Wie Irans Schattenflotte die US-Blockade in der Strasse von Hormus umgeht
Trotz der anhaltenden Spannungen im Persischen Golf und der Blockade der Strasse von Hormus gelingt es vielen Tankern weiterhin, die strategisch und wirtschaftlich wichtige Meerenge zu passieren. Dabei handelt es sich vor allem um Schiffe der sogenannten iranischen Schattenflotte.
Der Spiegel hat Schiffsdaten in der Golfregion vom 25. Februar bis zum 6. Mai 2026 ausgewertet. Die Analysen zeigen, dass zahlreiche Tanker ihre Positionssignale manipulieren, zeitweise komplett abschalten oder unter wechselnden Namen und Flaggen fahren. Das Ziel der Geisterflotte ist insbesondere der Transport von sanktioniertem iranischen Öl und Gas nach China.
Der Tanker «Niba» etwa sendete tagelang identische Positionsdaten vor Dubai. Satellitenaufnahmen zeigten dort laut dem «Spiegel» jedoch kein Schiff. Neun Tage später tauchte derselbe Tanker unter neuem Namen («Banian») und anderer Flagge (Angola statt Palau) wieder auf – mit Kurs auf einen Hafen in China.
AIS/GPS spoofing makes it difficult to track the tankers.
— HFI Research (@HFI_Research) May 25, 2026
This is the Strait of Hormuz over the last 24 hours.
Source: @MarineTraffic pic.twitter.com/3brIZEmLO9
Auch andere Schiffe verschwinden während der Passage durch die Strasse von Hormus aus den Tracking-Systemen. Manche von ihnen tauchen erst Wochen später wieder auf, etwa in der Nähe von Umschlagplätzen vor Malaysia oder China.
Das AIS dient normalerweise auch der Verkehrssteuerung, gerade in dicht befahrenen Regionen wie der Strasse von Hormus. Zu Konfliktzeiten stossen diese Regeln allerdings an ihre Grenzen. Staaten und Reedereien, die Sanktionen oder militärischen Massnahmen entgehen wollen, nutzen gezielt Lücken im Kontrollsystem.
Insgesamt wurden in dem ausgewerteten Zeitraum gemäss «Spiegel» Dutzende Schiffe mit auffälligen Bewegungsmustern registriert, die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Viele von ihnen würden bereits auf internationalen Sanktionslisten stehen. Die US-Massnahmen mit dem Ziel, die Strasse von Hormus ihrerseits zu blockieren, scheinen damit nur begrenzte Wirkung zu zeigen.
Der «Spiegel» geht davon aus, dass Washington die Aktivitäten der Tanker zwar verfolgt, direkte Eingriffe jedoch vermeidet, da Angriffe auf beladene Öltanker unkalkulierbare Umweltrisiken mit sich bringen. Zudem sei vorstellbar, dass die USA die Durchfahrten angesichts der hohen Energiepreise und des damit verbundenen innenpolitischen Drucks tolerieren, um die angespannten Energiemärkte zu stabilisieren.
Offenbar nutzen auch andere Akteure ähnliche Methoden, wie die «Spiegel»-Analyse zeigt: So verschwanden im analysierten Zeitraum auch Tanker im Auftrag der Vereinigten Arabischen Emirate zeitweise aus den Ortungssystemen, während sie die Region passierten. (hkl)
