Immer wieder Sabotageakte in Deutschland – 5 Fälle und was dahinter steckt
Spreng-Drohnen am Flughafen Leipzig
Was passiert ist: Am Flughafen Leipzig/Halle war Anfang August eine Drohne mit einem Sprengsatz in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs gefunden worden. Eine Explosion gab es nicht. Später wurden zwei weitere Drohnen gefunden.
Was dahinterstecken könnte: Der Fall Leipzig/Halle ist der bisher aufsehenerregendste. Dies, weil die deutsche Regierung in der Folge Untersuchungen angeordnet hatte und danach offen Russland als Urheber des gescheiterten Sprengstoffanschlagversuchs benannte. Berlin geht davon aus, dass Deutschland wegen seiner Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine Ziel verdeckter Operationen russischer Nachrichtendienste ist.
Das sorgte in der ohnehin angespannten Beziehung zwischen den beiden Ländern für weitere Verstimmung. Jüngst hat der russische Aussenminister Sergej Lawrow Deutschland offen gedroht und erklärt, mit der Anschuldigung erkläre die deutsche Regierung Russland «faktisch den Krieg». Deutschland hat weitere Sanktionen gegen Russland verhängt, beispielsweise die Schliessung des russischen Generalkonsulats in Bonn und des Kulturinstituts in Berlin. Russland streitet sämtliche Vorwürfe ab und reagierte mit der Schliessung der Goethe-Institute sowie des Generalkonsulats in St. Petersburg.
Angriff bei Kraftwerk Jänschwalde
Was passiert ist: In der Nähe des Kohlekraftwerks Jänschwalde im Süden Brandenburgs kam es zu zwei Sabotageakten. Ziel war ein Umspannwerk, das den Strom aus dem Kraftwerk ins Netz einspeist. Insgesamt wurde eine zweistellige Anzahl an Vorrichtungen gefunden, mit denen wohl ein Kurzschluss hätte verursacht werden sollen, wie die deutschen Behörden mitteilten. Diese gehen von einem «systematischen Vorgehen» aus. Wer dahintersteckt, ist allerdings unklar. In der Vergangenheit gab es Angriffe aus dem linksextremen Lager auf das Stromnetz, Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hält es aber auch möglich, dass «fremde Mächte» oder unbekannte Dritte dahinterstecken.
Stromnetz-Angriffe in Sachsen und NRW
Was passiert ist: Zu vergleichbaren Vorfällen kam es in der Folge auch in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Dort wurden weitere selbstgebaute Vorrichtungen entdeckt, die im Bereich von Hochspannungsleitungen platziert worden waren. Alleine in Sachsen gab es 21 solche Entdeckungen. In Bergheim (NRW) war ein solcher Angriff erfolgreich: Im dortigen Stromkraftwerk wurden zeitweise mehrere Blöcke lahmgelegt. Zu Ausfällen im Stromnetz kam es aber nicht.
Was dahinterstecken könnte: Nachdem ein Bekennerschreiben gefunden wurde, prüfen die Behörden einen Zusammenhang mit den Fällen in den anderen Bundesländern. Verdächtig ist ein 48-jähriger Mann, nach diesem wird gefahndet. Innenminister Alexander Dobrindt hatte die Bekennerschreiben als authentisch bezeichnet, als Motiv kommt ihm zufolge «Klimaterrorismus» infrage. Der mutmassliche Täter schrieb in seinen Bekennerbriefen unter anderem, dass «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ein Verbrechen» sei.
Brandattacken auf Münchner Rüstungsfirma
Was passiert ist: Auch in München kam es kürzlich zu Vorfällen. Dort waren Rüstungs- und Sicherheitsfirmen Ziel von Anschlägen. Auf eine Baustelle eines Rüstungsunternehmens wurden aus einem Auto mehrere Brandsätze geworfen, wie ein Zeuge beobachtete. Mindestens einer der Brandsätze löste ein Feuer aus, das Polizisten allerdings rasch löschen konnten. Grösserer Schaden ist nicht entstanden. Ein weiterer Brandsatz musste von Spezialkräften entschärft werden.
Was dahinterstecken könnte: Die bayrischen Ermittlungsbehörden kommunizierten rasch, dass die Taten vermutlich einen «politischen Hintergrund» haben. Zwei bulgarische Staatsbürger, eine 28-jährige Frau und ein 38-jähriger Mann, wurden festgenommen.
Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine haben sich hybride Attacken auf deutsche Rüstungsunternehmen verstärkt. Der deutsche Verfassungsschutz warnte im Juli dieses Jahres öffentlich davor, dass Rüstungsfirmen Ziel von Sabotagehandlungen durch staatliche russische Stellen oder in deren Auftrag würden. Deutschland ist mittlerweile der grösste Unterstützer der Ukraine. Allerdings gibt es gleichzeitig auch eine zunehmende Anzahl von Aktionen linksextremer und kriegskritischer Gruppen gegen Rüstungsfirmen. Laut Verfassungsschutz gibt es aus diesen Kreisen Bestrebungen, Rüstungsexporte deutscher Firmen insbesondere nach Israel zu behindern.
Cyberangriff auf Berliner Verwaltung
Was passiert ist: Nebst physischen Sabotageakten kommt es noch häufiger zu Cyberangriffen auf die Infrastruktur deutscher Verwaltungen und anderer Behörden und Betriebe. Mitte August wurde beispielsweise bekannt, dass unbekannte Täter in das Landesnetz der Berliner Verwaltung eingedrungen waren und dabei offenbar grosse Mengen an Daten kopiert hatten.
Was dahinterstecken könnte: Im besagten Berliner Fall bekannte sich die seit Jahren bekannte Cybercrime-Gruppe Rhysida zu dem Angriff. Nachdem der Berliner Senat ein Ultimatum für eine Zahlung verstreichen liess, veröffentlichten die Täter nach eigenen Angaben gut fünf Terabyte Daten im Darknet, darunter Verträge, E-Mails, Passwörter, Gehaltslisten und weitere private Dokumente tausender Menschen. Das deutsche Bundesamt für IT-Sicherheit (BSI) warnt nun vor Phishing-Versuchen, wie Focus berichtet. Vom Leak betroffene Personen sollten aktuell besonders kritisch sein und sicherheitshalber ihre Passwörter ändern.
Die Gruppe Rhysida hat ihren Ursprung mutmasslich im russischsprachigen Raum, wie digitale Spuren gemäss Sicherheitsforschern nahelegen. Eine Verbindung zum russischen Staat konnte bisher aber nicht nachgewiesen werden.
(con)
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