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Klima

Frankreich kämpft gegen Hitzetod mit Gratiskino und Alkoholverbot

A family walks through a cooling water spray at the Eiffel Tower in Paris, Sunday, June 21, 2026. (AP Photo/Michel Euler)
France Extreme Weather Heat
Ein Wassersprüher beim Eiffelturm in Paris. Bild: keystone

Droht ein Massensterben wie 2003? So kämpft Frankreich gegen die Bruthitze

Das Land leidet geographisch bedingt speziell unter der «canicule», der Hitzewelle. Dutzende von Todesfällen versetzen die Regierung in Alarmbereitschaft.
23.06.2026, 20:0023.06.2026, 20:00
Stefan Brändle
Stefan Brändle

Am Sonntag hatte die Regierung in den heissesten Departementen ein Alkoholverbot zum traditionellen Musikfest erlassen. Diese Anordnung sorgte für einen relativ ruhigen Verlauf des Abends. Die Regierung überlegt sich deshalb, den Konsum und Verkauf von Alkohol im öffentlichen Raum auch am kommenden Wochenende zu verbieten oder einzuschränken.

Mehr als die Hälfte der 96 Festland-Departemente haben die höchste Warnstufe Rot ausgerufen. Premierminister Sébastien Lecornu berief am Dienstag eilends eine Krisensitzung ein. Er will – muss – Verhältnisse wie in der Hitzewelle von 2003 verhindern, als 15'000 vorwiegend ältere Menschen an Hitzeschlägen und Flüssigkeitsmangel gestorben waren. Das Trauma überfüllter Leichenhallen ist in Frankreich bis heute präsent.

Kleinkinder im Auto erstickt

Aus Altersheimen werden erste mit den hohen Temperaturen erklärte Todesfälle gemeldet. Ein Indiz der kritischen Lage: In den Notfallstationen sind die Einweisungen um 60 Prozent hochgesprungen.

Aber auch junge Menschen trifft es. Das Sportministerium vermeldete am Dienstag 40 Todesfälle allein in Flüssen und stehenden Gewässern. In Carpentras (Südfrankreich) starben zwei Kinder in der Bruthitze ihres Autos.

Die Präfekturen warnen in Communiqués vor einem unvorsichtigen Verhalten von Eltern und Teenagern. Kleinkindern kann es in einem überhitzten Fahrzeug binnen Minuten an Atemluft fehlen. Der Sprung in gefährliche Gewässer oder auch nur das Schwimmen in unbemerkten Strömungen kann tödliche Folgen haben. Schwimmverbote werden trotzdem vielerorts missachtet, so auch im Pariser Trendort, dem Canal Saint-Martin.

epaselect epa13052276 A young man jumps from a bridge to cool off in the Canal Saint-Martin, in Paris, France, 20 June 2026. An intense heatwave is gripping Western and Central Europe, pushing tempera ...
Gefährlicher Sprung ins feuchte Nass – hier am Canal Saint-Martin in Paris.Bild: keystone

«Passen wir aufeinander auf!», warnte Staatschef Emmanuel Macron seine Landsleute über die sozialen Medien. Sein Premier beaufsichtigte die Schliessung von über tausend Schulen. Ein Zehntel der Züge verkehrt in Frankreich hitzebedingt nicht mehr. Die Regierung empfiehlt das Arbeiten im Home Office.

In der Hauptstadt Paris ist die «canicule», die Hitzewelle, wegen der Abwesenheit von Grünflächen noch spürbarer als anderswo. Studenten und Senioren halten es in den ehemaligen «Chambres de bonne», den Dienstboten- oder Mansardenzimmern unter den Zinkdächern, oft nicht mehr aus. Bürgermeister Emmanuel Grégoire hat deshalb angeordnet, dass die städtischen Pärke und Stadtgärten auch in der Nacht offenbleiben.

Freie Parkbänke finden sich dort kaum mehr: Wer sich keine «clim» (Air condition) leisten kann oder im Laden zu spät einen Ventilator kaufen wollte, verbringt die meiste Zeit im Stadtpark.

Viele Handy-Applikationen «Free Taps» geben in Paris Ratschläge, wo man sich Wasser oder zumindest etwas frische Luft beschaffen kann. Oder welches die kühlsten Einkaufszentren oder Bahnhöfe sind. Der 10. Stadtbezirk von Paris organisiert eine Operation «ciné-clim»: Für Menschen unter 29 Jahren oder über 65 Jahren ist der klimatisierte Kinobesuch unentgeltlich.

Am Sonntag hatte die Regierung in den heissesten Departementen ein Alkoholverbot zum traditionellen Musikfest erlassen. Diese Anordnung sorgte für einen relativ ruhigen Verlauf des Abends. Die Regierung überlegt sich deshalb, den Konsum und Verkauf von Alkohol im öffentlichen Raum auch am kommenden Wochenende zu verbieten oder einzuschränken.

Dass die Regierung einen Plan gegen die Klimaerwärmung aus Budgetgründen vor wenigen Monaten drastisch zusammengestrichen hatte, geht in Frankreich fürs erste unter. (schweizheute.ch)

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Am Sonntag wurde es in Paris 37 Grad.

quelle: keystone / michel euler
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Die beliebtesten Kommentare
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frereau
23.06.2026 21:30registriert Januar 2019
Heute im Schulzimmer in der Stadt Zürich: 34°C Innentemperatur. Schon das ist kaum auszuhalten.
An Lehren und Lernen ist fast nicht mehr zu denken.
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Enzasa
23.06.2026 20:24registriert August 2016
Alkoholfrei in Fußball Stadien, Festivals und anderen öffentlichen Veranstaltungen, würde für wesentlich weniger Aggressionen sorgen.
Warum klammern wir so an Dingen, die schädlich für uns sind?
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Jep.
23.06.2026 21:55registriert Januar 2022
Wer Kinder auch nur eine Minute im Auto lässt, nimmt fahrlässig deren Tod in Kauf. Kurz zum Bäcker? Nimm das Kind mit! Man weiss nie, ob man mit dem Fuss umknickt oder mit jemandem für ein paar Minuten palavert. Kurz das Kind aus dem Sinn und dann kann es zu spät sein.
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