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Häusliche Gewalt

Ruth Ellis 70 Jahre nach ihrer Hinrichtung in Grossbritannien begnadigt

Bildnummer: 59992547 Datum: 04.01.2001 Copyright: imago/United Archives International
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Ruth Ellis und David Blakely (Archivbild): Sie erschoss ihren gewalttätigen Partner.bild: imago stock&people/imago
Häusliche Gewalt

Mehr als 70 Jahre zu spät: Frau nach ihrer Hinrichtung begnadigt

Nach 20 Minuten Beratung sprachen die Geschworenen 1955 ihr Urteil. Die Richterin hatte zuvor klare Anweisungen erteilt.
09.07.2026, 10:1209.07.2026, 10:12
Matti Hartmann / t-online
Ein Artikel von
t-online

Mehr als 70 Jahre nach ihrer Hinrichtung durch den Strang ist die letzte in Grossbritannien exekutierte Frau posthum begnadigt worden. Ruth Ellis sei «schwerwiegendes Unrecht» widerfahren, erklärte die britische Regierung am Mittwoch.

Ruth Ellis war im Juli 1955 hingerichtet worden, nachdem sie ihren gewalttätigen Lebensgefährten David Blakely vor einem Pub in London erschossen hatte. Blakely hatte der schwangeren Ellis zehn Tage vor der Tat einen Schlag in den Bauch versetzt, wodurch die 28-Jährige eine Fehlgeburt erlitt.

Die Geschworenen hatten die Frau damals nach nur 20 Minuten Beratung zum Tode verurteilt. Die Richterin hatte sie zuvor angewiesen, die Tatsache, dass die zweifache Mutter von ihrem Geliebten «schlecht behandelt» worden sei, ausser Acht zu lassen.

Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt

Unter häuslicher Gewalt versteht man körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt innerhalb einer Familie oder in einer aktuellen oder aufgelösten Paarbeziehung. Betroffene können sich bei den kantonalen Opferhilfestellen melden, die auf der Website der Opferhilfe Schweiz zu finden sind. Seit Mai 2026 existiert zudem die nationale Opferhilfe-Telefonnummer 142.

Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und anonym. Sollten sich Frauen zu Hause nicht mehr sicher fühlen, finden sie in Frauenhäusern eine sichere Unterkunft. Weitere Unterstützung bietet das Frauen-Nottelefon. Betroffene Männer können sich an die Anlaufstelle Zwüschehalt oder an das Männerbüro Zürich wenden. Bei Straftaten im Ausland können Schweizer Staatsangehörige die Helpline des EDA kontaktieren: +41 800 24 7 365.

«Heute hat unsere Grossmutter endlich Gerechtigkeit erfahren»

Die Hinrichtung von Ruth Ellis löste eine Welle der Empörung aus. Zwei Jahre später wurde die verminderte Schuldfähigkeit als Möglichkeit zur Strafminderung eingeführt. Der Fall führte in Grossbritannien zudem zu einem Umdenken hinsichtlich der Todesstrafe. 1973 wurde diese schliesslich abgeschafft.

Ellis' Geschichte wurde 1985 verfilmt. Ihre Familie hatte sich für die Aufhebung ihrer Mordverurteilung eingesetzt und argumentiert, dass sie ein Opfer von Gewalt gewesen sei und von ihrem Partner körperlich und seelisch misshandelt wurde, bevor sie ihn erschoss.

«Ich habe die Ehre, bekannt zu geben, dass Seine Majestät der König auf unsere Empfehlung hin zugestimmt hat, Ruth Ellis eine bedingte Begnadigung zu gewähren», sagte der britische Justizminister und stellvertretende Premierminister David Lammy am Mittwoch vor dem Parlament, während zwei Enkelkinder von Ellis auf der Zuschauertribüne sassen. Damit werde eine «schwere Ungerechtigkeit» anerkannt, sagte Lammy.

«Heute hat unsere Grossmutter endlich Gerechtigkeit erfahren», erklärte deren Enkelin Laura Enston. «Diese Begnadigung macht nicht ungeschehen, was vor 71 Jahren geschehen ist. Aber sie bekräftigt offiziell und endgültig, dass Ruth nicht hätte hingerichtet werden dürfen und dass die Justiz ihr Ungerechtigkeit zugefügt hat.»

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