Was ein 21-Stunden-Flug mit dem Körper macht – und worauf Reisende achten sollten
21 Stunden in der Luft: Bald startet der längste Linienflug der Welt. Ab Herbst 2027 verbindet Qantas London und Sydney erstmals ohne Zwischenlandung. Der Direktflug spart Zeit, doch die lange Zeit im Flugzeug ist für den Körper eine Belastung.
Die Gründe sind bekannt: Bewegungsmangel, trockene Luft, weniger Sauerstoff sowie die Nähe zu vielen Menschen auf engstem Raum. Doch welche weiteren Belastungen bringt eine derart lange Zeit im Flugzeug mit sich? SRF hat bei Expertinnen und Experten des Zentrums für Reisemedizin der Universität Zürich nachgefragt. Ihre Antwort: «Am klarsten zeigt sich der Effekt der Dauer beim Thromboserisiko: Pro zwei zusätzlichen Flugstunden steigt es um rund 18 Prozent.»
Statistisch gesehen kommt es allerdings häufiger vor, dass ein Gepäckstück verspätet ankommt oder verloren geht, als dass Reisende eine Thrombose entwickeln.
Massnahmen gegen die zusätzliche Belastung
Simple Massnahmen können entgegenwirken: alle zwei Stunden aufstehen, ein paar Schritte gehen und zwischendurch die Wadenmuskeln anspannen. Das senke das Thromboserisiko nachweislich. Kompressionsstrümpfe können zusätzlich unterstützen. Aspirin als Vorbeugung? Ein Mythos.
Ein Fensterplatz bietet zwar die schönere Aussicht, macht es aber schwieriger, regelmässig aufzustehen. Ein Gangplatz ist hinsichtlich Bewegungspausen daher die bessere Wahl.
Die Luft im Flugzeug fordert den Körper: In der Kabine herrscht ein Druck wie auf einem Berg von etwa 2400 Metern Höhe. Dadurch nimmt der Körper weniger Sauerstoff auf. Gesunde Menschen kommen damit meist gut zurecht, da der Körper sehr anpassungsfähig ist. Das zeigte ein Test mit einem simulierten 20-Stunden-Flug. Trotzdem entwickelten sieben Prozent der Teilnehmenden Symptome einer leichten Höhenkrankheit wie Kopfschmerzen, meist nach drei bis neun Stunden.
Tipps gegen Trockenheit
Mit 10 bis 20 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen in der Kabine Bedingungen wie in der Atacama-Wüste. Das macht den Augen zu schaffen. Expertinnen und Experten empfehlen deshalb, vor dem Flug Augentropfen ohne Konservierungsstoffe zu verwenden und während des Flugs bewusst häufiger zu blinzeln. Auch der Luftstrom aus der Düse kann die Austrocknung zusätzlich verstärken. Bei trockener Nase können befeuchtende Nasensprays helfen.
Ein Gläschen Alkohol, um besser einzuschlafen? Besser nicht. Alkohol verstärkt Dehydrierung und kann den Schlaf stören. Wichtig ist dagegen, ausreichend zu trinken – am besten Wasser.
Wer besonders aufpassen sollte
Heikel kann ein 21-Stunden-Flug vor allem für Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen sein. Doch auch gesunde Reisende sollten die Belastung nicht unterschätzen. «Wer einen 10-Stunden-Flug gut wegsteckt, kann bei 20 Stunden dennoch Beschwerden entwickeln», so die Expertinnen und Experten. (cst)
