Brand bereits 30 Kilometer vor Bordeaux – Schweizer Helikopter im Einsatz
Die Waldbrände im Südwesten Frankreichs haben eine der grössten Evakuierungsaktionen in der Geschichte des Landes ausgelöst. Besonders betroffen ist das südwestfranzösische Département Gironde rund um Bordeaux, wo die Flammen weiter ausser Kontrolle sind. Wegen der heranrückenden Brände wurden alleine dort bereits mindestens 167'000 Menschen in Sicherheit gebracht. In der Nacht zum Samstag ordneten die Behörden zudem vorsorglich die Räumung von weiteren Gemeinden am Rand der Grossstadt Bordeaux an. Die Zahl der zusätzlich Betroffenen war zunächst unklar.
Nach Angaben des Innenministeriums mussten ausserdem 31.000 Menschen im benachbarten Département Landes wegen der Brände ihre Häuser verlassen.
Vollständige Evakuierung auf Halbinsel Cap-Ferret
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez betonte, das Land habe noch nie zuvor Brände in diesem Ausmass erlebt, und versprach, «alles zu tun», um Bordeaux zu schützen. Um 20.30 Uhr Abends war das Feuer bis auf 30 Kilometer vor die Pforten der Stadt angewachsen.
Der Premierminister habe den Krisenstab gebeten, «alle Szenarien durchzuspielen», einschliesslich der Evakuierung Bordeaux. Noch müssen sich die Bürgerinnen und Bürger der Grosstadt jedoch noch nicht auf die Evakuation einstellen, sagte der Politiker gegenüber Regionalzeitungen.
Frankreich verstärkt angesichts der dramatischen Lage die Unterstützung der Feuerwehr. Die Zahl der Soldaten, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten unterstützen, werde von 500 auf 1.000 erhöht, teilte Premierminister Sébastien Lecornu nach einer Sitzung des interministeriellen Krisenstabs mit. Zudem soll ein Militärflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen Löschsystem eingesetzt werden, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X, sein Land mobilisiere «alle zivilen und militärischen Mittel». Bei mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland und der Schweiz, bedankte er sich für die Unterstützung. «Wir werden wiederaufbauen, wir werden reparieren, und wir werden so lange vor Ort sein, wie es nötig ist.»
Die Mobilisierung der Einsatzkräfte bleibe weiterhin sehr gross, erklärte der Innenminister. 18 Löschflugzeuge seien im Einsatz. Sie werfen Wasser oder Brandverzögerungsmittel über den Flammen ab, wie der Minister sagte. Zudem werden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region Gironde geliefert, um Einsatzkräfte und Bevölkerung vor dem gesundheitsschädlichen Rauch zu schützen.
Für Reisende gibt es zudem Erleichterungen: Verkehrsminister Philippe Tabarot teilte mit, dass die Eisenbahngesellschaft SNCF angesichts der Brände eine Sonderregelung für Reisen in die betroffenen Gebiete einführt. Fahrten in die Region Bordeaux und andere betroffene Zonen können demnach kostenlos verschoben oder storniert werden.
Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44'000 Einwohner und Urlauber verliessen das Gebiet über die einzige Strasse in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon.
Nach Angaben der Präfektur Gironde hat der seit Mittwoch wütende Grossbrand inzwischen rund 19'000 Hektar Fläche erfasst – eine Fläche grösser als Paris. Etwa 100 Gebäude wurden demnach zerstört. Der beissende Rauchgeruch ist inzwischen bis in die Stadt Bordeaux vorgedrungen.
Die Situation in Bordeaux
Bordeauxs Bürgermeister Thomas Cazenave sprach am Samstag vor den Medien. «Das Feuer wütet weiterhin vor den Toren der Stadt», warnte er. Eine Evakuierung stehe aber aktuell nicht zur Diskussion.
Cazenave betonte, die Behörden seien auf jede Entwicklung vorbereitet und würden bei einer veränderten Lage entsprechend reagieren.
«Les Bordelais ne sont pas concernés par le plan d'évacuation, mais se tiennent prêts à faire face à toute éventualité. C'est le principe d'une gestion crise», précise Thomas Cazenave, maire de Bordeaux.
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Behörden sprechen von Feuer «beispiellosen Ausmasses»
Die Behörden sprechen von einem Feuer «beispiellosen Ausmasses». Mehr als 1200 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Da der Wind gedreht hat, breiten sich die Flammen nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus.
Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.
Schweiz entsendet Feuerwehrleute
Die Schweiz schickt 34 Berufs- und freiwillige Feuerwehrleute aus der Westschweiz nach Bordeaux. Das berichtet RTS am Samstag. Sie sollen die französischen Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung unterstützen.
Zur Bildung der Schweizer Truppe habe man auch mit den Waadtländer und Neuenburger Gebäudeversicherungen Kontakt aufgenommen, so der Sprecher des Genfer Feuerwehr- und Rettungsdiensts (GSIS). Sie sind in den beiden Kantonen für Organisation und Weiterbildung der Feuerwehr zuständig. Die Equipe umfasst somit 23 Feuerwehrleute des GSIS aus Genf (darunter einen Rettungssanitäter und einen Mechaniker), acht Waadtländer und zwei Neuenburger sowie einen Feuerwehrmann aus dem französischen Département Haute-Savoie.
Die französischen Behörden hatten Hilfe angefragt. Diese wurde vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) genehmigt. Laut den Verantwortlichen bleibt der Grundschutz in der Schweiz trotz des Auslandseinsatzes gewährleistet.
Der Konvoi ist am Samstagmittag mit insgesamt elf Fahrzeugen losgefahren. Er soll am Samstagabend in Bordeaux eintreffen.
Weil die Schweizer Feuerwehrleute für die Bekämpfung von Waldbränden weder gut genug ausgerüstet, noch adäquat ausgebildet sind, werden sie wohl nicht an den kritischsten Stellen eingesetzt, erklärt der stellvertretende Kommandant der Einsatzgruppe gegenüber dem RTS. Sie könnten ihm zufolge vor allem in Wohngebieten, die an Wälder angrenzen, eingesetzt werden.
Alternativ könnten sie auch zur regulären Bekämpfung von Bränden in städtischen Gebieten herangezogen werden. Damit würden sie französische Feuerwehrleute entlasten, die in der Bekämpfung von Waldbränden besser ausgebildet sind.
Bund prüft Luftunterstützung
Weiter prüft das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) aktuell die Verfügbarkeit von Luftmitteln zur Unterstützung der Waldbrandbekämpfung, wie ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA angab. Dies auch mit Blick auf die generelle Trockenheit und Waldbrandgefahr in der Schweiz.
Zuvor hatte der französische Innenminister Laurent Nuñez auf der Plattform X mitgeteilt, dass der Löscheinsatz unter anderem mit vier Schweizer Helikoptern unterstützt werde. Eine informelle Anfrage seitens Frankreich ist laut dem VBS am späten Freitagabend eingegangen.
Lage um Madrid verschärft
Spanien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Waldbrände. Wegen der schweren Feuer rief die Regierung für die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie für die Region Ávila den Notstand aus. Wie das spanische Innenministerium auf der Plattform X mitteilte, mussten inzwischen 59.488 Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere 28.262 Menschen waren demnach von den Bränden betroffen, konnten ihre Wohnungen oder Häuser aber wegen der Lage nicht verlassen.
Besonders betroffen ist der Grossraum Madrid, wo die Flammen in mehreren Gemeinden bewohnte Gebiete bedrohten. Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte bei einem Besuch in der Kommandozentrale der Einsatzkräfte vor einer weiterhin schwierigen Situation. Es sei unklar, wie sich der Wind entwickeln werde. Die Priorität bestehe darin, Menschenleben zu retten und Ortschaften zu schützen.
Bei einem Brand unweit der Stadt Valencia im Osten des Landes kam ein Mensch ums Leben. Die Stadtverwaltung des Ortes Manises teilte auf X mit, das Feuer sei unter Kontrolle gebracht worden, es habe aber ein Todesopfer gegeben.
Zuletzt gab es in Spanien vorsichtige Anzeichen für eine Entspannung der Lage. Weniger Wind, höhere Luftfeuchtigkeit und niedrigere Temperaturen hätten die Löscharbeiten begünstigt, teilte die Regierung mit. Die Brände hätten sich in der Nacht weniger stark ausgebreitet und an Intensität verloren.
Auswirkungen auf NASA
Die Waldbrände in Spanien zwangen ausserdem die US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Evakuierung einer ihrer drei weltweiten Bodenstationen für die Tiefraumkommunikation. Die Flammen seien über das Gelände in Robledo, rund 65 Kilometer westlich von Madrid hinweggezogen, mögliche Schäden würden bewertet, sobald dies gefahrlos möglich sei, teilte die US-Behörde mit.
Abruptes Ferienende für viele Schweizer
Auch Feriengäste aus der Schweiz blieben nicht verschont: Am Gebiet um Cap-Ferret mussten Dutzende evakuiert werden.Rund 65 Mitglieder des Touring Club Schweiz (TCS) sind von den Waldbränden in der französischen Region Gironde betroffen, wie der Touring Club Schweiz der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Freitag mitteilte.
Die meisten Anrufe, die bei der Einsatzzentrale eingehen, stammen von Reisenden aus dem Gebiet um Cap-Ferret. Seit Beginn der Waldbrände in Frankreich ereilen den TCS regelmässige Hilfsanfragen von Reisenden, die ihren Ferienaufenthalt unterbrechen oder evakuiert werden mussten. Die meisten hätten ihre Sachen vor der Abreise mitnehmen können. Verletzte oder Verstorbene gebe es unter den Betroffenen nicht.
Auch das Aussendepartement (EDA) beobachtet die aktuelle Lage derzeit aufmerksam. Kenntnisse von betroffenen Schweizerinnen und Schweizern liegen dem EDA derzeit aber nicht vor, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. (lak/hkl/sda/dpa)
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