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Putin stellt neue Ukraine-Ansprüche – Donbass reicht wohl nicht

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Wladimir Putin in Sankt Petersburg: Statt einer opulenten Parade gab es zum "Tag der Marine" in Russland in diesem Jahr nur einen geschichtsrevisionistischen Diskurs des Kremlchefs.Bild: keystone

Putin stellt neue Ukraine-Ansprüche – der Donbass reicht ihm wohl nicht

Der Kremlchef spielt vor Marinesoldaten Grenzen und Geschichte neu durch. Seine Aussagen deuten auf weiter reichende Kriegsziele als zuletzt vermutet.
27.07.2026, 19:5327.07.2026, 19:53
Simon Cleven / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der russische Präsident Wladimir Putin gibt sich trotz jüngster Rückschläge im Angriffskrieg gegen die Ukraine siegesgewiss und passt nun offenbar auch seine Kriegsziele an. Beobachter hatten in diesem Jahr getätigte Aussagen aus dem Kreml dahingehend gedeutet, dass Putin sich mit der Eroberung des Donbass zufriedengeben könnte. Die jüngste Rede des Kremlchefs weckt daran jedoch Zweifel: Offensichtlich will Putin deutlich mehr.

Bei einer Rede vor Angehörigen der russischen Marine am Sonntag in Sankt Petersburg griff Putin erneut auf eine historische Konstruktion zurück, mit der er russische Ansprüche auf ukrainische Gebiete begründet. Er erklärte, die westlichen Regionen der Ukraine seien ein «Geschenk» von Josef Stalin gewesen, allerdings nicht an die Ukraine als eigenständigen Staat, sondern «im Rahmen eines einzigen Staates» – damit meinte Putin wohl Russland. Die Rede wurde auf der offiziellen Seite des Kreml und von russischen Staatsmedien verbreitet.

Putin will offenbar mehr als den Donbass

Zudem behauptete Putin, die Ukraine sei «historisch» in ein linkes und ein rechtes Ufer des Flusses Dnepr geteilt gewesen, wobei die linksufrige (also östliche, Anm. d. Red.) Ukraine «immer als Teil Russlands» gegolten habe. Einmal ignorierte Putin, dass die Geschichte der Ukraine und Russlands über Jahrhunderte hinweg getrennt verlief. Zudem gab es bereits vor Gründung der Sowjetunion Bestrebungen für einen ukrainischen Nationalstaat.

Gleichzeitig verdeutlicht Putins Lesart der Geschichte seine Ansprüche mindestens auf Teile der Ukraine. Russland hat bereits in seiner Verfassung festgeschrieben, dass die völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Gebiete Cherson, Saporischschja, Donezk und Luhansk zum russischen Staatsgebiet gehörten. Bislang kontrollieren Kremltruppen keines der Gebiete vollständig. Zu den Gebieten östlich des Dnepr gehören jedoch auch Regionen wie Charkiw, Sumy, Tschernihiw oder etwa die Hälfte der Hauptstadt Kiew.

Anhand des Donbass illustrierte Putin seine revisionistische Geschichtsanschauung: Er habe Archivunterlagen gelesen, nach denen die Sowjetregierung auf Wunsch von Vertretern der Region entschieden habe, den Donbass der Russischen Sowjetrepublik zuzuschlagen. Später sei Lenin überzeugt worden, diese Region der neu entstehenden Ukrainischen SSR zuzuteilen.

«Jetzt liegt es an Ihnen und an uns, wieder auf einen normalen historischen Kurs zurückzukehren», sagte Putin zu den anwesenden Marinesoldaten. Damit verknüpfte er seine Geschichtsversion direkt mit der militärischen Besetzung ukrainischer Gebiete.

Putin: Ukraine wird westliche Landesteile «früher oder später» verlieren

Bereits seit Jahren zweifelt Putin öffentlich die Existenz und Souveränität der Ukraine an. Schon 2008 hatte er beim Nato-Russland-Rat erklärt, die Ukraine sei «kein Staat». 2005 nannte er den Zerfall der Sowjetunion «die grösste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts». Mehrfach bezeichnete er die Sowjetunion als «historisches Russland», das lediglich einen anderen Namen getragen habe. Die jüngsten Aussagen vor Marineangehörigen fügen sich in diese Linie ein.

epa13134773 Russian President Vladimir Putin (2-L), accompanied by Defence Minister Andrei Belousov (L) and Commander-in-Chief of the Russian Navy Admiral Alexander Moiseev (3-L), meets with recipient ...
Putin mit Vertretern der russischen Marine: Der Kremlchef will seine Seestreitkräfte stärken.Bild: keystone

Gleichzeitig prognostizierte der Kremlherrscher, dass die Ukraine ganze Regionen verlieren werde, wo aktuell nicht einmal am Boden gekämpft wird. Er sagte wörtlich: «Ich bin sicher, die Ukraine wird diese westlichen Gebiete früher oder später verlieren. Was früher zu Polen, Ungarn, Rumänien gehörte, wird früher oder später – vielleicht nicht morgen, nicht übermorgen, in einem Jahr oder zwei, in zehn oder fünfzehn – aber am Ende wird alles historisch an seinen Platz zurückkehren.»

Eine Begründung dafür, weshalb ein souveräner Staat seine international anerkannten Grenzen verlieren sollte, nannte er nicht. Stattdessen knüpfte er an seine bekannte Erzählung an, Russland habe «keinerlei Aggression» begangen und sei nur gezwungen gewesen, die «militärische Spezialoperation» zu starten, um einen bereits begonnenen Krieg der Ukraine und des Westens zu beenden.

Zugleich stilisierte Putin Russland zur angeblich einzigen Schutzmacht für die Ukraine, obwohl das Land seit mehr als vier Jahren Ziel des russischen Angriffskriegs ist. «Es gab nur einen Garanten der territorialen Integrität der Ukraine, und das war Russland», erklärte er.

Russland: «Tag der Marine» ohne Parade

Die Führung in Kiew habe aber entschieden, «dass es nötig, möglich und vorteilhaft für sie sei, Russland zum Feind zu erklären». Die Entscheidung der Ukraine, den Aggressorstaat als Gegner zu behandeln, bezeichnete Putin als «Unsinn» und «Schrott». Zudem habe Moskau keinen Krieg begonnen. Tatsächlich war es Putin selbst, der zunächst 2014 die Annexion der Krim und den Einmarsch russischer Kräfte im Donbass sowie dann 2022 die Vollinvasion in die Ukraine befohlen hatte.

Die Äusserungen fielen im Rahmen eines längeren Gesprächs mit Marineoffizieren und -soldaten anlässlich des russischen Flottenfeiertags. Dort versuchte Putin, Strategie, Geschichtsdeutung und innenpolitische Botschaften zu verbinden. So sprach er ausführlich über die Rolle der Marine in der nuklearen Abschreckung, die Bedeutung der Arktis und den Ausbau der russischen Eisbrecherflotte.

Gleichzeitig versicherte er den Soldaten, Russland werde seine «Interessen im Nordmeer» schützen und die Präsenz der Streitkräfte in der Region ausbauen. Die geplante jährliche Marineparade in Sankt Petersburg zum «Tag der Marine» wurde derweil abgesagt – zum zweiten Mal in Folge. Hintergrund dessen ist offenbar die Gefahr durch ukrainische Drohnen. Seit Wochen fügen die Streitkräfte der Ukraine Russland mit solchen Attacken schwere Schäden etwa an Ölanlagen, aber auch an der Militärlogistik zu.

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Steibocktschingg
27.07.2026 19:58registriert Januar 2018
Hat er noch nicht genug Soldaten und Material verschwendet?

Die Ukraine muss alle Mittel bekommen, um diesen krankhaften Imperialismus ein für alle Mal zu besiegen!
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nöd ganz. klar #161!
27.07.2026 19:58registriert April 2019
Hat Putin seine historischen "Fakten" bei Wildberries bestellt?
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plus:minus
27.07.2026 20:05registriert Juni 2022
Dieser Typ wird als grösster Pleitier der Geschichte eingehen.
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