International
Russland

100'000 Tote: Die Opferbilanz des russischen Angriffs auf die Ukraine

Mehr als 100'000 tote Soldaten: Die erschütternde Opferbilanz auf beiden Seiten

Erstmals seit längerem macht die Ukraine offizielle Angaben zu ihren Verlusten an der Front. Auf russischer Seite überschreitet die Anzahl der Kriegstoten eine kritische Grenze.
02.12.2022, 13:4202.12.2022, 13:42
Bojan Stula / ch media

Nach über neun Monaten Krieg in der Ukraine muss davon ausgegangen werden, dass auf beiden Seiten mehr als 100'000 Soldaten an der Front getötet worden sind. Laut Angaben des ukrainischen Präsidentenberaters Mychailo Podoljak rechnet das eigene Oberkommando dabei mit bis zu 13'000 toten ukrainischen Soldaten.

Relatives, friends, and comrades mourn next to the coffin of Ukrainian serviceman Sergii Myronov, killed fighting Russian troops in Donetsk region, during a funeral ceremony at St. Michael's Gold ...
Einer von 13'000: Trauerfeier für Sergej Myronow am 23. November 2022 in Kiew. Bild: keystone

Gleichzeitig nennt das ukrainische Verteidigungsministerium auf Feindesseite 90'900 getötete Russen. So sollen insbesondere die schweren Kämpfe rund um Bachmut die Opferzahlen auf russischer Seite in den vergangenen Tagen mit mehr als 600 Toten täglich in die Höhe getrieben haben.

Viele davon sollen unerfahrene Mobilisierte sein, die rücksichtlos ins ukrainische Abwehrfeuer geschickt wurden. Von russischer Seite erfolgen dazu jeweils keine Angaben, gleichzeitig werden die ukrainischen Zählungen als falsch in Abrede gestellt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Zählung des russischsprachigen Dienstes der britischen BBC. Indem die Moskauer Redaktion nur die in Russland publizierten Todesmeldungen und Bestattungsanzeigen zusammenzählt, hat sie bis Ende November die Namen von rund 9300 getöteten russischen Armeeangehörigen zusammengetragen. Die Dunkelziffer dürfte aber wesentlich höher sein, wie sie selbst aufgrund eigener Nachforschungen auf russischen Friedhöfen schreibt.

Zehntausende getöteter ukrainischer Zivilistinnen und Zivilisten

Mit seiner Nennung der ukrainischen Kriegstoten im Sender «Kanal 24» hat Podoljak in der widersprüchlichen Diskussion um die Opferzahlen eingegriffen. Am vergangenen Mittwoch hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärt, bisher seien 100'000 ukrainische Soldaten getötet worden. Von der Leyens Büro musste aber diese Äusserung noch am gleichen Tag korrigieren: Von der Leyen habe mit dieser Zahl sowohl Tote als auch verletzte Ukrainer gemeint.

Relatives of Russian Army Sgt. Daniil Dumenko, 35, who was killed in fighting in Ukraine, mourn during a farewell ceremony in his homeland in Volzhsky, Russia, Thursday, May 26, 2022. (AP Photo)
Angehörige in Volzhsky trauern um den russischen Soldaten Daniil Dumenk.Bild: keystone

Wenn man von der üblichen militärischen Zählweise ausgeht, dass in Kämpfen auf ein Drittel tote Soldaten zwei Drittel Verwundete kommen, muss in beiden Armeen mit 200'000 Verletzten und mehr gerechnet werden. Detaillierte Angaben hierzu fehlen auf beiden Seiten. In einem Tweet

In diese ohnehin schon erschütternde Bilanz müssen noch all die getöteten und verletzten Zivilistinnen und Zivilsten in der Ukraine hinzugezählt werden. Deren Zahl bezifferte US-Generalstabschef Mark Milley vergangenen Monat auf bis zu 40'000. Damit nähert sich die Gesamtzahl der Opfer des russischen Überfalls auf die Ukraine rapide jenen insgesamt 200'000 Todesopfern an, welche die Kriege und Konflikte auf dem Balkan während eines ganzen Jahrzehnts zwischen 1991 und 2001 gefordert haben.

Ein weiterer ebenso neuartiger wie trauriger Aspekt des Ukraine-Krieges sind die zahlreichen Frauen, die auf ukrainischer Seite an vorderster Front eingesetzt werden und entsprechend zu Kriegsopfern werden können. Der tschechische Newsdienst Visegrad 24 zitiert das ukrainische Verteidigungsministerium, welches 101 getöteten Soldatinnen Respekt zollt, die seit dem 24. Februar im Kampf gefallen sind.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
(Fast) totale Dunkelheit – Stromausfälle in der Ukraine aus dem All sichtbar
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Ex-«South Park»-Autor stellt mutmassliche Cornell-Vergewaltiger an den Internet-Pranger
Toby Morton hat schon Trump ins Visier genommen, nun stellt der Ex-«South Park»-Autor die sieben mutmasslichen Cornell-Vergewaltiger bloss. Braucht es diese Online-Wut für Gerechtigkeit?
«Jetzt kommt der Teil, den sie nicht ignorieren können», schreibt Toby Morton auf Instagram. Der Ex-«South Park»-Autor hat die Website «TheCornell7.org» gegründet. Das Ziel: die sieben mutmasslichen Vergewaltiger der Cornell Universität anprangern.
Zur Story