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Donald Trump

Die neue Wahlkampf-Taktik der Demokraten: Das ist «seltsam»

Mit diesem Wort machen die Demokraten Wahlkampf gegen Trump

Die Demokraten haben eine neue Taktik, um Donald Trump und seine Angriffe zu diskreditieren. Um seine Macht infrage zu stellen, lachen sie ihn aus.
30.07.2024, 17:3831.07.2024, 08:19
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Republican presidential candidate former President Donald Trump dances as he wraps up a campaign rally, Saturday, July 27, 2024, in St. Cloud, Minn. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump
Trump sei «weird», sagen die Demokraten. Bild: keystone

«He's weird» – er ist seltsam. Um diesen Satz kommt man im US-Wahlkampf derzeit kaum herum, sei es bei öffentlichen Aussagen von berühmten demokratischen Abgeordneten oder auf der Plattform X, wo die Hashtags #WeirdAF und #TrumpIsWeird trenden. «Seltsam» – so beschreiben die Demokraten gerade eine Reihe von Republikanern, inklusive Elon Musk, aber insbesondere Donald Trump und seinen Vize J. D. Vance.

Während es zwar massenhaft Themen gäbe, um die sich die Wahlkampf-Parteien streiten könnten, scheint es gerade viel wichtiger, den Gegner in einem bestimmten Licht erscheinen zu lassen. Zuvor haben sich die Republikaner ihrerseits ein Narrativ ausgedacht, das sie Kamala Harris anlasten wollen: Sie sei verrückt.

Untermauert werden soll das mit der Diskussion um Harris' Lachen. Dieses hat ihr von Trump bereits den Spitznamen Laffin’ Kamala eingebracht. «She is crazy. She is nuts» – sie sei verrückt, sagte er kürzlich auf einer Kundgebung in Michigan und deutete damit an, dass ihr Lachen Ausdruck eines gewissen Wahnsinns sei. Medial hatte die von Trump gelenkte Aufmerksamkeit auf Harris' bisweilen lautes Lachen durchaus Erfolg. Auf den Sozialen Medien, in Newsportalen und sogar in der Schweizer Medienlandschaft wird darüber diskutiert, wie laut eine Präsidentschaftskandidatin wirklich lachen sollte, wenn sie ernst genommen werden will.

Harris selbst adressierte das Thema so: Sie werde niemals der Typ Mensch sein, der sein Lachen mit einem verschämten Kichern herunterspielt. «Diese Person bin ich einfach nicht», sagte sie in einem TV-Auftritt. Und fügte hinzu:

«Lasst euch nicht von den Vorstellungen anderer Menschen darüber einschränken, wie dies [das Lachen] aussehen müsste und wie ihr euch verhalten solltet.»

«Gruselig» und «seltsam»

Nun kehren also die Demokraten den Spiess um und bedienen sich ihrerseits eines Framings: das des seltsamen, verwirrten alten Mannes, der erneut Präsident werden will. Nachweise für dieses Narrativ gibt es in verschiedensten Ausführungen:

Mit einer Collage von Bildern aus Trumps Vergangenheit ...

... anhand einer Strassenbemalung vor einem Trump-Gebäude ...

Trump is weird
Genauer Ort unbekannt. Bild: screenshot x

... oder mit Fotos seiner Anhänger ...

... oder in Wahlkampfspots.

Vergangenen Freitag verwendete die Harris-Kampagne den Begriff «weird» in mehreren Pressemitteilungen. Eine, die sich auf die Anti-Abtreibungs-Haltung von Trumps Vize konzentrierte und diesen als «creepy» (gruselig) bezeichnete, begann mit einer einfachen Erklärung: «J. D. Vance is weird.»

Zudem schmuggelt man das Wort einfach kurzerhand in Interviews und Reden. Die öffentlichen Auftritte demokratischer Abgeordneter, bei denen das Wort «weird» fiel, häuften sich derart, dass TV-Sender wie CNN oder MSNBC sogar einen Zusammenschnitt zeigten:

Die Idee hinter dem Strategiewechsel

Die Frage ist nun: Was genau ist die Überlegung dieser Strategie? Vergangene Woche postete Tim Walz, Gouverneur des US-Bundesstaats Minnesota, einen kurzen Clip eines Interviews, das er gegenüber CNN gab (der sofort viral ging). Auf die Frage des Moderators, wieso er glaube, dass das Wort «seltsam» ein effektiverer Angriff sei als die bisherige Strategie, antwortete Walz:

«Die Leute argumentieren immer, Trump würde das Leben von Frauen riskieren. Das stimmt zu 100 Prozent. Donald Trump wird die verfassungsmässige Freiheit sowie das Wählen abschaffen. Das sind alles reale Möglichkeiten. Aber das gibt ihm viel zu viel Macht!»

Tatsächlich fokussierte sich insbesondere Bidens Strategie im Wahlkampf zuvor auf Donald Trump als Gefahr für die Demokratie. Das war noch, bevor Kamala Harris die neue Kandidatin wurde, als dem demokratischen Wahlkampf eine grössere Seriosität anhaftete – nicht zuletzt definiert durch einen «alten, weisen Mann», Biden. Und der 81-jährige US-Präsident könne seine Opposition unmöglich authentisch als «seltsam» bezeichnen, so eine Politik-Expertin gegenüber der Tageszeitung «Politico».

Mit Kamala Harris änderte sich das. Indem die Demokraten weniger Trump als Gefahr für Demokratie und Freiheit und mehr seine «seltsame» Art ins Visier nehmen, wollen sie dem Ex-Präsidenten also seine Souveränität und dadurch seine Macht absprechen. Der Demokrat Tim Walz führte weiter aus:

«Hört dem Kerl zu! Er spricht über Hannibal Lecter und darüber, Haien Stromstösse zu verpassen, und alles Verrückte, was ihm gerade in den Sinn kommt. Und ich finde, wir geben ihm zu viel Anerkennung. Und wenn man ihm dieses Schreckensbild wegnimmt ...»

Politico beschreibt den Wandel in der Strategie als nachvollziehbar – es handle sich um eine jüngere, «andere und besser verständlichere Weise» zu sprechen.

«Diese entspanntere, gesprächigere Herangehensweise an die Beschreibung von Trump spiegelt die Art und Weise wider, wie Walz und andere erfolgreich den ehemaligen Präsidenten und andere republikanische Kandidaten angegriffen haben, [...] indem sie sie als ausserhalb der Grenzen der Normalität definierten.»
«Politico»

Das Etikett «seltsam» passe dabei nicht nur auf republikanische Kandidaten, sondern auch auf die breitere MAGA-Bewegung («Make America Great Again»), erklärt eine Politstrategin der Demokraten. «Es ist das erste Wort, das mir in den Sinn kam, als ich die weissen Bandagen an den Ohren der Delegierten auf dem Parteitag sah: ‹Das ist seltsam.›» Die Verwendung neuer Wörter errege zudem die Aufmerksamkeit der Menschen, während die politische Sprache schnell überhört würde.

Etwas ironisch sei es dabei, so «Politico», dass Walz' Beschreibung der MAGA-Republikaner die «gleiche schneidende Einfachheit» habe wie einige von Trumps wirksamsten Sticheleien und Spitznamen, mit denen er jeweils den Gegner diskreditiere. Gouverneur Walz fügte übrigens noch hinzu: «Haben Sie den Kerl je lachen gesehen? Wenn er je lacht, dann tut er das über jemanden und nicht mit jemandem.» Das sei ... natürlich «seltsam».

«Das ist einfach seltsames Verhalten, man kann es nicht anders sagen.»
Tim Walz
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150 Kommentare
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tr3
30.07.2024 18:11registriert April 2019
„Weird“ mit „komisch“ übersetzen - kann man machen. Da „komisch“ aber durchaus auch noch in der ursprünglichen Bedeutung „lustig“ gebraucht wird, wäre hier „seltsam“ wohl die bessere Wahl.
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Dr. Atomi
30.07.2024 18:02registriert Juli 2024
Ich freue mich auf den Moment wenn Trump wieder erkennt, dass er nicht vom Volk gewählt wurde, dass wird ein Fest😂 Anemä Täubeli zuäluägä wie er usraschtet🥳🥳🥳
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John Galt
30.07.2024 19:52registriert November 2014
Während „she is crazy“ klar überzeichnet ist, und vor allem die MAGA-Crowd anspricht, trifft „Trump is weird“ wohl etwas besser zu, und spricht eine breitere Gruppe an.

Ein guter Slogan.
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