Männer, sagt etwas!
Sieben Männer sollen eine Frau unter Drogen gesetzt und stundenlang vergewaltigt haben.
Nicht einer, sieben. Alle aus der gleichen Studentenverbindung. Alle «Bros».
Und das ist nicht alles.
Nur zwei der Beschuldigten wurden der Universität verwiesen. Der Rest kriegt eine Strafe, die vergleichbar ist, wenn man den Unterricht stört. Oder die Hausaufgaben nicht macht. Oder während der Lektion am Handy ist.
Und auch das ist noch nicht alles. Im Gruppenchat waren 57 weitere Männer, die alles mitlesen konnten. Die aufgerufen wurden: Hast du schon? Willst du noch?
57.
Sie haben alles mitgekriegt, alles. Sie haben mitgejubelt und sie haben angestachelt.
Und sie haben jahrelang geschwiegen.
Und genau das ist das Problem. Männer, die schweigen, wenn solche Taten ans Licht kommen. Männer, die wegschauen. Männer, die sich so mitschuldig machen. Männer, die halt «Bros» sind. Und einander schützen. Egal, was kommt.
Männer, es muss sich etwas ändern.
In den sozialen Netzwerken und in den Medien ist der Aufschrei seit Tagen riesig – zu Recht. Aber auffällig ist auch: Die meisten Empörungen und Reaktionen kommen von Frauen.
«But not all men»
Wir Männer? Wir schweigen lieber. Es sind ja nicht wir. Wir würden so etwas nie machen. Wir sind ja gut erzogen, nett und hilfsbereit, respektieren Frauen und verabscheuen Gewalt an ihnen. Wir lieben unsere Mutter und unsere Schwester, unsere Freundin und unsere Tochter.
Der normale Reflex eines Mannes ist immer gleich:
«But not all men.»
Denn: Warst du dabei? Nein.
Denn: War ich dabei? Nein.
Aber war es wieder einmal ein Mann? Ja.
Das kann nicht sein.
Darum applaudiere ich US-Satiriker Toby Morton. Ein Mann, der Empörung zeigt. Und etwas dagegen tut. Seine Stimme erhebt und sagt:
Bezeichnend ist auch die Reaktion auf Mortons «Abrechnung». Auf Instagram bekommt er Gegenwind. Und von wem?
Es ist das gleiche Muster wie im Fall Cornell. Männer, die Männer in Schutz nehmen. «Bros» halt.
Ja, es gilt die Unschuldsvermutung. Aber wer die Chats gelesen hat, dem graut es. Männer, die sich gegenseitig anstacheln und damit noch prahlen.
Männer, sagt etwas!
Wir Männer müssen endlich aufwachen. Wir schreiben das Jahr 2026 und es muss sich etwas ändern.
Wir Männer müssen den Frauen endlich zuhören. Wie sie darüber denken, wenn sie alleine nach Hause gehen. Was sie im Ausgang erlebt haben. Was sie an der Bushaltestelle erlebt haben. Was sie zu Hause erlebt haben.
Oder an der Universität.
Wir leben in einer Welt, in der eine Frau wegen einer Abtreibung ins Gefängnis kommt und ein Mann wegen einer Vergewaltigung einen Aufsatz schreiben muss.
Das muss aufhören. Und es muss aufhören, dass wir reflexartig sagen:
«But not all men.»
Bitte, liebe Männer. Lasst euch das alles durch den Kopf gehen.
Und vor allem.
Sagt etwas.
