TACO-Trump und Gestapo-Bovino
Ein böser Spruch besagt: Politik ist Showbusiness für hässliche Menschen. Seit Donald Trump die amerikanische und die globale Szene beherrscht, muss dieser Spruch verkürzt werden, und zwar wie folgt: Politik ist Showbusiness. Punkt.
Obwohl er sich ein «stabiles Genie» nennt, ist Trump gemäss traditionellen Massstäben nicht sonderlich intelligent. Seine College-Noten sind das am besten gehütete Geheimnis der Welt. Aber das Showbusiness beherrscht er, das haben ihn Jahre mit seiner erfolgreichen TV-Show «The Apprentice» gelehrt. Bei Trump ist alles und jedes Inszenierung, und wer da nicht mehr performt, bei dem heisst es: «You are fired.»
Bovino in martialischem Outfit
Auch die brutalen Raids der Einwanderungspolizei ICE sind Inszenierungen, und weil diese einen Hauptdarsteller brauchen, wurde einer geschaffen. Im konkreten Fall wurde ein gewisser Gregory Bovino für diese Rolle auserkoren. Er wurde von der Grenzschutzpolizei geholt und gezielt für seinen neuen Job als «Commander» der ICE-Truppe aufgebaut.
Federführend waren dabei die Vorsteherin des Heimatschutz-Departements Kristi Noem und ihr Berater/Liebhaber Corey Lewandowski, ein ehemaliger Wahlkampf-Manager von Trump. Kein Detail wurde dabei ausgelassen. Bürstenschnitt und Wehrmachtsmantel sind kein Zufall. Selbst wenn Bovino unfähig ist, «Gestapo» richtig auszusprechen, haben die Anleihen bei Nazi-Deutschland den Zweck, maximale Furcht zu verbreiten. Das ist auch gelungen. «Die Amerikaner haben zunehmend Angst vor ihren angeblichen Beschützern», stellt Edward Luce in der «Financial Times» fest.
Dumm bloss, dass die Realität nicht immer einem Drehbuch folgt. Als die ICE-Truppe in Minneapolis einfiel – angeblich, um gefährliche illegale Immigranten zu verhaften, tatsächlich aber, um eine Stadt zu bestrafen, die dreimal nicht Trump gewählt hatte –, kam es zu verheerenden Pannen.
Die schlecht ausgebildeten ICE-Agenten erschossen gleich zwei Personen, zuerst Renée Good, Mutter von drei Kindern, und danach Alex Pretti, einen Krankenpfleger. Beide waren 37 Jahre alt, beide weiss, unbescholten und nicht Mitglieder einer politischen Vereinigung. Sie waren Opfer der inszenierten und gewollten Brutalität der Trump-Regierung.
Um dies zu vertuschen, wurde sofort die Propaganda-Maschine der Regierung angeworfen. Die beiden Opfer wurden als «Terroristen» und von «Soros bezahlte Antifa-Agenten» bezeichnet, die versucht hätten, die ICE-Beamten umzubringen. Kristi Noem, Stephen Miller, Kash Patel und selbst J. D. Vance, sie alle sangen vom gleichen Blatt. «Commander Bovino» erklärte an einer Pressekonferenz gar, nicht Good und Pretti seien die Opfer, sondern die bedauernswerten ICE-Agenten.
Good und Pretti wurden jedoch bei hellem Tageslicht erschossen, umringt von zahlreichen Menschen, die mit ihnen trotz eisiger Kälte gegen das brutale Vorgehen der vermummten ICE-Männer protestierten. Im Zeitalter des Smartphones bedeutet dies auch, dass es eine Zillion Videos gibt, die diese Vorfälle aus allen nur erdenklichen Winkeln gefilmt haben.
Diese Videos zeigen klar, dass das Vorgehen gegen die beiden Opfer jeglicher vernünftigen Polizei-Taktik spottet und unter keinem Aspekt gerechtfertigt werden kann. Selbst das Orwellsche Newspeak aus dem Weissen Haus kann daran nichts ändern, und weil die Opfer weiss und nicht kriminell sind, haben die Vorfälle das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht. Ein Sturm gegen ICE und die Trumpsche Immigrationspolitik ist losgebrochen.
Die Inkompetenz der Trump-Handlanger hat dazu geführt, dass dieser Sturm Hurrikan-Ausmasse angenommen hat. So haben mehrere Regierungsvertreter es bedauert, dass Petri eine Pistole getragen hat. Er tat dies jedoch völlig legal. Das war denn auch für Waffennarren der National Rifle Association (NRA) zu viel. Sie protestierten heftig.
Bis weit ins konservative Lager wurde Unmut laut. Greg Abbott, der Gouverneur von Texas und beinharter Trump-Verbündeter, forderte die Regierung auf, ihr Handeln zu überdenken. Sie solle doch bitte «andere Wege finden, um ihre Ziele zu erreichen», liess er mitteilen. Auch Trey Gowdy, ein ehemaliger republikanischer Abgeordneter und aktueller Fox-News-Moderator, widersprach dem Weissen Haus. «Wir sollten Petri nicht als inländischen Terroristen bezeichnen, der einen Polizisten erschiessen will», erklärte er auf seinem Sender. «Es gibt dafür keine Beweise.»
Auftritt TACO-Trump. Einmal mehr stellte der US-Präsident seine Fähigkeit unter Beweis, den Schwanz einzuziehen und in Windeseile seine Meinung um 180 Grad zu kehren. So wie er in Grönland einknickte, knickt er jetzt in Minneapolis ein. Er telefonierte zunächst mit Tim Walz, dem Gouverneur von Minnesota, einem Mann, den er noch bis vor kurzem verspottete und aufs Übelste beschimpfte. Jetzt schlägt Trump gegenüber dem ehemaligen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten sanfte Töne an. Sie seien nun «auf der gleichen Wellenlänge», säuselte der Präsident.
Danach liess Trump Noem und ihren Berater Lewandowski zu einer zweistündigen Sitzung vortraben. Was genau besprochen wurde, ist nicht bekannt. Was wir jedoch wissen, ist, dass Möchtegern-Gestapo-Mann Bovino danach abgezogen, wieder an die Grenze geschickt und nach einer Anstandsfrist wahrscheinlich frühpensioniert wird.
Ersetzt werden soll er durch den «Border-Zar» Tom Homan. Das tönt zwar wie ein schlechter Witz, denn dieser Mann wurde vom FBI dabei gefilmt, wie er 50'000 Dollar Bestechungsgeld in einem Papiersack in Empfang genommen hatte. Das Justizministerium hat jedoch alle Verfahren gegen ihn eingestellt, und Trump bezeichnet ihn als «harten, aber fairen Typen, der mir direkt unterstellt ist».
Auch für die Heimatschutz-Ministerin Noem und ihren Lover könnte es eng werden. Die Gerüchte, dass sie ebenfalls bald Trumps legendären Satz «You are fired» zu hören bekommen, mehren sich rasant.
«Jemand hat mal bemerkt, dass Trumps Bosheit nur von seiner Inkompetenz übertroffen wird», stellt Edward Luce in der «Financial Times» fest. Die Vorfälle in Minneapolis zeigen einmal mehr, dass dieser Jemand recht hat. Wie das üble ICE-Spektakel weitergehen wird, ist daher nicht abzuschätzen. Am Drehbuch wird noch gearbeitet.
