International
EU

Erdogan fordert von EU Entscheid über Beitritt der Türkei

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan addresses the parliament in Ankara, Turkey, Saturday, Oct. 1, 2016. Erdogan hinted on Thursday that the three-month state of emergency declared following t ...
Keine «diplomatischen Verrenkungen»: Der türkische Präsident Erdogan bei der Eröffnung der Parlamentssaison. Bild: Burhan Ozbilici/AP/KEYSTONE

«Am Ende unserer Geduld»: Erdogan fordert von EU Entscheid über Beitritt der Türkei

01.10.2016, 18:3602.10.2016, 09:20

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die EU-Staaten mit scharfen Worten aufgefordert, abschliessend über den Beitritt seines Landes zu entscheiden. «Wenn die EU die Türkei als vollwertiges Mitglied aufnehmen will, sind wir bereit. Doch sie sollten wissen, dass wir ans Ende unserer Geduld gelangt sind.»

Das sagte Erdogan am Samstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede zur Eröffnung der Parlamentssaison in Ankara.

«Es ist nicht nötig, darum herum zu reden oder sich in diplomatische Verrenkungen zu ergehen», sagte Erdogan. «Es ist ihre Entscheidung, den Weg mit oder ohne die Türkei fortzusetzen.»

Der EU-Beitrittsprozess war in den 60er Jahren begonnen worden, 2005 wurden offizielle Beitrittsgespräche eröffnet. «Die Haltung Europas ist die von jemandem, der seine der Türkei gemachten Versprechen nicht halten will», kritisierte der Präsident.

EU

Erdogan hatte sich zu Beginn seiner Amtszeit als Ministerpräsident 2003 für den EU-Beitritt stark gemacht und eine Reihe seit langem geforderter Reformen umgesetzt.

Angesichts des zunehmend autoritären Regierungsstils Erdogans kamen die Beitrittsgespräche später aber ins Stocken. Bisher wurden 16 von 35 Beitrittskapiteln eröffnet. Seit dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli haben sich die Beziehungen mit der EU weiter verschlechtert.

Visumfreiheit ab Oktober gefordert

Der Präsident sagte in seiner Rede, der Oktober werde ein wichtiger Monat für die Beziehungen mit der EU sein. Es sei «notwendig», dass die EU den Türken noch in diesem Monat Visumfreiheit gewähre.

Die Aufhebung der Visumpflicht ist Teil des Flüchtlingspakts, den Ankara im März mit der EU geschlossen hatte. Doch verlangt die EU eine Änderung der scharfen türkischen Anti-Terror-Gesetze, bevor sie Visumfreiheit gewährt.

Nach dem Umsturzversuch von Juli hatte Erdogan die Wiedereinführung der Todesstrafe erwogen, um die Putschisten zu bestrafen. Brüssel warnte daraufhin aber, dies würde das Ende der Beitrittsgespräche bedeuten. Zuletzt erwähnte Erdogan die Wiedereinführung der Todesstrafe nicht mehr. Auch in der Rede kam sie nicht zur Sprache. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Historische» Rettungsaktion in Oleschky – und sie könnte Folgen haben
In einer von den Kriegsparteien als «historisch» bezeichneten Rettungsaktion haben sich Dutzende Menschen aus der von Russland kontrollierten Frontstadt Oleschky in Sicherheit bringen lassen.
Oft nur mit ein paar Beuteln und dem Haustier im Käfig verliessen sie die abgeriegelte Zone in dem von Moskau annektierten Teil des Gebiets Cherson. Viele von ihnen sind im fünften Kriegsjahr ausgezehrt, einige verwundet, andere bewegen sich mit nur einem Bein an Krücken oder sitzen im Rollstuhl. Die Rettung kam rechtzeitig vor dem Wintereinbruch.
Zur Story