Nach Skandal-Interview: Trump zieht Grenzschutz-Boss Bovino aus Minneapolis ab
Der umstrittene Kommandeur der Grenzschutzbehörde, Gregory Bovino, soll nach Medienberichten bald Minneapolis verlassen. Neben ihm sollen in Kürze auch einige seiner Grenzschutzbeamten abgezogen werden, wie die US-Sender CNN und CBS News berichteten. Sie stützen sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Nach Informationen von CNN sollen die Beamten am Dienstag die Stadt verlassen.
Bovino hatte am Sonntag ein bemerkenswertes Interview beim Sender CNN gegeben. In einem rund 15-minütigen Gespräch mit der Journalistin Dana Bash verteidigte er die Erschiessung des Krankenpflegers Alex Pretti durch Border-Patrol-Beamte in Minneapolis. Obwohl Bash ihm immer wieder die vielen Bilder, die es von dem Vorfall gibt, vorspielte, blieb Bovino stur bei seiner Behauptung, Pretti habe die Agenten angreifen und töten wollen.
«Das war eine richtig gute Arbeit unserer Beamten», sagte Bovino angesichts der Bilder der Erschiessung, die CNN-Moderatorin Dana Bash dem Kommandeur der US-Grenzschutzpolizei vorspielte.
Die Behauptung konnte durch die Bilder vom Vorfall eindeutig widerlegt werden. Dennoch ging der martialisch auftretende Grenzschutz-Kommandeur sogar soweit, seine Beamten als Opfer in der Situation darzustellen. Den erschossenen Pretti, der lediglich mit einer Handykamera filmte, bezeichnete er dagegen durchgehend als «Verdächtigen». Das Interview hatte in den USA und weltweit für Entsetzen gesorgt.
Bovino zentraler Akteur bei Razzien
Am Samstag war der US-Bürger Alex Pretti durch Schüsse bei einem Einsatz von Bundesbeamten in der Stadt im Norden der USA gestorben. Seither baute sich immer mehr Protest in der Stadt und landesweit gegen die Trump-Regierung und ihre rigorose Abschiebepolitik auf. Die Demokraten wollen deshalb auch Haushaltsmittel für Migrationsbehörden blockieren.
Bovino ist ein zentraler Akteur der umstrittenen Einsätze der Bundesbeamten in der demokratisch regierten Stadt im US-Bundesstaat Minnesota geworden. Er ist bekannt für seine martialischen Auftritte, stets umgeben von einer Entourage schwer bewaffneter und maskierter Agenten. Oft hat Bovino dabei Rauchgranaten an seiner schusssicheren Weste befestigt, oder er trägt einen zweireihigen Mantel mit Epauletten und Messingknöpfen, der optisch an den M40-Wintermantel der deutschen Wehrmacht erinnert. Auch der sowjetische Diktator Josef Stalin trug einen solchen Wintermantel.
Kritiker hatten Vergleiche zu Nazi-Methoden gezogen. Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom nannte Bovino auf X bereits «Gestapo Greg». Bovino hatte das zurückgewiesen.
Bovino soll Minneapolis verlassen
Die Medienberichte zu Bovinos Abzug folgen wenige Stunden auf die Ankündigung von Donald Trump, dass er nach den tödlichen Schüssen auf einen US-Bürger bei einem Einsatz von Bundesbeamten den früheren kommissarischen Leiter der Einwanderungsbehörde ICE, Tom Homan, in den Bundesstaat Minnesota schickt. Regierungssprecherin Karoline Leavitt fügte an, dass Homan die Einsätze vor Ort überwachen solle. Homan ist schon länger mit der Oberaufsicht über Trumps Abschiebepolitik betraut und gilt als Hardliner.
Die Ankündigung kam nach einem Telefonat zwischen Trump und Minnesota-Gouverneur Tim Walz. Der Demokrat hatte von der US-Regierung gefordert, dass sie die zu Tausenden in die Stadt für Abschiebe-Razzien geschickten Bundesbeamten abziehen soll.
Ebenfalls am Montag hatte Trump-Sprecherin Leavitt jedoch die Demokraten für die tödlichen Schüsse in Minneapolis verantwortlich gemacht. Der eigentliche Grund für die «Tragödie» sei der «feindliche Widerstand» der Demokraten gegen die Abschiebepolitik von Präsident Donald Trump, sagte sie. Auch Bovino hatte zuvor im Interview mit CNN behauptet, Minnesotas Gouverneur Walz und Minneapolis' Bürgermeister Jacob Frey wiegelten die Menschen auf und riefen zur Gealt auf. Auch diese Behauptung ist gänzlich unbelegt.
Die Regierungssprecherin hatte am Mittag (US-Ortszeit) auf die Frage nach Journalisten, ob Bovino in Minnesota bleiben werde, nicht eindeutig geantwortet: Er sei ein «hervorragender Profi» und werde weiterhin die Grenzschützer im ganzen Land leiten.
Trump in Erklärungsnot
Durch die Videos von der Tötung Prettis ist die Trump-Regierung in erhebliche Erklärungsnot geraten. Zu offensichtlich ist, dass die offizielle Darstellung des Krankenpflegers als Waffe schwingender Angreifer nicht der Wahrheit entspricht.
Der schockierende Vorfall könnte Trumps Ansehen weiter schmälern und ihn bei den wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress im November Stimmen kosten, meinen Politologen. Laut einer Blitzumfrage des Instituts YouGov nach den Todesschüssen auf Pretti halten fast zwei Drittel der US-Bürger, die eines der Videos gesehen haben, das Vorgehen der Grenzschutzbeamten für ungerechtfertigt.
Eine steigende Zahl von Menschen befürwortet demnach auch eine Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE, die eng mit den Grenzschützern zusammenarbeitet. Ein ICE-Beamter hatte am 7. Januar in Minneapolis nach einer Auseinandersetzung die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good mit drei Schüssen getötet. (t-online/con/dpa/afp)

