Transport verschiebt sich schon wieder: Buckelwal Timmy steckt weiter fest
Der aktuelle Stand
Der Rettungsversuch des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals zieht sich in die Länge – der tonnenschwere Meeressäuger wird zunächst weiter in der Bucht vor der Insel Poel ausharren müssen. «Heute wird er nicht mehr transportiert, das können wir sagen», sagte die an dem privaten Rettungsversuch beteiligte Tierärztin für Kleintiere, Janine Bahr-van Gemmert, bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag im Hafen von Kirchdorf.
Über den konkreten Zeitplan der Aktion des Wals wollte die Veterinärin, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet, zunächst nichts sagen. Hintergrund sei, dass das Team von aussen nicht unter Druck stehen wolle. Intern gebe es durchaus einen Zeitplan. «Wir sind jetzt gut dabei», sagte Bahr-van Gemmert.
Das Team gebe jetzt alles für den Wal. Sie gestand aber auch ein: «Wir wären gerne noch schneller.» Dass der Rettungsversuch langsamer als geplant vorangehe, liege vor allem an den Behörden, sagte die Tierärztin weiter. «Es ist aber sehr, sehr schwierig, weil jeder Schritt tatsächlich genehmigt werden muss.» Es müsse alles, was nicht dem geplanten Konzept entspreche, schriftlich genehmigt werden. «Und das verzögert es natürlich durchaus.»
Zuvor hatte bereits die Unternehmerin und Mit-Geldgeberin der Aktion, Karin Walter-Mommert, kritisiert, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden teils schwierig sei. Nach ihrer Aussage aufwendige Abstimmungen würden intern für viel Arbeit sorgen. So müsse etwa das Aufbringen von Tüchern mit Zinksalbe gegen die Hautprobleme des Wals jeden Tag neu beantragt und genehmigt werden. Walter-Mommert und der Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanzieren die private Rettungsaktion für den Buckelwal.
Details zum aktuellen Stand der Aktion wollten weder die Mitglieder der Initiative noch die beiden Geldgeber am Samstag nennen – auch damit das Team in Ruhe arbeiten kann. Er könne nicht ständig vor Ort anrufen, das würde zu viel Unruhe in die Aktion bringen, so Gunz. Walter-Mommert sagte der dpa: «Glauben Sie mir, wir müssen unserem Team im Moment den Rücken freihalten, damit die in Ruhe arbeiten können.»
Die Rettung im Livestream
Schaulustige vor Ort
Im Hafen von Kirchdorf waren am Samstagmorgen zunächst kaum Schaulustige. Ali T. aus Hannover war aber schon in der Frühe vor Ort. «Ich habe das im Fernsehen gesehen, und ich finde das irgendwie spektakulär», sagt der 38-Jährige. Er sei schon in der Nacht zu Freitag angereist und habe eine mehrstündige Autofahrt auf sich genommen. «Mit Ladestopps und so weiter so fünf Stunden», sagt der E-Autofahrer.
Bis Sonntag wolle er bleiben. «Montag muss ich wieder zur Arbeit», sagt er. «Was mich fasziniert, ist, dass der Wal eigentlich schon totgeglaubt wurde und dass jetzt noch was passiert.» Er hoffe, dass es dem Rettungsteam gelinge, den Wal ins offene Meer zu transportieren.
Wie schon die vergangenen Tage stehen auch in der Nähe des Ortes Weitendorf-Hof Schaulustige hinter der eingerichteten Absperrung. Von dort ist der Wal besser zu sehen als vom Hafen in Kirchdorf.
Das ist am Freitag passiert
Am Freitagmorgen hatte der Buckelwal mit heftigen Bewegungen auf einen sich nähernden Taucher reagiert. Das Tier schlug kräftig mit der Schwanzflosse, der Fluke, und drehte sich um beinahe 90 Grad, wie in Livestreams zu sehen war. Nach wenigen Minuten beruhigte sich der Wal wieder und lag still im Wasser.
Am Freitag waren bereits erste Probespülungen gemacht und weiteres Material herbeigeschafft worden.
Bereits da war jedoch schon klar: «Wir sind einen Tag hinten dran», sagte der Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur. Er finanziert zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert die Aktion. Der geschwächte Wal liegt am Samstag bereits den 19. Tag an derselben Position in der Kirchsee in der Wismarer Bucht.
So soll Timmy gerettet werden
Das Tier soll auf einer Plane zwischen zwei Pontons in Richtung Nordsee transportiert werden. Die Plane muss zuvor unter das etwa zwölf Tonnen schwere Tier gebracht werden. Dazu soll es mit Luftkissen angehoben werden, wofür wiederum zuvor Schlick weggespült werden muss.
Die Pontons sollen von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen und so angeordnet werden, dass innen eine Freifläche von sechs mal zwölf Metern entsteht. «Da drin wird der Wal sich dann ja aufhalten», sagte der Chef des von der privaten Initiative beauftragten Tauchunternehmens, Fred Babbel. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch.
Diese Einwände haben Fachleute
Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.
Selbst Umweltschützer von Greenpeace sehen kaum Überlebenschancen. Timmy sei ausgehungert, noch immer ist zudem unklar, was es mit dem Netz auf sich hat, dessen Reste aus dem Maul schauen. Die Chancen, dass er in der Nordsee landet und dort frei schwimmt, sind gering, sagt Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, zur Bild. (vro/sda/dpa)
