Zwei starke Erdbeben erschüttern Venezuela – das ist bekannt
Was ist passiert?
In weniger als zwei Minuten erschütterten gleich zwei sehr starke Erdbeben Venezuela. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Erschütterungen mit 7,2 und 7,5 an. Demnach zählten die Erdbeben zu den weltweit stärksten des laufenden Jahres.
Das Epizentrum des ersten Bebens lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe entfernt im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite und stärkere Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich in einer Tiefe von nur zehn Kilometern.
Der Schulunterricht ist ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt. Auch der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas hat den Betrieb eingestellt.
Wie gross ist der Schaden?
Ersten Erkenntnissen zufolge sind mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen und rund 700 weitere verletzt worden. Aus dem besonders betroffenen Bundesstaat La Guaira gebe es noch keine Opferzahlen, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez.
Da sich das zweite Erdbeben jedoch in einer Tiefe von nur zehn Kilometern ereignete, muss mit noch höheren Opferzahlen gerechnet werden. Einsatzkräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten.
In der Hauptstadt Caracas stürzten Gebäude ein, wie im Fernsehen zu sehen war. In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas. Videos zeigten, wie verängstigte Menschen am Flughafen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, während der Boden bebte und Staubwolken aufstiegen.
Allein in den relativ nahe gelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) zusammen etwas mehr als 400'000 Menschen. Eine automatische Modellrechnung der USGS, basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte, legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe.
In der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV. Rund 22 Verletzte würden dort in Kliniken medizinisch versorgt.
Was sagt die Regierung?
«Wir haben es mit einer äusserst alarmierenden Situation zu tun», sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Auch Präsidentin Rodríguez sprach von einem «Vorfall mit schwerwiegenden Folgen» und rief den Notstand aus.
«Es gibt Bundesstaaten, die besonders betroffen sind», sagte Rodríguez, darunter La Guaira. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben. Priorität hätten nun die Rettungsarbeiten, so Rodríguez.
Wie reagieren andere Staaten?
Das US-Aussenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.
En este momento, hemos ofrecido ayuda al Gobierno de Venezuela a través de nuestra Cancillería.
— Nayib Bukele (@nayibbukele) June 25, 2026
300 rescatistas y paramédicos, junto con 50 toneladas de equipo, medicamentos e insumos de primera necesidad, están listos para partir hacia Caracas 🇸🇻🇻🇪
Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte, spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien signalisierte Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge boten auch bereits andere Staaten Hilfe an.
Auch US-Präsident Donald Trump äussert sich zum Unglück. Auf Truth Social schreibt er: «Die beiden schweren Erdbeben, die gerade das grossartige Volk Venezuelas heimgesucht haben, sind beide von enormem Ausmass und haben eine verheerende Zahl von Todesopfern gefordert.» Die USA seien bereit zu helfen, so Trump weiter. «Ich habe alle Behörden unserer Regierung angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu handeln.»
(ome/sda/dpa)
