International
Gesellschaft & Politik

Ungarn: Orban verkündet Verzicht auf Abgeordnetenmandat

Orban verkündet Verzicht auf Abgeordnetenmandat

26.04.2026, 09:5526.04.2026, 09:55

Der scheidende ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat nach der verlorenen Parlamentswahl vor zwei Wochen angekündigt, sein Abgeordnetenmandat nicht annehmen zu wollen. «Ich werde jetzt nicht im Parlament gebraucht, sondern bei der Neuaufstellung des nationalen Lagers», sagte Orban in einem Video, das er auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte.

Hungary's Prime Minister Viktor Orban addresses after receiving the results of a parliamentary election in Budapest, Hungary, Sunday, April 12, 2026. (AP Photo/Petr David Josek)
Viktor Orban
Viktor Orban verzichtet auf sein Abgeordnetenmandat.Bild: keystone

Orbans bisher regierende rechtspopulistische Fidesz-Partei hatte bei der Parlamentswahl am 12. April lediglich 52 von 199 Mandaten gewonnen und muss damit in die Opposition gehen. Der Wahlsieger, die bürgerliche Tisza-Partei von Peter Magyar, kam auf 141 Mandate und verfügt über eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit. Magyar kommt aus dem Fidesz, brach aber vor zwei Jahren demonstrativ mit Orban und seiner Partei.

Orban regierte 16 Jahre lang zunehmend autoritär über das mitteleuropäische EU-Land. In der EU galt er als der am meisten kremlfreundliche Regierungschef, der mit seinen Vetos häufig Sanktionen gegen Russland und Hilfen für die Ukraine blockierte. Im Wahlkampf punktete Magyar damit, dass er den wirtschaftlichen Stillstand des Landes in den letzten Jahren und die um Orban herum grassierende Korruption anprangerte.

Der scheidende Regierungschef war bei der Wahl am 12. April als Spitzenkandidat seiner Partei ins Rennen gegangen. Seinen Verzicht auf das Abgeordnetenmandat interpretieren Beobachter dahingehend, dass sich Orban nach der krachenden Wahlniederlage des Fidesz darauf konzentriert, seine unumschränkte Macht als Vorsitzender der künftigen Oppositionspartei zu behalten.

Politologe: Mangelnder Realitätssinn

In seiner Facebook-Erklärung kündigte Orban einen Fidesz-Parteitag im Juni an, bei dem die Spitzengremien neu gewählt werden sollen. Er stehe erneut für den Vorsitz zur Verfügung, wenn ihm der Parteitag das Vertrauen ausspreche, fügte er hinzu. Der Politik-Analyst Gabor Török attestierte ihm deshalb mangelnden Sinn für die Realitäten. «Die Partei und ihr Chef sind vorerst nicht dazu bereit, das Gebot der Stunde und die Schwere der Wahlniederlage zu erkennen», schrieb er. (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
5
Schwein gehabt: Esten messen sich im Säuli-Imitieren
Einmal so richtig die Sau rauslassen: Bei einem kuriosen Wettbewerb auf einer Agrarmesse im estnischen Tartu haben sich rund ein Dutzend Teilnehmende im Nachahmen von Schweinlauten gemessen. Auf einer Bühne unter freiem Himmel quiekten und grunzten die Schweine-Imitatoren, was das Zeug hielt – und das so authentisch wie möglich. Gewinner des schweinischen Wettquiekens war Lokalmatador Andrus Maileht.
Zur Story