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Ex-Aussenministerin Kneissl hadert mit ihrem russischen Exil

June 26, 2026, Saint Petersburg, Russia: Karin Kneissl seen during the Lecture by the Head of the Geopolitical Observatory for Russia s Key Issues G.O.R.K.I. Centre, at The St. Petersburg Internationa ...
Wird in Österreich weitum als «Landesverräterin» angesehen: Ex-Aussenministerin Karin Kneissl an einer Veranstaltung in St. Petersburg. Die Parteilose wurde einst von der FPÖ ins Amt berufen.Bild: imago

Ex-Aussenministerin Kneissl hadert mit ihrem russischen Exil

Die in Österreich als Putin-Marionette verspottete frühere Aussenministerin Karin Kneissl stellt ihren Social-Media-Kanal ein. In Wien will man ihr vorsorglich den rot-weiss-roten Pass entziehen.
07.08.2026, 23:1207.08.2026, 23:12
stefan schocher, wien / ch media

Es war am 30. Juli, da wünschte Karin Kneissl, 61, ihrem Gefolge auf Telegram zum bisher letzten Mal einen «guten Morgen vom Planet Russland». Sie wolle ihren Telegram-Kanal «aus verschiedenen Gründen» einstellen.

Sie arbeite rund um die Uhr und werde die «verbleibende Freizeit lieber dem Lesen von Büchern und der Pflege meines kleinen Bauernhofs» widmen. Dieser Abschied und einige Aussagen in einem Interview legen den Schluss nahe, dass etwas faul sein muss in Kneissls selbstgewähltem Exil.

Denn bisher konnte die ehemalige österreichische Aussenministerin und Putin-Bewundererin nicht genug öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Im Interview mit einem russischen Lokalmedium beklagte sie sich aber zwischen den Zeilen über ihr Dasein: kein Geld, Leben auf einer Baustelle, der allgegenwärtige Alkoholismus in Russland, den sie nicht verstehe, die Dorf-Gerüchteküche um ihre Person und dass alle denken würden, sie sei ein «wandelnder Geldautomat».

Auch mit der russischen Sprache habe sie ihre Probleme. Solche Äusserungen passen so gar nicht zur sonst sorgsam polierten Russland-Propaganda, die Kneissl bisher stets von sich gab.

Debatte um Entzug der Staatsbürgerschaft

In Österreich haben Kneissls jüngste Äusserungen für Aufsehen gesorgt. Witzbolde in den sozialen Medien befürchten, sie könne ernsthaft eine Rückkehr in die Alpenrepublik beabsichtigen. Vor allem aber wurde die Debatte um den Entzug ihrer Staatsbürgerschaft neu angefacht. Die liberale Neos-Partei sieht in Kneissls prorussischer Tätigkeit die Bedingungen dafür erfüllt. Darum hat sie bereits im vergangenen März eine dahingehende Initiative gestartet.

Die ehemalige österreichische Aussenministerin lebt seit September 2023 in Russland. Nach ihrer «Flucht» aus Österreich, wie sie es damals darstellte, legte sie zuerst Zwischenstationen in Frankreich und im Libanon ein. Ihre Ehe, die 2018 im Beisein des russischen Präsidenten geschlossen worden war – samt Tanz und Knicks vor Putin –, ging in die Brüche.

Russian President Vladimir Putin, right, congratulates Austrian Foreign Minister Karin Kneissl as he attends the wedding of Kneissl with Austrian businessman Wolfgang Meilinger in Gamlitz, southern Au ...
Russlands Präsident Wladimir Putin als Gast auf Karin Kneissls Hochzeit 2018.Bild: AP/Pool Sputnik Kremlin

Mediale Aufmerksamkeit bekam Kneissl nach ihrem Ausscheiden aus der Politik insbesondere durch Geldsorgen und den bisweilen bizarren Rosenkrieg mit ihrem Ex-Mann. Sowie durch ihre Weigerung, aus dem Aufsichtsrat von Rosneft (Jahresgage: 500'000 Dollar) auszuscheiden. Dann wurde es still um sie – bis ihr die russische Luftwaffe beim Umzug samt Ponys aus dem Libanon in die Kleinstadt Kasimow südöstlich von Moskau half.

Propagandistische Reality-Show

Seither war Karin Kneissls Leben so etwas wie eine propagandistische Reality-Show: Sie gab Interviews in Staatsmedien, hielt Vorträge, verfasste Analysen zur Weltlage, freilich stets im Sinne des Kremls. Selbst ein eigenes Institut hat man ihr gegeben: das an der Universität von St. Petersburg angesiedelte «Geopolitische Observatorium für Russlands Schlüsselfragen».

All das dürfte ihr viel Geld eingebracht haben. Alleine für ihre Tätigkeit im eigenen Institut dürfte Kneissl 244'000 Euro bezogen haben. Für Medienauftritte stellte sie umgerechnet 2200 Euro pro Sendung in Rechnung.

All das, und ihre Vorgeschichte als skandalträchtige Aussenministerin zwischen 2017 und 2019, haben ihr weitum den Ruf einer Landesverräterin eingetragen. Neos-Parteiobmann Yannick Shetty ist sich jedenfalls sicher, dass Kneissls Tätigkeit ein rechtliches Nachspiel haben wird.

epa10856038 Former Austrian Foreign Minister Karin Kneissl (C) attends a plenary session of 2023 Eastern Economic Forum (EEF) at the Far Eastern Federal University on Russky Island in Vladivostok, Rus ...
Karin Kneissl an einer Wirtschaftskonferenz in Wladiwostok im Jahr 2023.Bild: Keystone

Die Sache ist allerdings heikel: Laut österreichischem Recht kann einer Person die Staatsbürgerschaft nur dann entzogen werden, wenn diese in den militärischen Dienst eines anderen Staates eintritt oder im Auftrag eines anderen Staates dem Ansehen oder den Interessen des österreichischen Staates Schaden zufügt.

Über all dem steht allerdings der Grundsatz: Es darf keine Staatenlosigkeit entstehen – ausser in besonders schwerwiegenden und eindeutigen Fällen. Folglich stehen die Chancen auf Entzug eher gering, solange Kneissl keinen russischen Pass annimmt. Und ihren österreichischen Pass abgeben will Kneissl anscheinend nicht. Sie habe nicht vor, «ihre Identität zu ändern», sagte sie in besagtem Interview. (schweizheute.ch)

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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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_kokolorix
08.08.2026 00:29registriert Januar 2015
Allein, die Tatsache, dass sie den russischen Pass nicht annehmen will, spricht Bände …
Das Leben in russland ist Kacke, selbst wenn man verhältnismässig reich ist. Man ist eingesperrt, die Männer sind immer besoffen, vieles ist nicht mehr verfügbar, und wenn man sich beschwert, winkt das Arbeitslager, das Fenster oder der Tee …
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Lausannois86
08.08.2026 00:59registriert November 2018
Ich glaube, mehr Landesverrat als sie kann man nicht begehen...
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tss
08.08.2026 00:01registriert Juni 2020
Genau solche Leute, wo für Geld alles tun, sollten hart bestraft werden. Und bitte sagt mir nicht, sie wusste nicht was sie tat. Die Staatsbürgerschaft sollte solchen Leute entzogen werden. Irgend wann sollte genug, genug sein.
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