International
Grossbritannien

John Healey tritt als Verteidigungsminister von Grossbritannien zurück

Ministerrücktritt stürzt britischen Premier tiefer in Krise

Schwerer Schlag für Premier Keir Starmer: Der britische Verteidigungsminister John Healey ist im Streit um den Verteidigungsetat zurückgetreten. Das teilte der Labour-Politiker in einem Brief an Starmer mit, den er auf X postete.
11.06.2026, 14:0611.06.2026, 15:20
Christoph Meyer, dpa

Für den ohnehin bereits angezählten Starmer könnte sich der unerwartete Schritt des bislang loyalen Ministers als schicksalhaft erweisen. Sein innerparteilicher Rivale, der Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, läuft sich derzeit warm, um den Partei- und Regierungschef herauszufordern. Er könnte bereits am kommenden Donnerstag bei einer Nachwahl im Bezirk Makerfield den Sprung ins Unterhaus schaffen. Beobachtern zufolge dürften die Chancen Starmers, im Amt zu bleiben, nun weiter schrumpfen.

John Healey, Britain's Minister of Defense arrives for a cabinet meeting inside 10 Downing Street in London, Tuesday, June 2, 2026. (AP Photo/Alberto Pezzali)
John Healey
John Healey: Der britische Verteidigungsminister tritt zurück.Bild: keystone

Starmer «unfähig» und Finanzministerium «unwillig»

Healey, der als besonnener Politiker gilt, begründete seinen Rücktritt mit den Plänen Starmers für den Verteidigungsetat. Diese seien «weit unter dem, was für die Verteidigung und das Land in dieser gefährlichen Zeit notwendig ist», schrieb Healey. Das von ihm beworbene Ziel, die Verteidigungsausgaben bis 2030 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, werde damit deutlich verfehlt.

In dem teils scharf formulierten Schreiben heisst es zudem, Starmer sei «unfähig» und das Finanzministerium «unwillig» gewesen, «die Ressourcen bereitzustellen, die die Nation braucht, um das Land in dieser Zeit wachsender Bedrohungen zu schützen».

Die Anforderungen an das britische Militär seien zudem durch die Zusage für mögliche Einsätze in der Strasse von Hormus, in der Arktis sowie in der Ukraine nach einem Ende des Kriegs dort weiter gestiegen.

Politische Spielräume gelten als extrem eng

Bis zum Ende dieses Jahrzehnts rechneten die britischen und andere Nato-Geheimdienste mit einem möglichen Angriff Russlands auf das Verteidigungsbündnis, habe Starmer selbst gewarnt. «Sie wissen, was die Verteidigung braucht», hielt ihm Healey vor.

Ohne einen Etat, der den Herausforderungen gerecht werde, «bin ich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die die Bereitschaft unserer Streitkräfte verringern würden und das Risiko für Menschen im Einsatz erhöhen würden und das Land weniger sicher machen», so Healey weiter.

Die politischen Spielräume der Regierung in London gelten wegen der hohen Staatsverschuldung seit langem als extrem eng. Die Sozialdemokraten von Starmers Labour-Partei waren mit dem Wahlversprechen in die Regierung gekommen, keine Steuern zu erhöhen. Reformen zur Einsparung bei Sozialausgaben scheiterten weitgehend am Widerstand in der eigenen Partei.

Geht er freiwillig oder wird er abgewählt?

Mit Healey tritt bereits das zweite Kabinettsmitglied innerhalb weniger Wochen zurück. Mitte Mai hatte Wes Streeting seinen Posten als Gesundheitsminister niedergelegt. Auch er will sich um das Amt des Partei- und Regierungschefs bewerben.

Rücktrittsforderungen hatte Starmer bislang zurückgewiesen. Doch mit dem Abgang seines Verteidigungsministers dürfte seine Position immer wackeliger werden. Sein Rückhalt in der eigenen Fraktion ist trotz satter Labour-Mehrheit im Parlament nicht mehr ausreichend, um Gesetzesvorhaben durchzubringen. Erwartet wird daher, dass der populäre Burnham Starmer schon bald ablösen wird. Fraglich scheint nur noch, ob der Premier freiwillig geht, oder ob er in einer Abstimmung abgewählt wird. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
2 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
2
Von Mussolini bis Trump: So politisch ist die Fussball-WM
Donald Trumps harte Migrationspolitik überschattet die Fussball-WM 2026. Die Trennung von Sport und Politik erwies sich schon bei früheren Weltmeisterschaften als Illusion.
Nun hat es einen Schiedsrichter erwischt. Dem Somalier Omar Artan wurde in Miami trotz eines gültigen Visums die Einreise in die USA verweigert. Artan gilt als einer der Besten seines Fachs auf dem Kontinent. Er wurde als Afrikas Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnet. Doch Menschen aus Somalia sind in Donald Trumps Amerika unerwünscht.
Zur Story