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Russland

Drohnenangriffe auf Moskau: Deshalb versagt Russlands Luftverteidigung

Moskaus Luftverteidigung versagt bei ukrainischen Drohnenangriffen immer öfter: 6 Gründe

Die Ukraine greift verstärkt Moskau an und richtet dort grossen Schaden an. Es gibt verschiedene Gründe, warum die Hauptstadt sich nicht ausreichend verteidigen kann.
22.06.2026, 19:5722.06.2026, 19:57
Julian Alexander Fischer / t-online
Ein Artikel von
t-online

Angriffe weit hinter der Front im russischen Hinterland waren im Ukraine-Krieg lange Zeit die Ausnahme. Nur vereinzelt nahm die Ukraine in den ersten Jahren Ziele ins Visier, die Hunderte Kilometer vom eigenen Standort entfernt waren. Das hat sich in diesem Jahr geändert. Ausgerechnet die gut gesicherte Hauptstadt Moskau gerät ins Visier.

Allein in der vergangenen Woche gab es zwei grosse Angriffe, bei denen zahlreiche Drohnen die russische Luftverteidigung für die Hauptstadt überwanden. Insbesondere die Moskauer Ölraffinerie erlitt starke Schäden und muss nun aufwendig repariert werden.

Doch warum gelingt es der Ukraine mittlerweile so leicht, die russische Luftverteidigung zu überwinden? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Manche sind technischer Natur, andere haben mit den Gegebenheiten in Russland zu tun. Ein Überblick.

Schwäche des russischen Luftabwehrsystems

Bis heute hat Russland kein so umfassend integriertes Luftverteidigungssystem wie die Ukraine. Dieses verbindet Sensoren, Effektoren und Führungssysteme zu einem mehrschichtigen Schutzschild. So gibt es in Russland weder ein Drohnenerkennungssystem für alle Grenzregionen noch einen Informationsaustausch zwischen verschiedenen Sensoren und Drohnenabfangwaffen. Dazu herrscht ein Mangel an mehrschichtigen, spezialisierten Drohnenabwehrsystemen.

Das aktuelle Luftverteidigungssystem wurde vor allem zur Abwehr von Flugzeugangriffen und einer geringen Anzahl von Marschflugkörpern entwickelt. Für grosse Drohnenangriffe gibt es keine adäquaten Mittel. Russische Abfangdrohnen tragen keine Sprengköpfe und sind daher gegen grosse Drohnen meist wirkungslos.

Überlastung der russischen Verteidigung

Die nicht bedarfsgerechte Aufstellung der Systeme führt dazu, dass Russlands Luftverteidigung mit der aktuellen Intensität der ukrainischen Angriffe offenbar überlastet ist. So unterstützt die russische Luftwaffe zwar bei der Abwehr der Angriffe, doch die Kräfte reichen nicht mehr aus. Gleiches gilt für mobile Feuerteams, die personell unterbesetzt sind.

Durch die fehlenden alternativen Mittel setzt Russland mittlerweile Raketenabwehrsysteme ein. Das führt wiederum dazu, dass es einen Mangel an Munition für die russischen Luftabwehrsysteme gibt. So verweisen ukrainische Beamte beim US-Sender CBS auf eine «Verringerung des russischen Bestands an S-300-Boden-Luft-Raketen», unter anderem weil diese gegen regelmässige Angriffe neuer, leistungsfähiger Drohnen eingesetzt werden.

Rob Lee, Russlandexperte am Foreign Policy Research Institute, sagte CBS: «Viele russische Luftverteidigungsraketen werden in einem nicht tragbaren Tempo verbraucht, da die Ukraine in manchen Fällen mehr Drohnen für Tiefenangriffe produzieren kann als Russland Luftverteidigungsraketen.»

Attrappen täuschen russische Abwehr

Teil der ukrainischen Überlastungsstrategie ist zudem der massive Einsatz von Täuschungsdrohnen. Das erklärte ein Kommandant des ukrainischen Militärgeheimdienstes beim US-Sender CNN. So sei nur ein bestimmter Prozentsatz der gestarteten Drohnen tatsächlich mit Sprengsätzen bestückt. Andere fliegen unbestückt mit. «Das sind Attrappen», erklärte der Kommandant. «Wir haben Hunderte davon geschickt. Einige sind leer, andere tragen eine Kampfladung.»

Zudem hat die ukrainische Luftwaffe offenbar neuerdings strahlgetriebene Täuschdrohnen in ihre Angriffe eingebunden. Laut ukrainischen Betreibern sind diese Hochgeschwindigkeitsdrohnen so konstruiert, dass sie die Radarsignaturen von Standard-Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen imitieren und von der russischen Verteidigung für solche gehalten werden.

epa13046867 Smoke billows in the background following a reported Ukrainian drone attack, in Moscow, Russia, 18 June 2026. Russian authorities reported intercepting nearly 200 Ukrainian drones across t ...
Ein Drohnenangriff führte am Donnerstag zu einer grossen Rauchwolke in Moskau.Bild: keystone

So verfeuert Russland teure Abfangmunition auf leere Täuschkörper und gibt geografische Koordinaten seiner Radar- und Raketenbatterien preis, die dann wiederum von den tatsächlich bewaffneten Drohnen angegriffen werden.

Luftverteidigung wird gezielt ausgeschaltet

Denn es ist ein wesentlicher Teil der ukrainischen Taktik, die vorhandene Luftverteidigung gezielt anzugreifen und zu eliminieren. So hat das internationale Recherchekollektiv Tochnyi das ukrainische Vorgehen bei 1530 verifizierten Angriffen analysiert. Dabei erfolgte mit 492 Angriffen fast ein Drittel auf die Luftverteidigungsinfrastruktur, weitere Hunderte nahmen Systeme ins Visier, die die Luftverteidigung unterstützten. Es zeigt, wie systematisch die Ukraine russische Luftverteidigungssysteme ins Visier nimmt, um Lücken in der Abdeckung zu öffnen.

Zunächst werden dabei Radaranlagen ausgeschaltet, damit Drohnen nicht mehr zuverlässig geortet werden können. Im Anschluss geraten Mittelstreckensysteme wie Buk ins Visier, die das Rückgrat der russischen Luftverteidigung im besetzten ukrainischen Gebiet und in Südrussland bilden. Sie haben eine Reichweite von bis zu 70 Kilometern und reissen eine grosse Lücke in die Verteidigungslinie, wenn sie zerstört werden.

Auch Kurzstreckenraketensysteme wie Tor, die für kürzere Gefechte nahe der Frontlinie eingeteilt sind, werden von ukrainischen Drohnen zerstört. Systeme wie Pantsir, Tunguska, Strela und tragbare Flugabwehrsysteme dienen dagegen meist dem Schutz wichtiger Anlagen und sollen sie vor Bedrohungen aus niedriger Flughöhe schützen. Die Zerstörung dieser Systeme legt wichtige Ziele direkt frei und verringert das Risiko für anfliegende ukrainische Drohnen und Raketen.

Russlands Grösse als Schwäche

Die Komplikationen beim Aufbau eines ganzheitlichen Verteidigungssystems haben ihre Ursache darüber hinaus in der Grösse des zu verteidigenden Gebiets. So ist Russland mit über 17 Millionen Quadratkilometern das mit Abstand grösste Land der Welt und erstreckt sich über elf Zeitzonen.

Nun ist seit 2022 ein Grossteil der russischen Luftverteidigungssysteme an der Front stationiert, um Truppen und Logistikzentren zu schützen. Andere Angriffsziele sind für die Verteidigung nicht mehr in Reichweite.

epaselect epa13038225 Ukrainian rescuers work at the site of a Russian strike on the Dormition Cathedral in Kyiv Pechersk Lavra in Kyiv, Ukraine, 15 June 2026, amid the Russian invasion of Ukraine. At ...
Putins Residenzen werden geschützt. Andere Gebiete nicht.Bild: keystone

Andere Systeme konzentrieren sich auf strategisch wichtige Standorte wie Putins Residenzen. Das sorgt andernorts für Lücken, die voraussichtlich niemals ganz geschlossen werden können. Selbst wenn der Kreml die Anzahl seiner Luftverteidigungssysteme drastisch erhöhen könnte, ist es fraglich, ob dies ausreichen würde, um die zahlreichen militärischen Produktionsstätten und die weitläufige Energieinfrastruktur des Landes vor Luftangriffen zu schützen.

KI führt zu effektiveren Angriffen

Auch technisch hat die Ukraine sich auf die neue Vorgehensweise vorbereitet und setzt mittlerweile offenbar Künstliche Intelligenz (KI) für die Angriffe ein. Laut CNN setzt das Militär die KI zur Verarbeitung von Echtzeit-Gefechtsfelddaten ein.

So können bisherige Abfangpunkte, die Abdeckung russischer Luftverteidigungssysteme und Routen, die der Entdeckung entgehen, in Echtzeit analysiert werden. Drohnenrouten können so während des Flugs schnell angepasst werden. Das steigert die Effektivität.

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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banda69
22.06.2026 20:36registriert Januar 2020
Moskau gilt als eine der bestgeschützten Städte der Welt. Die Ukrainer demaskieren eins ums andere das Fake-Marketing der Terror-Russen. Und das ist gut so. 💛💙

Möge der Winter in Moskau und St. Petersburg eisig kalt werden. Und ja, die Terror-Russen können ihren hässlichen Krieg jederzeit beenden.

Und mögen alle Kriegsverbrecher und deren herz-nund morallosen Zudiener (Trump, SVPler und Kosorten) zur Rechenschaft gezogen werden.
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Speedy70
22.06.2026 20:28registriert Juni 2021
Tja… die Grossen werden gerade vorgeführt….🤔
USA vom Iran und wer weiss…. Russland am Ende von der angegriffenen Ukraine…
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mMn
22.06.2026 20:52registriert September 2020
Es geht unweigerlich dem Ende zu. Die Russen haben das Momentum verpennt, wo die Ukraine noch einem Einfrieren der Front zugestimmt hätten. Jetzt wird es eine gnadenlose Jagd geben, bis der letzte Russe hinter 2014 steht... und wenn die Russen dann nicht schweigen, wird noch eine 200 km breite Sicherheitstodeszone entlang der Grenze ins Russische Kernland getrieben.
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