Nationaler Waldbrand-Notstand in Spanien zu Ende – Lage bleibt heikel
Im Zuge der Entspannung bei den verheerenden Waldbränden rund um Madrid hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez den nationalen Notstand aufgehoben. Angesichts einer neuen Hitzewelle mit extremen Temperaturen rief er die Bevölkerung zugleich zu besonderer Vorsicht auf.
Mehrere der schwersten Brände seien durch Unachtsamkeit verursacht worden. «Solche Handlungen werden nicht ungestraft bleiben», betonte Sánchez bei einem Besuch des Einsatzkommandos im Ort Navaluenga in der Provinz Ávila rund 100 Kilometer westlich der Hauptstadt.
Die drei Brände in der Sierra Oeste im Westen der Autonomen Gemeinschaft Madrid sowie in den angrenzenden Provinzen Ávila und Toledo sind inzwischen weitgehend eingedämmt oder völlig unter Kontrolle und breiten sich nicht mehr aus. Die meisten Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen, von denen insgesamt rund 90'000 Menschen betroffen waren, sind dort aufgehoben.
Grösster Waldbrand der jüngeren Geschichte Spaniens
Allein in Ávila wurden rund 50'000 Hektar Wald- und Buschland verwüstet, das entspricht in etwa der Grösse des Bodensees. Dieser Waldbrand gilt als der grösste Spaniens seit Beginn der amtlichen Erfassungen im Jahr 1968.
Auslöser des Brandes in Ávila war nach jüngsten Medienberichten ein grosser Bagger mit Hydraulik-Hammer, der unerlaubterweise in der Gegend im Einsatz war, um einen Weg für Vieh anzulegen. Bei den Arbeiten seien Funken entstanden, die das trockene Gestrüpp entzündet hätten, schrieb die Zeitung «El Mundo» unter Berufung auf die Polizei. Diese nahm den Besitzer vorübergehend fest und befragte ihn. Die Ermittlungen dauern an.
Vierte Hitzewelle des Sommers bereitet Sorgen
Erleichterung gab es auch aus der Provinz Castellón im Osten des Landes: Der grosse Waldbrand im Gebiet Vall d'Uixó, nördlich von Valencia, hatte zuletzt im beliebten Urlaubsland die grössten Sorgen ausgelöst. Das Feuer konnte inzwischen aber eingegrenzt werden und breitet sich nicht weiter aus, wie die Behörden mitteilten. Auch dort hatten Tausende Menschen evakuiert werden müssen. Insgesamt erfassten die Flammen dort 9300 Hektar.
Trotz der zahlreichen guten Nachrichten lodert es in Spanien weiterhin vielerorts. Eine Hitzewelle, die nach Warnung des nationalen Wetterdienstes mit Temperaturen von mehr als 40 Grad, geringer Luftfeuchtigkeit und starken Winden das Waldbrandrisiko erhöht, hält viele Regionen des beliebten Urlaubslandes zudem in Atem. Diese vierte Hitzewelle des Sommers soll bis Sonntag anhalten.
Neue Waldbrände
Drei neue Waldbrände forderten unterdessen die Feuerwehren und weitere Einsatzkräfte besonders stark. Die Feuer seien im Nordwesten des Landes in der Provinz León ausgebrochen, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE. Rund 300 Bewohner aus der Umgebung der Ortschaft San Cipriano hätten ihre Häuser verlassen müssen, hiess es. Sie seien vorübergehend in Schulen und Turnhallen untergebracht worden.
Rund 180 Kilometer südwestlich war zuvor bereits ein weiterer Brand in einem Naturpark in der Provinz Zamora nahe der Grenze zu Portugal ausgebrochen. Wegen erheblicher Risiken für die Anwohner seien bis Donnerstagmorgen zwölf Ortschaften sowie ein Campingplatz geräumt worden, meldete der Rundfunk. Rund 1000 Menschen seien betroffen. An zwei Fronten hätten Feuerwehrleute und Helfer allerdings die Flammen inzwischen eindämmen können, teilte ein Sprecher der örtlichen Verwaltung mit. (sda/dpa)
