Ukrainische Angriffe: Nur zwei russische Top-Raffinerien noch intakt
Die ukrainischen Angriffe auf russische Energieinfrastruktur haben mittlerweile die meisten der grössten Raffinerien getroffen. Acht der zehn produktivsten Anlagen sind bereits Ziel ukrainischer Drohnen geworden. Darunter ist die Gazprom-Raffinerie in Moskau, die sowohl von ukrainischen Drohnen als auch von einer fehlgeleiteten russischen Abwehrrakete getroffen wurde.
Auch in Anlagen in den Städten Kirischi, Rjasan, Nischni-Nowgorod, Jaroslawl, Wolgograd, Perm und Salawat hat es in den vergangenen Monaten Explosionen gegeben. Die Moskauer Raffinerie und die in Jaroslawl sind mehrfach angegriffen worden.
Nur zwei Anlagen sind noch nicht Ziel von Kiews Drohnen geworden. Die Anlage des Grosskonzerns Gazprom Neft in Omsk ist die grösste Raffinerie in Russland und blieb bisher verschont. Sie liegt weit östlich des Urals und ausserhalb der Reichweite der meisten ukrainischen Drohnen. Allerdings hat es hier im August 2024 eine grosse Explosion gegeben, die zeitweise die Produktion lahmlegte. Die Ursache war nach offiziellen Angaben ein Brand in einem Teil der Anlage. Die Angarsk-Raffinerie in Irkutsk liegt ebenfalls weit im Osten Russlands und ist noch intakt.
Putin räumt Probleme ein
Tatsächlich steht ein Drittel der Ölverarbeitungsanlagen nach Angriffen still, wie Experten der Agentur Energy Intelligence berichten. Die Moskauer Anlage soll mindestens ein halbes Jahr lang ausfallen, berichtet der Sender n-tv. Die Verarbeitung sei auf vier Millionen Barrel gesunken, den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.
Selbst Wladimir Putin musste vor einigen Tagen zugeben, dass es bei der Treibstoffversorgung knapp wird. «Was Angriffe auf die kritische Infrastruktur im Allgemeinen und die Energieinfrastruktur im Besonderen betrifft, so verursachen diese Angriffe auf unsere Infrastruktureinrichtungen natürlich Probleme, das ist offensichtlich», sagte Putin. «Im Moment beobachten wir einen gewissen Mangel, aber er ist nicht kritisch.»
Russland führt nach Kremlangaben Gespräche mit anderen Ländern über mögliche Kraftstoffimporte. Kremlsprecher Dmitri Peskow stellte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge Importe in Aussicht, wenn Vereinbarungen zu annehmbaren Preisen erreicht würden. Das wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg, den Markt zu stabilisieren und ziele darauf, Panikkäufe abzuwehren. Konkrete Länder nannte er nicht. Aber es bestünden Kontakte, sagte Peskow.
Ukraine will Nachschub stören
Auch Vize-Regierungschef Alexander Nowak hatte Importe als mögliche Massnahme genannt, um Stabilität auf dem heimischen Treibstoffmarkt zu sichern.
Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten als Teil ihres Abwehrkampfes gegen die russische Invasion ihre Angriffe auf russisches Hinterland stark ausgeweitet. Immer wieder brennen etwa Raffinerien. Kiew will damit den Treibstoffnachschub für die russische Armee stören und Moskaus Einnahmen aus dem Energiegeschäft, die wichtig zur Kriegsfinanzierung sind, schmälern.

