ICE räumt hinter den Kulissen bei ihren Beamten auf
Besonders im vergangenen Jahr sorgte die US-Einwanderungsbehörde ICE für massive Kritik. Mehrere Personen wurden bei Einsätzen getötet, zudem sollen auch Beamte mit zweifelhaftem Lebenslauf eingestellt worden sein. Nachdem Trump mit der Unterzeichnung der «One Big Beautiful Bill» im vergangenen Jahr zusätzliche Mittel für die Finanzierung der Behörde zugesichert hatte, wurden Tausende neue Beamte eingestellt.
Allerdings so schnell, dass sie kaum überprüft werden konnten. Laut der Washington Post wurden weder Identitäten noch Fingerabdrücke geprüft. Es kam zu übermässiger Gewaltanwendung und Machtmissbrauch. Beamte gingen besonders rabiat vor oder nahmen Menschen fest, die sich nichts hatten zuschulden lassen kommen.
Jetzt wird aufgeräumt
Mehrere ICE-Beamte wurden zudem als verurteilte Straftäter identifiziert. Die Kritik wurde immer lauter. Das Ministerium gab an, dass die Hintergrundprüfungen noch durchgeführt würden. Nun scheint das tatsächlich zu passieren, wie die «Post» weiter berichtet. In den vergangenen Monaten seien im Hintergrund neu rekrutierte Beamte entlassen worden.
Zu ihnen zählt auch ein 38-Jähriger, der zuvor bei anderen Sicherheitsbehörden entlassen worden war, seine Karriere jedoch nicht aufgeben wollte. Bei ICE erhoffte er sich einen Neustart, wurde aber rund ein Jahr nach der Einstellung wieder entlassen, berichtet die «Post». Der Mann nahm sich daraufhin das Leben.
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Ein anderer ehemaliger ICE-Beamter, der zur selben Zeit eingestellt worden war, sagt gegenüber der «Post», es habe kein Bewerbungsgespräch gegeben. Alles sei via E-Mail abgelaufen. Der Mann wurde mittlerweile ebenfalls entlassen, weil die Überprüfung seiner Daten Ungereimtheiten ans Licht brachte, die er nicht weiter konkretisieren will.
Ein weiterer Ex-ICE-Beamter berichtet, dass sie Trainings auslassen hätten können oder dass sich angehende Beamte online durch einen Fragebogen zum Migrationsgesetz hätten durchklicken können, ohne es wirklich zu verstehen. Der Mann gibt an, wenig später selber gekündigt zu haben, weil er Bedenken bezüglich des Vorgehens der Behörde hatte.
Ein Informant bezeichnet die Situation während der Aufstockung des ICE-Personals ebenfalls als chaotisch. Es habe nicht genügend Schreibtische oder Toiletten im Büro gegeben, weil plötzlich so viele Beamte eingestellt worden waren.
Zeitweise seien Bewerber für Aufgaben zugelassen worden, obwohl weder ihre Identität noch ihre Fingerabdrücke oder ihre Bonität überprüft worden war. Nicht einmal die grundlegenden Prozesse seien eingehalten worden, sagt sein Anwalt zur «Post».
Bei der Behörde selbst spricht man hingegen von einem Standardverfahren. Sollten Hintergrundchecks während des Einstellungsprozesses noch nicht abgeschlossen sein, könne einem Bewerber eine «temporäre Anstellung» angeboten werden. Die Überprüfung werde dann nachgeholt.
Dass derzeit Mitarbeitende entlassen werden, weil ihre Hintergrundchecks Ungereimtheiten ans Licht brachten, darüber macht die Behörde keine Angaben. Es heisst lediglich, dass auch Entlassungen üblich seien. (vro)
