Trump ziert sich, den Iran-Krieg auszuweiten – weil ihm die Munition ausgeht
Seit März dieses Jahres sind die USA und das Mullah-Regime des Irans in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Immer wieder beschiessen sich die beiden Mächte gegenseitig. Während die US-Streitkräfte militärische und zivile Infrastruktur anvisieren, zielt der Iran auf US-Stützpunkte in den umliegenden Golfstaaten, Ölfelder und gelegentlich Handelsschiffe.
Bislang ist es jedoch nicht zu einer grösseren Eskalation im Iran-Konflikt gekommen. Während der iranische Armeesprecher am Sonntag zwar mit einer Ausweitung des Konflikts gedroht hat, haben beide Konfliktparteien ihre Luftschläge in den vergangenen zwei Nächten eingestellt.
Die iranische Begründung dafür ist, dass das eigene militärische Vorgehen ausschliesslich auf Vergeltung ausgerichtet sei. Und auf Seiten der USA? Wie die «New York Times» berichtet, seien ein gewichtiger Grund für das amerikanische Zögern knappe Munitionsreserven.
Interceptor-Munition gefährlich tief
So soll Präsident Trump am Freitag an einer Sitzung mit Top-Beratern und Kabinettsmitgliedern über die schwindende Reserve an sogenannter Interceptor-Munition diskutiert haben, schreibt die Zeitung unter Berufung auf zwei anonyme Insider.
Interceptor-Raketen werden zum Abfangen feindlicher Raketen und/oder Drohnen eingesetzt. Im Irankrieg ist solche Munition für die US-Truppen in der Region besonders wichtig, weil der Iran fast ausschliesslich ballistische Raketen und Drohnen (wie etwa die im Ukrainekrieg eingesetzte Schahed) verwendet. Erst vergangene Woche sind drei US-Soldaten gestorben, als ein iranischer Luftschlag durch das Abwehrnetz gelangte und eine US-Basis in Jordanien traf.
Auch General Dan Caine, der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, sieht die Situation laut der Zeitung kritisch. Ihm zufolge sei die Wiederaufnahme grösserer Kampfhandlungen gegen den Iran zwar machbar, allerdings würden sie die Munitionsreserven des zentralen Kommandos (CENTCOM) auf ein gefährlich tiefes Niveau bringen.
Daten des Pentagons, die das Center for Strategic and International Studies (CSIS) ausgewertet hat, zeigen auf, wie viel Munition die US-Streitkräfte schätzungsweise im Iran-Krieg bereits verbraucht haben. Die Zahlen zeigen: Sowohl bei offensiven Waffensystemen wie der Tomahawk-Rakete oder dem JASSM-Marschflugkörper als auch bei Abfangmunition wie dem Patriot-System wurden bereits beträchtliche Anteile der Bestände verwendet.
Expertin warnt
Dr. Kelly Grieco, Expertin für Verteidigung am Stimson Center, warnt gegenüber dem Sender ABC vor dem grossen Munitionsverbrauch der US-Streitkräfte: «Das Militär frisst gerade mehr Munition weg, als es sich leisten kann.»
Das Militär habe zudem einen grossen Teil seiner «hochwertigen kritischen Systeme», also von Systemen, die nur in begrenzter Zahl vorhanden sind, verwendet:
Es werde bereits jetzt Jahre dauern, bis man die im Krieg verwendete Munition wieder vollumfänglich produziert habe, so Kelly. Manche der Waffensysteme brauchen bis zu sieben Jahre, bis sie produziert sind. Eine Zeitspanne, in der die abschreckenden Fähigkeiten der US-Streitkräfte kompromittiert sein könnten.
Laut Angaben des CENTCOM wurden im Konflikt bereits über 10'000 Ziele im Iran angegriffen – laut einem «Times»-Bericht vom Mai verfügt der Iran jedoch weiterhin über rund 70 Prozent seiner ballistischen Waffensysteme. (cpf)
UN-Botschafter: «Blödsinn»
Am Sonntagabend (Schweizer Zeit) hat der UN-Botschafter der Vereinigten Staaten zu den Vorwürfen bezüglich schwindender Munitionsreserven Stellung genommen.
In einem TV-Interview mit ABC sagte Mike Waltz, er habe sich persönlich davon überzeugt, dass die US-Kräfte über genügend Munition verfügen, um den Einsatz so effektiv wie nötig durchzuführen. Leute, die solch einen «Blödsinn» erzählen würden, gehörten ihm zufolge ins Gefängnis.
