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Russland nutzt Sicherheitslücke in Millionen Haushalten für Spionage
Russische Hacker haben zivile Kameras gehackt, um Nato-Militärstützpunkte auszuspionieren. Das berichtet die britische Zeitung «The Telegraph» unter Berufung auf eine gemeinsame Untersuchung des niederländischen Inlandsgeheimdienstes AIVD und des Militärgeheimdienstes MIVD. Die Täter hätten sich Zugang zu Geräten entlang militärischer Transportrouten verschafft, um herauszufinden, welche Waffen nach Kiew geliefert werden.
Betroffen seien laut den Behörden mehrere europäische Nato-Staaten sowie die Ukraine. Organisationen, deren Kameras an den betreffenden Routen liegen, seien inzwischen gewarnt worden, damit sie Gegenmassnahmen ergreifen können. Um welche Kameratypen es sich konkret handelte, teilten die Geheimdienste nicht mit. In den letzten Jahren haben sich aber intelligente Türklingelsysteme, auf die sich über das Smartphone zugreifen lässt, aufgrund günstiger Importe aus China massenhaft verbreitet.
Die niederländischen Ermittlungen zeigten, dass viele der gehackten Kameras kaum gesichert waren. Die Geräte würden «häufig Standardpasswörter, veraltete Firmware und Standardkonfigurationen aufweisen», teilten die Behörden mit. Angreifer könnten solche Kameras deshalb vergleichsweise einfach über das Internet aufspüren und sich Zugang verschaffen.
Teil eines grösseren Musters
Der Fall reiht sich in eine Serie zuvor bekannt gewordener Geheimdiensterkenntnisse ein, wonach Russland in Europa in grossem Stil spioniert, um sich im Krieg gegen die Ukraine Vorteile zu verschaffen. Bereits im Mai 2025 hatten Sicherheitsbehörden aus Deutschland und den USA vor einer ähnlichen Taktik gewarnt (watson berichtete). Die Spezialeinheit 26165 des russischen Militärgeheimdienstes GRU – bekannt als Fancy Bear – habe sich seit 2022 Zugang zu Überwachungskameras an Grenzübergängen, Bahnhöfen und militärischen Einrichtungen verschafft, um Hilfslieferungen in die Ukraine zu verfolgen.
Nach Angaben von BND, Verfassungsschutz und BSI waren rund 10'000 Kameras in der Nähe von Militäreinrichtungen und Bahnhöfen betroffen, der Grossteil davon in der Ukraine und Rumänien. Ziele fanden sich aber darüber hinaus in insgesamt 13 Staaten, darunter auch Deutschland.
Das Hacken ziviler Kameras zu Spionagezwecken in Kriegen und Konflikten ist üblich. So sollen auch ukrainische Hacker russische Überwachungskameras gekapert haben, um einen Angriff auf den Hafen von Noworossijsk vorzubereiten.
Besonders effektiv in dieser Praxis soll laut einem Bericht der «Financial Times» der israelische Geheimdienst Mossad sein. Demnach hackten israelische Agenten jahrelang Teherans Verkehrsüberwachungsnetz, um den iranischen Obersten Führer Ali Chamenei auszuspionieren. «Wir kannten Teheran so gut, wie wir Jerusalem kennen», sagte ein israelischer Geheimdienstmitarbeiter der Zeitung. Die Erkenntnisse trugen zur Planung des Angriffs bei, bei dem Chamenei getötet wurde.

