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Österreich: Ex-ORF-Chef Weissmann klagt auf Millionen-Entschädigung

20251216 Eurovision Song Contest 2026 - ORF-Medienupdate WIEN, OESTERREICH - 16. DEZEMBER: ORF-Generaldirektor Roland Weissmann waehrend des Mediengespraechs anlaesslich eines ORF Updates zum 70. ESC  ...
Der ehemalige ORF-Chef Roland Weissmann verlangt nun Geld.Bild: imago

Nach Belästigungsvorwurf: Ex-ORF-Chef klagt auf Millionen-Entschädigung

Roland Weissmann verlor im März seinen Job als ORF-Generaldirektor. Jetzt ist er vor Gericht und geht zum Gegenangriff über. Weissmann fordert Millionen.
12.08.2026, 13:3412.08.2026, 13:34
Steven Sowa / t-online
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t-online

Am Dienstag begann der Gerichtsprozess um den ehemaligen ORF-Chef Roland Weissmann am Wiener Arbeits- und Sozialgericht. Es war der Auftakt zu einem Verfahren, das ihn und den öffentlich-rechtlichen Sender noch Monate begleiten wird. Und es ist nicht der einzige Rechtsstreit, der im Zuge der Affäre um sexuelle Belästigung die österreichische Justiz beschäftigt.

Das mutmassliche Opfer fordert vor Gericht Schadenersatz wegen mutmasslicher sexueller Belästigung. Der Vorwurf: Weissmann soll sie über drei Jahre belästigt haben. Er habe Nacktfotos geschickt und sie zu Treffen aufgefordert. In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Details enthüllt worden, so veröffentlichte die Wiener Wochenzeitung Falter entsprechende Chatnachrichten. Darin schrieb Weissmann der Frau etwa: «In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will.»

Rund 3,9 Millionen Euro Schadenersatz?

Weissmann bestreitet die Vorwürfe. Mehr noch: Der 58-Jährige verlangt Geld. Denn vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht geht es gar nicht um die Belästigungsvorwürfe an sich, sondern um eine Klage des Ex-Intendanten gegen den ORF: Er kämpft vor Gericht gegen seine Entlassung, die im April nach Bekanntwerden der Vorwürfe ausgesprochen worden war.

In einer weiteren Klage fordert er vom Sender eine Entschädigung von 200'000 Euro sowie Rentenbeiträge. Insgesamt beschäftigen sich in Österreich drei Prozesse mit dem Fall und seinen Folgen. Rechnet man die Summen zusammen, die Weissmann fordert, ergeben sich rund 3,9 Millionen Euro, die er wegen seiner Kündigung, der Rufschädigung und seinen entgangenen Einnahmen erhalten möchte.

Roland Weissmann beharrt darauf, dass die Beziehung zu der Frau «einvernehmlich und wechselseitig» gewesen sei. Er sieht sich zu Unrecht beschuldigt und wolle nach eigenen Angaben die gesamte ORF-Spitze vor Gericht bringen.

ABD0128_20260811 - WIEN - ÖSTERREICH: Anwalt Oliver Scherbaum und Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann am Dienstag, 11. August 2026, anl. der Verhandlung "Arbeitsrechtssache Roland Weißmann geg ...
Roland Weissmann und sein Anwalt Oliver Scherbaum am Arbeits- und Sozialgericht in Wien.Bild: Keystone

Sein Anwalt Oliver Scherbaum sagte der Bild in einem Interview: «Dass bei einer Kommunikation auch Fotos übermittelt werden, kommt vor. Sie hat aber immer unwahr eine Beziehung bestritten.» Demnach seien zwischen seinem Mandanten und der Frau «über vier Jahre mehrere hundert Chatnachrichten und Fotos» ausgetauscht worden.

Die Compliance-Stelle des ORF hatte nach Prüfung des Falls festgestellt, dass «eine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn im konkreten Fall nicht vorliegt». Das österreichische Strafrecht definiert sexuelle Belästigung als ungewollte sexuelle Handlungen oder intime Berührungen. Verbale Übergriffe fallen nicht darunter.

Verhandlung wurde vertagt

Neben dem arbeitsrechtlichen Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien seit Wochen gegen die betroffene Frau und ihren Rechtsanwalt wegen des Verdachts der Erpressung und der illegalen Tonaufzeichnung. Weissmann hatte eine entsprechende Anzeige wegen Verleumdung und Erpressung eingebracht. «Ich bin durch die Hölle gegangen», sagte Weissmann in einem Interview mit der österreichischen Kronen Zeitung. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Zu einem Vergleich kam es in der ersten Sitzung nicht. Der ORF-Anwalt erklärte, die geforderten Millionen seien vom Steuerzahler nicht zu stemmen. Die Verhandlung wurde vertagt.

Beim Sender wurde nach den Vorgängen um Weissmann längst ein Umbruch eingeleitet. Mehrere Spitzenmanager wurden in den vergangenen Monaten wegen mutmasslichen Fehlverhaltens freigestellt. Zuletzt musste der Leiter des Kultur- und Infosenders ORF III seinen Posten räumen. Als neuer Intendant des ORF wurde Clemens Pig designiert. Er führt jetzt eine Rundfunkanstalt mit 4'000 Mitarbeitern und einem Budget von rund 1,1 Milliarden Euro.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

(nil)

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