Brände bei Bordeaux: Bereits 220'000 Personen evakuiert
Frankreich
Im Südwesten Frankreichs haben die Brände eine der grössten Evakuierungen in der Geschichte des Landes ausgelöst. Im Département Gironde wurden nach Angaben der französischen Le Monde seit Mittwoch schon über 220'000 Menschen evakuiert.
Bereits 18 Gemeinden sind vollständig evakuiert worden, vier davon liegen im Einzugsgebiet der Grossstadt Bordeaux. Fünf weitere Gemeinden wurden bislang erst teilweise evakuiert. Insgesamt sind durch den Brand, der zwischen Bordeaux und der Atlantikküste lodert, schon über 42'000 Hektaren Wald und Buschland verbrannt worden.
Un paysage de désolation le long de la route entre Le Porge et Lacanau-Ville pendant l'incendie qui ravage la Gironde ⤵️ pic.twitter.com/0hj02phJmp
— ICI Gironde (@ici_gironde) July 26, 2026
Nach Angaben der Feuerwehr entwickelte der Brand zeitweise einen sogenannten Pyrocumulonimbus – eine gewaltige Rauchwolke, die ihre eigenen Winde erzeugen kann und Feuer besonders unberechenbar macht. Rund 140 Wohnhäuser wurden bereits zerstört.
Das Feuer ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Cazenave inzwischen rund 15 Kilometer von der Metropole entfernt. Er sagte nach Angaben der Regionalzeitung «L'Indépendant», die Einwohnerinnen und Einwohner von Bordeaux bereiteten sich derzeit nicht auf eine Evakuierung vor. Zugleich betonte er, die Stadt sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren.
Innenminister Laurent Nuñez sprach am Sonntag von einer «sehr ungünstigen Lage» nach einer schwierigen Nacht. Das Feuer sei in der Nacht wieder «extrem heftig und unberechenbar» geworden und habe sich weiter auf Bordeaux zubewegt.
Auch im benachbarten Département Landes mussten nach Angaben des Innenministers über 31'000 Menschen wegen der Brände ihre Häuser verlassen. Unter den Evakuierten sind viele Urlauber aus der bei Touristen beliebten Küstenregion rund um das Bassin d'Arcachon. Schiffe wurden eingesetzt, um Menschen unter anderem von der Halbinsel Cap Ferret in Sicherheit zu bringen.
Rund 2'500 Feuerwehrleute sind derweil in Südwestfrankreich im Einsatz, um die Flammen einzudämmen. Dazu kommt weiteres Hilfspersonal, so etwa die nationale Gendarmerie, die laut eigenen Angaben mit über 1'300 Mann in den Départementen Gironde und Landes im Einsatz sei.
Frankreich hat zur Unterstützung der Feuerwehren bereits 1500 Soldaten mobilisiert. Zudem wurde ein militärisches Transportflugzeug vom Typus Airbus A400M erstmals für die Brandbekämpfung eingesetzt, obwohl das Flugzeug dafür in Europa noch nicht zertifiziert ist. Total seien 18 Luftfahrzeuge im Einsatz, so der Innenminister.
Premierminister Emmanuel Macron hat sich bei diversen Ländern, darunter auch bei der Schweiz, für die Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände bedankt. So hat die Schweiz am Samstag ein freiwilliges Kontingent an Feuerwehrleuten nach Bordeaux geschickt. Weiter sind vier Schweizer Helikopter im Einsatz, und das VBS prüft aktuell die Verfügbarkeit von Luftmitteln zur Unterstützung der Waldbrandbekämpfung, wie ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA angab. Dies auch mit Blick auf die generelle Trockenheit und Waldbrandgefahr in der Schweiz.
Schweizer bereits im Einsatz
Die 34 Feuerwehrleute, die am Samstag von Genf aus in Richtung Bordeaux aufgebrochen waren, sind angekommen. Sie wurden direkt in der Gemeinde Cestas eingesetzt, wie der Feuerwehr- und Rettungsdienst der Stadt Genf mitteilte.
Die ersten Fahrzeuge seien am Samstagabend gegen 20.30 Uhr in einem Vorort von Bordeaux angekommen und der Rest des Konvois kurz vor Mitternacht, sagte Nicolas Millot, Sprecher des Feuerwehr- und Rettungsdienstes der Stadt Genf (GSIS), am Sonntag zu Keystone-SDA. Sie seien sofort in zwei Gruppen aufgeteilt worden.
Um 01.00 Uhr seien alle Abteilungen in der Gemeinde Cestas vollständig im Einsatz gewesen, um ein Feld mit Photovoltaik-Anlagen zu schützen. Ein grosser Teil der Anlagen sei verschont geblieben und der Einsatz habe gegen 06.00 Uhr geendet, fügte er hinzu.
Das Kontingent aus der Westschweiz umfasst 23 Feuerwehrleute des GSIS, acht Waadtländer, zwei Neuenburger und ein Feuerwehrmann aus dem französischen Departement Haute-Savoie. Der Konvoi brach mit insgesamt elf Fahrzeugen auf.
Spanien
In Spanien sind die Waldbrände grösstenteils unter Kontrollo. Bereits 100'000 Menschen seien aus Madrid und der Provinz Avila evakuiert worden, schreibt «El Pais». Rund 45'000 Hektar Land seien den Flammen zum Opfer gefallen, heisst es weiter.
Der Kommandant des Feuerwehr-Einsatzbataillons gab am Sonntag an, dass nach Fortschritten in der Nacht viele Brandherde eingedämmt worden seien und man die Lage unter Kontrolle habe. Trotzdem gäbe es immer noch viele Glutnester, die jederzeit wieder aufflammen können. Seit vier Tagen behindern starke Windböen die Löscharbeiten.
Derweil sagte der Präsident der Regionalregierung von Kastilien und León am Sonntag, dass das Feuer durch Fahrlässigkeit entfacht worden sei. Belege dafür legte er aber keine vor.
Premierminister Pedro Sanchez kündigte am Sonntag an, dass die Regierung plane, die vom Feuer betroffenen Regionen zu Katastrophengebieten zu erklären. Zudem warnte er die Bevölkerung, dass noch «schwierige Stunden» bevorstehen würden.
(cpf, mit Material der sda/dpa)
