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Das Parlamentsgebäude in Beirut: Die Politiker müssen sich vor ihrer eigenen Bevölkerung schützen.  Bild: watson/rafaela roth 

Die syrischen Kriegsflüchtlinge und die Angst, das «Paris des Ostens» könnte untergehen

Als die Krise in Syrien begann, empfingen die Libanesen die Syrer mit offenen Armen. Mit Andauern des Krieges kippt die Stimmung. Heute ist jeder vierte Einwohner des Libanon Flüchtling. Die Syrer dürfen nur schwarz arbeiten, drücken die Löhne der Libanesen und verändern Beiruts Strassenbild. 

Taxi-Fahrer Abdul zeigt aus dem Autofenster. «Siehst du, das ist das Hisbollah-Quartier. Hier ist es sauber und aufgeräumt», sagt er, während er sein Taxi durch ein Mittelstandsquartier lenkt. Gerade liessen wir Jnah hinter uns, wo der «Flüchtlingscocktail» lebt, so drückt es Abdul aus. Vollgestopfte Strassen und offene Stromkabelnetze prägen das Strassenbild. Dass Abdul sich so ausdrückt, legt seine Gesinnung offen. Abdul ist Schiit und sympathisiert mit der Assad-nahen Hisbollah. Die meisten flüchtenden Syrer sind Sunniten. 

Das Verhältnis zu den syrischen Flüchtlingen ist nicht nur deswegen angespannt. Die humanitäre Solidarität zu den arabischen Brüdern und Schwestern wird dadurch belastet, dass die Syrer schon mal hier waren: Zwischen 1976 bis 2005 waren ständig syrische Streitkräfte im Libanon stationiert. Je nach politischer Gesinnung empfand das der Libanese als Schutz oder Besatzung.

libanon, beirut, hilfe vor ort

Abdul in seinem Taxi. Bild: watson/rafaela roth

Die syrischen Truppen wurden erst 2005, nach dem bis heute unaufgeklärten Bombenattentat auf Ex-Ministerpräsident Rafiq al-Hariri abgezogen. Der hatte sein Amt aus Protest gegen die syrische Präsenz niedergelegt. Die USA unter Präsident George Bush machten syrische Geheimdienste für seinen Tod verantwortlich. 

Für Politik interessiert sich Taxifahrer Abdul weniger. Für den 74-Jährigen sind die Politiker, die sich ihre Legislaturperiode ohne Wahlen verlängert haben, «sowieso alle von der Mafia». Abdul würde lieber mal mit Arbeiten aufhören. Doch daran ist nicht zu denken. «Womit sollte ich mein Leben finanzieren?» Wer nicht reich oder Staatsangestellter ist, hat im Libanon keine Rente. 

Unter den Flüchtlingen leiden vor allem die libanesischen Arbeiter. Die Löhne sind in den letzten Jahren merklich zurück gegangen. Die Syrer mit Flüchtlingsstatus dürfen nicht arbeiten und verrichten deshalb die Arbeit schwarz zu einem Bruchteil des gängigen Lohns. Die Baubranche im Libanon boomt bereits, weil die syrischen Kräfte so billig sind. 

libanon, beirut, hilfe vor ort

Achmed vor seinem Mofa-Laden.  Bild: watson/rafaela roth

Zum Leidwesen der libanesischen Arbeiter. Achmed verkauft in einer Seitenstrasse in einem Mittelstandsquartier Occasion-Mofas. «In den letzten zwei Jahren haben in meiner Strasse drei weitere Läden eröffnet, die dasselbe machen wie ich», sagt er. «Nur zahlen die Syrer als Flüchtlinge keine Import-, Mehrwert- oder Einkommenssteuer, wie ich.»

Die Syrer würden eine Garage für den Laden mieten und im Räumchen dahinter mit der ganzen Familie leben. «Zu fünft, zu siebt leben sie da und drücken meinen Preis», sagt Achmed. Er wohnt mit seiner Frau in einer Wohnung im selben Quartier. «So viele Flüchtlinge ertragen wir nicht.»

Zwei junge Studenten, die im Café vis-à-vis Shisha rauchen, klingen ähnlich: «Es sind einfach zu viele geworden», sagt der 26-Jährige Elias. Er studiert Informatik. «Sie sollten nicht noch mehr reinlassen.»

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Die Jungen sind besorgt. Das ist auch an der Libanesisch-Amerikanischen Universität nicht anders. Hier machen Omar, Tarik und Rafik gerade Pause. «Unser Land hat schlicht nicht die Infrastruktur für so viele Flüchtlinge», sagt Omar. Ganz abgesehen davon, dass der Libanon keine funktionierende Regierung habe. 

Omar spricht ein gepflegtes Englisch. Er stammt aus einer reichen Familie und studiert Elektrotechnik. «Vor der Krise betrug der Mindestlohn eines Libanesen 30 Dollar pro Tag. Heute macht ein Syrer dieselbe Arbeit für 15 Dollar. Das verursacht soziale und ökonomische Probleme», sagt er.

Zurück im Taxi erklärt es Abdul an einem einfachen Beispiel: «Stell dir vor du hast eine Pizza. Zwei Menschen könnten davon essen und hätten einen vollen Magen. Für sieben Menschen reicht eine Pizza aber einfach nicht. 

(rar)

Humans of Syria – Sieben Schicksale von syrischen Flüchtlingen im Libanon.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Warbi 05.12.2015 14:41
    Highlight Highlight Bitte keine Mythen. Nackte Zahlen und Stimmungen sagen wenig. Viele Familien in Libanon haben syrische Verwandte, es gibt viele syrisch-libanesische Ehe. Selbst Hassan Nasrallah hat eine Cousine in Syrien. Zudem waren viele Libanesen auch in Syrien während des libanesischen Bürgerkriegs und des Hiszbollah-Israelkriegs 2006 aufgenommen. Zudem haben Libanesen immer billig in Syrien eingekauft und syrische Arbeitskräfte für wenig Lohn ausgebeutet.
    • thedarkproject 05.12.2015 19:49
      Highlight Highlight Wie bitte? Nackte Zahlen sagen wenig? Nackte Zahlen seien Mythen? Komisch. Wenn man ohne Zahlen argumentiert wird es als Lüge abgetan. Wenn mit Fakten und Zahlen argumentiert wird, wird es als Mythos abgetan. Was man nicht alles tut, um der Wahrheit nichts ins Auge sehn zu müssen.

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