Ukrainische Gegenangriffe: Tote und Verletzte in Russland
Bei ukrainischen Drohnenangriffen in Russland sind nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Im Gebiet Tambow starben sieben Menschen, teilte Gouverneur Jewgeni Perwyschow bei Telegram mit. Es gebe auch 25 Verletzte. Bei den Opfern handele es sich um Mitarbeiter eines Verteilzentrums des russischen Online-Versandhändlers Wildberries. Die getroffene Stadt Kotowsk liegt rund 500 Autokilometer südöstlich von der Hauptstadt Moskau entfernt.
Im Moskauer Gebiet gab es laut Behörden auch mindestens einen Toten sowie Dutzende Verletzte durch ukrainische Drohnenangriffe. Das Ermittlungskomitee warf den ukrainischen Streitkräften Terroranschläge gegen zivile Einrichtungen vor. Die Behörde leitete ein Strafverfahren ein.
Weiteres Lager getroffen
Im Moskauer Gebiet sei ebenfalls ein Lager von Wildberries getroffen worden, teilte das Unternehmen mit. In der Stadt Elektrostal – rund 50 Kilometer östlich von Moskau – seien 37 Menschen verletzt worden, davon einige schwer, teilte Gouverneur Andrej Worobjow mit. Ein Verletzter sei dort gestorben. Trümmer einer abgeschossenen Drohne hätten ausserdem einen Kindergarten getroffen, sagte Worobjow, der ein Foto von dem beschädigten Gebäude veröffentlichte. Ein Feuer dort sei gelöscht worden, verletzt sei niemand.
In dem Gebiet um die Hauptstadt sei ausserdem in der Stadt Noginsk auf dem Gelände eines Öldepots ein Brand ausgebrochen, sagte Worobjow. Dort sei aus Sicherheitsgründen auch eine Geburtsklinik evakuiert worden. Die Frauen seien in anderen medizinische Einrichtungen untergekommen, sagte der Gouverneur. In Noginsk wurde demnach ebenfalls ein Wohnblock evakuiert. Nach Angaben von Worobjow gab es in der Stadt auch zwei Verletzte.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, dass zwischen Freitagabend (20.30 Uhr Ortszeit) und Samstagmorgen (8.30 Uhr) insgesamt 1'892 ukrainische Drohnen in Richtung der russischen Hauptstadt geflogen seien. Die meisten seien abgeschossen worden. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.
Selenskyj: Schläge sind Antwort auf russische Angriffe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte einmal mehr bei Telegram ein Video, auf dem schwarze Rauchsäulen am blauen Himmel zu sehen sind – sowie eine fliegende Drohne und Feuer. Getroffen worden seien die beiden wichtigen Logistikzentren in den Gebieten Moskau und Tambow, 500 und 700 Kilometer von der ukrainischen Frontlinie entfernt, sagte er. In den Zentren seien mit westlichen Sanktionen belegte Bauteile für Drohnen und Navigationsausrüstung gelagert gewesen, behauptete er.
Bei den Angriffen handele sich um eine Antwort auf die russischen Angriffe gegen ukrainische Infrastruktur, sagte Selenskyj. Die Drohneneinheiten hätten zudem russische Schiffe im Schwarzen Meer und im benachbarten Asowschen Meer angegriffen. Selenskyj dankte den Streitkräften und Geheimdiensten für die «akkurate und koordinierte Ausführung der Aufgaben».
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg mit westlicher Hilfe. Dabei nutzt Kiew für die Gegenangriffe auf russische Ziele vor allem Drohnen. (sda/dpa)
