannt verfolgen.

Im besten Fall kann Timmy am Freitagmorgen abtransportiert werden.

So kommt die Aktion voran

Die Details der Pläne sind nicht öffentlich bekannt. Beim Verfolgen der Live-Streams aus grosser Distanz bleiben manche Fragezeichen zurück, was die Helfer gerade genau dort machen. Die Behörden des nordostdeutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern hatten am Mittwoch eine private Rettungsmission genehmigt.

KEYPIX - 03.04.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Weitendorf-Hof: Einsatzkräfte der Feuerwehr benetzen den Rücken des Wals, der aus dem Wasser ragt. Der vor Wismar gestrandete Buckelwal ist noch am Leben.  ...
Das Schicksal von Wal Timmy bewegt Deutschland.Bild: keystone

Demnach soll versucht werden, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.

Schweres Gerät eingetroffen

Das schwere Gerät für den wohl letzten Versuch zur Rettung des gestrandeten Buckelwals kommt um 13.30 Uhr an. Ein Konvoi von mehreren Lastwagen bringt riesige Pontons in den kleinen, von der Polizei gesperrten Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel. Von dort ist der Buckelwal in der Wismarer Bucht kaum noch mit blossem Auge zu sehen. Aber er liegt dort schon den 17. Tag, schwer krank. Der Versuch, ihn lebend zu retten, ist ein komplexes und gewagtes Unterfangen.

Rund zwei Kilometer von Kirchdorf entfernt haben am Kirchseeufer schon früh am Morgen die ersten Kamerateams Position bezogen. Stundenlang tut sich wenig. «Wir müssen erst mal ins Arbeiten kommen», sagt ein Mitglied des privat initiierten Orga-Teams. Am Anlieger in Kirchdorf, wo es Kaffee, Fischbrötchen und Backfisch gibt, verfolgen viele Menschen das Kommen und Gehen der Journalisten und Polizeiwagen.

Rettung wird am Freitag fortgesetzt

Nach Angaben eines der Initiatoren der Aktion sind die Vorbereitungen am späteren Donnerstagnachmittag mehrheitlich beendet worden:

«Heute wird zwar noch das Equipment aufgebaut. Aber ansonsten wird es erst am Freitag weitergehen.»

Grund dafür sei, dass man am Vormittag «leider viel Zeit verloren» habe.

Diese Menschen stecken hinter dem Projekt

Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative, die für die Aktion laut Umweltministerium in Schwerin die Verantwortung trägt. Ohne diesen Versuch werde der Wal in jedem Fall sterben, hatte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesagt. «Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.»

Hinter dem Konzept steht neben Gunz auch die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. «Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie», sagte die Unternehmerin der dpa. Sie wüssten, dass der Rettungsversuch tödlich ausgehen könne. «Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.» Dann sei das die Natur. «Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen.»

epa12865008 A handout photo made available by Greenpeace press office shows a beached whale lying in the waters of the Baltic Sea at the island of Poel near Wismar, Germany, 01 April 2026. The humpbac ...
Timmy geht es gesundheitlich nicht gut.Bild: keystone

Das sind die Reaktionen

Der Meeresbiologe Boris Culik bewertet den aktuellen Rettungsversuch durchaus positiv. Er schätze die Massnahmen, die man vorhabe, als sehr vielversprechend ein, sagte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel arbeitete. «Also, man kann ihn damit auf jeden Fall aufschwimmen.»

Dennoch sei es eine andere Frage, ob der Wal dies überlebe, sagte Culik. Denn das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibe bestehen. «Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?»

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der geplanten Rettungsaktion für den Buckelwal.

«Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt», teilte eine Sprecherin auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.

Laut wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seien die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung sehr gering und gingen mit einem hohen Verletzungsrisiko einher.

Das war zuvor passiert

Seit Wochen bewegt das Schicksal des vor der Stadt Wismar gestrandeten Buckelwals viele Menschen. Seit dem 31. März liegt der Buckelwal in etwa 1,50 Meter Wassertiefe vor Poel.

Zuletzt sah alles danach aus, dass die Reise des Wals vor der Insel Poel enden würde. Experten hatten erklärt, dem kranken und geschwächten Tier könne nicht sinnvoll geholfen werden. Es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen. Bei einer Pressekonferenz in Schwerin kündigte Backhaus am Mittwoch dann eine Kehrtwende an.

Demnach gab er grünes Licht für ein Rettungskonzept, das vorsieht, den Wal lebend zu bergen und bis in die Nordsee und gegebenenfalls in den Atlantik zu bringen. «Insofern tritt jetzt eine neue Situation ein», sagte Backhaus. Er sei zwar noch vorsichtig, aber «doch ziemlich glücklich».

(dab/leo/hkl/sda/dpa)

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Buckelwal in der Ostsee gestrandet
Video: watson
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