Nach iranischen Raketenangriffen: Israel kündigt harte Vergeltung an
Die israelischen Streitkräfte teilten am Sonntagabend mit, mehrere aus Iran gestartete Raketen abgefangen zu haben. Zuvor waren in Teilen Nordisraels Warnmeldungen ausgelöst worden. Kurz darauf sprach die Armee von weiteren Raketensalven, die auf israelisches Staatsgebiet abgefeuert worden seien.
Auch iranische Staatsmedien bestätigten die Angriffe. Demnach wurden zwei Raketensalven auf Israel abgefeuert. Nach Angaben des israelischen Fernsehsenders N12 wurden insgesamt vier Raketen registriert. Im Norden des Landes heulten die Warnsirenen.
Israel droht mit Vergeltung
Nach den Angriffen kündigte Israel Medienberichten zufolge eine harte Reaktion an. Der TV-Sender N12 sowie das Nachrichtenportal «ynet» zitierten einen israelischen Regierungsvertreter mit den Worten: «Der Iran kann vergessen, dass wir das hinnehmen werden – die Reaktion wird hart ausfallen.»
Weiter sagte der Vertreter demnach, Israel werde «nicht zulassen, dass sie irgendwelche neuen Spielregeln schaffen und unsere Souveränität verletzen».
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu berief nach den Raketenangriffen eine Sicherheitsberatung ein.
Iran begründet Angriff mit Beirut-Luftschlägen
Das iranische Militär erklärte, die Raketenangriffe seien eine Reaktion auf «wiederholte Verstösse» Israels gegen die Waffenruhe im Libanon. Konkret verweist Teheran auf die israelischen Luftangriffe auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut vom Sonntag.
Israel hatte den Angriff mit Raketenbeschuss durch die Hisbollah auf Nordisrael begründet. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, Ziel seien «Terroristen-Hauptquartiere» der Hisbollah gewesen.
Bereits vergangene Woche hatte Iran mit direkten Angriffen auf Israel gedroht, falls die israelische Armee Beirut angreifen sollte. Ein iranischer Parlamentarier kündigte nach dem Luftschlag eine «entschlossene und schmerzhafte Antwort» an.
Schulen in ganz Israel geschlossen
Aus Sorge vor einer weiteren Eskalation ordnete die israelische Regierung an, dass am Montag landesweit sämtliche Schulen geschlossen bleiben. Zudem rief das Heimatschutzkommando die Bevölkerung dazu auf, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten und weitere Anweisungen der Behörden zu befolgen.
Fragile Waffenruhe gerät erneut unter Druck
Zwischen Iran, Israel und den USA gilt seit April eine fragile Waffenruhe. Der Iran hatte zuletzt am 8. April Raketen auf Israel abgefeuert. Im Anschluss vereinbarten Washington und Teheran eine zunächst befristete Feuerpause, die später verlängert wurde.
Die Waffenruhe war eng mit Verhandlungen über die Zukunft des iranischen Atomprogramms und die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Strasse von Hormus verbunden. Ein dauerhafter Durchbruch in den Gesprächen blieb bisher jedoch aus.
Die jüngsten Raketenangriffe gefährden die ohnehin angespannte Lage erneut und nähren die Sorge vor einer weiteren Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten. (mke)
