International
Iran

Drohnenangriff in Strasse von Hormus stellt Iran-Deal auf Probe

A small motorboat passes anchored vessels in the Strait of Hormuz off Bandar Abbas, Iran, Wednesday, June 17, 2026.(Amirhosein Khorgooi/ISNA via AP)
Iran War Strait of Hormuz
Die Strasse von Hormus bleibt ein heisses Pflaster.Bild: keystone

Iranischer Drohnenangriff in Strasse von Hormus stellt Iran-Deal auf die Probe

26.06.2026, 07:0526.06.2026, 07:05

Ein mutmasslich iranischer Drohnenangriff auf ein Frachtschiff in der Strasse von Hormus stellt das Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran zur Beendigung des Kriegs und Wiederöffnung der Meerenge auf die Probe. Der Vorfall vor der Küste des Omans ereignete sich wenige Stunden, nachdem Irans Revolutionsgarden gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien. Daraufhin stoppte die Weltschifffahrtsorganisation IMO vorläufig wieder die Evakuierung von Schiffen rund um die für den Öl- und Düngerhandel wichtigen Meerenge.

Es müsse überprüft werden, «ob die erforderlichen Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf unserer Evakuierungsliste und alle Schiffe in der Region weiterhin gegeben sind», sagte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez. Das betroffene Schiff habe sich nicht auf Durchfahrt im Rahmen des IMO-Evakuierungsplans befunden. US-Medien zitierten US-Beamte, wonach das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff von einer Drohne der Revolutionsgarden – der Elitestreitmacht der Islamischen Republik – getroffen wurde. Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) teilte mit, ein «unbekanntes Projektil» habe die Brücke beschädigt. Es gebe keine Verletzten.

Teheran warnt

Irans kürzlich gegründete Persian Gulf Strait Authority (PGSA) bekräftigte am Abend auf X, dass Durchfahrten durch die Strasse von Hormus nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien. Andere Routen seien nicht durch die Garantie sicherer Passagen abgedeckt. Jegliche Konsequenzen infolge der Befahrung nicht genehmigter Routen würden in der «alleinigen Verantwortung des Schiffseigners, des Charterers und des Kapitäns» liegen und berechtigten «nicht zu Versicherungsschutz oder damit verbundenen Haftungsansprüchen».

Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Inzwischen haben sich Washington und Teheran vorläufig auf ein Ende der Kampfhandlungen geeinigt. Beide Blockaden wurden im Zuge des Rahmenabkommens aufgehoben. Als Teil des vorläufigen Deals setzten die USA diese Woche Sanktionen auf iranisches Öl vorübergehend aus.

«Sicherheit der Seeleute hat oberste Priorität»

Die Weltschifffahrtsorganisation IMO – eine UN-Sonderorganisation – kündigte am Dienstag an, mehr als 11'000 Seeleute aus der Region zu evakuieren. Noch am selben Tag hatten erste Schiffe die Strasse von Hormus passiert. 70 Durchfahrten zählte der Datenanbieter Kpler am Tag darauf. Vor Ausbruch des Iran-Kriegs waren es täglich mehr als 100 gewesen. Am Donnerstagvormittag erfolgte dann die Mitteilung der iranischen Revolutionsgarden, dass Passagen durch die Meerenge nur auf iranisch festgelegten Routen sicher seien. Der Datenanbieter Windward berichtete von vier Tankern, die nach warnenden Funksprüchen der Revolutionsgarden auf der Oman-Route umgekehrt seien.

Nach dem Angriff auf das Frachtschiff sagte IMO-Generalsekretär Dominguez: «Ich habe stets betont, dass die Sicherheit der Seeleute oberste Priorität hat». Daher werde der Evakuierungsplan bis zur Klärung der Lage ausgesetzt. Die Öffnung der Strasse von Hormus für die Schifffahrt ist ein zentraler Bestandteil des jüngst vereinbarten Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran.

Trump: Strasse von Hormus offen

US-Präsident Donald Trump bekräftigte unterdessen bei einem Essen mit Farmern im Rosengarten des Weissen Hauses, dass die Meerenge offen sei. Den Angriff auf das Schiff vor der Küste des Omans erwähnte er dabei mit keinem Wort. Stattdessen betonte er einmal mehr, dass der Iran unbedingt ein Abkommen mit den USA schliessen wolle – und ergänzte: «das werden wir wahrscheinlich auch tun. Ich denke, wir werden es tun.» Das ausgehandelte Rahmenabkommen stellt den Grundstein für Verhandlungen etwa über Teherans Atomprogramm dar.

In dem vorläufigen Abkommen ist festgelegt, dass der Iran während der zunächst auf 60 Tage angesetzten Verhandlungen keine Gebühren für eine Passage durch die Strasse von Hormus verlangen darf. Wie es danach weitergeht, soll der Iran mit dem Oman aushandeln – unter Beachtung des internationalen Rechts und Einbeziehung der Anrainerstaaten. Völkerrechtler halten Gebühren für problematisch.

Nach Angaben Omans soll es keine Gebühren geben. «Zukünftige Regelungen mit Blick auf die Strasse (von Hormus) beinhalten keine Erhebung irgendwelcher Transitgebühren», teilte Omans Aussenminister Badr al-Busaidi mit. Das Rahmenabkommen habe das Ziel, dort die Freiheit der Schifffahrt und sichere Durchfahrt zu gewährleisten. US-Aussenminister Marco Rubio sagte nach einem Ministertreffen des Golf-Kooperationsrates in Bahrains Hauptstadt Manama, die Meerenge sei internationales Gewässer und gehöre keinem Staat.

Rubio: Wollen keine Iran-Einigung «um jeden Preis»

Mit Blick auf die Verhandlungen mit dem Iran betonte er, Washington strebe zwar eine Einigung an, werde jedoch keinem Abkommen «um jeden Preis» zustimmen. Ein möglicher Deal müsse gut, belastbar und überprüfbar sein sowie dauerhaft eingehalten werden. Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom postete unterdessen auf X Bilder von F-16-Kampfflugzeugen und verwies dabei wie zur Warnung darauf, dass die US-Streitkräfte «in der gesamten Region präsent und wachsam» blieben. (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 30
Iran-Krieg in Bildern

Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
USA und Iran verwenden KI-generierte Propaganda
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
15 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
15
Russland verhängt Ausnahmezustand auf der Krim
Russland hat auf der besetzten Halbinsel Krim den Ausnahmezustand verhängt. Das verkündete der Gouverneur. Die Region war in den vergangenen Wochen durch ukrainische Angriffe zunehmend von der Versorgung abgeschnitten worden. In der Folge wurde unter anderem Treibstoff knapp. (hkl)
Zur Story