Historischer Tiefstand des Rheins in Köln – und plötzlich erscheint eine Weltkriegsbombe
Der vielbefahrene Rhein hat in Deutschland bei Köln den erst wenige Tage alten historischen Tiefstand wieder erreicht. Der Pegelstand ist heute auf 67 Zentimeter zurückgegangen, wie aus Daten des Wasserstrassen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht.
Damit ist der erst am Samstag gemessene Negativ-Rekord am Pegel Köln eingestellt. Die Aufzeichnungen gehen dort bis 1816 zurück.
Das Niedrigwasser sorgte zusätzlich für Aufregung, weil dadurch eine Weltkriegsbombe gefunden wurde. Der Blindgänger müsse noch im Tagesverlauf entschärft werden, teilte die deutsche Stadt mit.
Menschen im Umkreis von 400 Metern müssten ihre Häuser verlassen – es seien etwa 360 Personen von der Evakuierung betroffen, hauptsächlich Bewohner eines Seniorenheims, hiess es.
Auch der Sender RTL liegt im Evakuierungsradius. Nach Angaben einer RTL-Sprecherin wird das aktuelle TV-Programm von ntv ab 15 Uhr aus einem mobilen Studio produziert. Die Nachrichtensendung «RTL Aktuell heute» um 18.45 Uhr werde nicht aus Köln, sondern aus dem Hauptstadtstudio in Berlin gesendet.
Die US-amerikanische Fünf-Zentner-Bombe sei am Mittwochabend in Höhe des Rheinparks entdeckt worden. Der genaue Zeitpunkt der Entschärfung stehe noch nicht fest.
Laut der Prognose wird für heute Abend ein noch etwas niedrigerer Pegelstand mit 66 Zentimetern erwartet. Das wäre ein weiterer Negativ-Rekord am Pegel Köln. Die Fahrrinne im Rhein ist deutlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer. In Köln etwa sind es beispielsweise 1,11 Meter mehr. Schiffe können zwar weiter fahren, allerdings nur mit deutlich weniger Fracht als sonst üblich.
Leichter Anstieg erwartet
In der weiteren Abschätzung bis Montag erwartet das Amt für die vier grossen Messstationen im westdeutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen – Köln, Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort und Emmerich – einen leichten Anstieg der Pegelstände um zwischenzeitlich bis zu 11 Zentimeter. «Der Wasserstand steigt leicht, ist aber weiterhin extrem niedrig. Eine Trendwende ist bislang nicht zu erkennen», sagte Sprecher Moritz Axt.
Auch am Pegel Düsseldorf wird der Wasserstand der jüngsten Prognose zufolge die erst wenige Tage alte historische Tiefmarke von 20 Zentimetern wieder erreichen, und zwar am Freitag. Am Pegel Duisburg-Ruhrort wird der Negativ-Rekord 148 Zentimeter von Sonntag voraussichtlich vorerst Bestand haben. Für Freitag ist ein Pegelstand von 150 Zentimetern an dieser Stelle vorhergesagt.
In Emmerich bewegt sich der Pegelstand bereits seit Tagen im negativen Bereich, der Schwimmer des Pegels liegt trocken. Eine Sonde liefert die Daten. Am Samstag war hier ein historischer Tiefstand von minus 2 Zentimeter festgestellt worden, der aber bereits unterschritten ist. Am Mittwoch lag der Pegelstand schon bei minus 4. Für Samstag werden hier minus 7 erwartet. (dab/sda/awp/dpa)
