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epa08925002 A cleaning crew dusts residue from the pedestals of the statues in Statuary Hall inside the US Capitol in Washington, DC, USA, 07 January 2021, the morning after various groups of President Trump's supporters broke into the US Capitol and rioted as Congress met to certify the results of the 2020 US Presidential election.  EPA/SHAWN THEW

Grosses Reinemachen in der Statuenhalle des Kapitols nach dem Abzug des Trump-Mobs. Bild: keystone

Analyse

Trump und Corona versauen uns den Start in ein «tolles» Jahr

Nach dem üblen 2020 sollte dieses Jahr alles besser werden. Doch 2021 hat einen Fehlstart erlebt mit der Schande von Washington. Und bei Corona steht das Schlimmste vielleicht erst bevor.



Nun also doch. In einer Videobotschaft hat sich US-Präsident Donald Trump am Donnerstag von der «abscheulichen Attacke» auf das Kapitol in Washington distanziert. Weiter sicherte er eine «reibungslose, ordentliche und nahtlose Amtsübergabe» an seinen Nachfolger Joe Biden zu. Zum Wahlsieg gratuliert hat ihm Trump allerdings nicht.

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Tief im Innern ist Donald Trump nach wie vor überzeugt, dass er nur durch Wahlbetrug verloren hat. Auch das lässt er im Video durchscheinen. An Bidens Amtseinführung will er jedenfalls nicht teilnehmen. Zumindest aber scheint er erkannt zu haben, dass er mit seinen Betrugsvorwürfen den Bogen mehr als überspannt hat.

Chaos in Washington

Video: watson/een

Am Mittwoch hatte Trump seine in Washington versammelten Fans zuerst zum Sturm auf das Kapitol aufgehetzt. Später «garnierte» er seinen Aufruf zur Heimkehr mit den üblichen widerwärtigen Lügen über einen Erdrutschsieg, der ihm gestohlen worden sei. Jetzt will er vielleicht das letzte Molekül an Ehre retten, dass ihm verblieben ist.

Wie in der Bananenrepublik

Die schändlichen Bilder aus dem Kapitol aber werden immer mit seinem Namen verbunden sein. Sie stehen für den Versuch, einen demokratischen Prozess mit Gewalt zu stoppen. Jedem Verfechter von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit blutete bei diesem Anblick das Herz, es waren Zustände wie in der sprichwörtlichen Bananenrepublik.

Nach dem trüben 2020 werde im neuen Jahr alles besser, glaubten und hofften viele. Nach der ersten vollen Woche muss man bilanzieren: Das hat ja gut angefangen!

Noch ist nicht klar, warum die Angreifer so einfach in das in der Regel stark gesicherte Zentrum der amerikanischen Demokratie eindringen konnten. Aber die Indizien häufen sich, dass die Capitol Police auf dem rechten Auge stockblind ist. Und deshalb trotz klarer Warnsignale die Gewaltbereitschaft des Trump-Mobs unterschätzt hat.

Trump-Anhänger stürmen Kapitol

Ein Polizist hat dies mit dem Leben bezahlt. Er wurde von einem der Hooligans mit einem Feuerlöscher totgeschlagen. Joe Biden bezeichnete die Meute am Donnerstag als «inländische Terroristen». Sie haben den USA eine besonders dunkle Episode in ihrer noch jungen, aber an dunklen Episoden wie lichten Momenten reichen Geschichte beschert.

Genug Probleme für Biden

Ihre Aufarbeitung wird Zeit in Anspruch nehmen und vor allem die Republikaner fordern, die sich in den letzten vier Jahren dem Trumpismus unterworfen hatten. Vielleicht wirkt die Schande von Washington aber auch als heilsamer Schock für die tief gespaltene Nation. Man würde es Joe Biden gönnen, denn der neue Präsident hat mehr als genug Probleme zu lösen.

Neben dem Sturm auf das Kapitol fast untergegangen ist ein unrühmlicher Rekord. In den USA wurden erstmals mehr als 4000 Covid-19-Tote an einem Tag gezählt. Die Pandemie ist längst nicht überwunden. Es spricht vielmehr manches dafür, dass in den nächsten Wochen das Schlimmste erst noch bevorsteht. Das gilt auch für die Schweiz.

Der Grund sind die mutierten Varianten des Coronavirus, die deutlich ansteckender sind. In England hat die dort aufgetauchte Mutante B.1.1.7 zu einer Eskalation der Fallzahlen geführt. Premierminister Boris Johnson musste einen harten Lockdown mit Schulschliessungen anordnen. Minister orakeln, er könne bis in den März dauern.

Dieser Mann hat eine Message für Corona-Leugner

Video: watson/jah

Bei uns ist es (noch) nicht so weit. Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) aber warnte am Dienstag vor einer «Epidemie in der Pandemie». Die Variante aus Grossbritannien breite sich in der Schweiz aus und könne eine neue Welle in der aktuellen Welle auslösen, warnte sie. Das kann nur bedeuten, dass die Lage ernst ist.

Wo steht die Schweiz?

In mancher Hinsicht fühlt man sich an den letzten Februar erinnert und die Situation vor der ersten Welle. Damals aber befanden wir uns am Nullpunkt. Jetzt haben wir mehr als 3000 Neuinfektionen pro Tag. Eine Eskalation könnte fatal werden. Die gute Nachricht ist, dass der gefürchtete Festtags-Effekt zumindest an Weihnachten nicht eingetreten ist.

Was der Jahreswechsel bewirkt hat, wird man aber erst nächste Woche wissen. Bundesrat Alain Berset gab am Mittwoch vor den Medien zu, es sei sehr schwierig zu beurteilen, wo die Schweiz derzeit stehe. Prophylaktisch verlängerte der Bundesrat den Beizen-Lockdown bis Ende Februar, und er beseitigte – endlich – die Sonderregeln für die Kantone.

Über weitere Verschärfungen aber will er erst am nächsten Mittwoch entscheiden. Dabei ist der «Schweizer Weg», der auf Gesundheit und Wirtschaft Rücksicht nehmen wollte, längst gescheitert. Immer mehr Gewerbler wirken verzweifelt. Einige haben angekündigt, sich am nächsten Montag über das Verbot hinwegzusetzen und ihre Betriebe zu öffnen.

Impfhysterie ist deplatziert

Man fragt sich, was das bringen soll. Den Ärger über ausbleibende Entschädigungen aber kann man vollauf verstehen. Auch in diesem Punkt versagt die Schweizer Politik. Für die Rückkehr zu einer gewissen Normalität aber müssten die Fallzahlen so stark sinken, dass ein effizientes Contact Tracing möglich wäre. Und davon ist die Schweiz weit entfernt.

Herr Impfexperte, was wird uns da eigentlich gespritzt?

Video: watson/lea bloch

Umso mehr hofft man auf die Impfstoffe. Doch auch in diesem Bereich gibt es Ärger. Viel zu schleppend sei das Impftempo in der Schweiz, wird gemeckert. Die Kritik richtet sich erneut auf die Kantone, die einmal mehr überfordert wirken. Und immer noch ist erst das Vakzin von Pfizer/Biontech zugelassen. Viele schauen deshalb neidisch nach Israel.

Dennoch ist die vor allem in Deutschland an Hysterie grenzende Impfdebatte völlig deplatziert. Denn es grenzt an ein kleines Wunder, dass schon Vakzine vorhanden sind. Die Forschung hat in diesem Bereich Eindrückliches geleistet. Der Start mag holprig sein, aber die Chance ist gross, dass bis im Sommer die meisten Menschen geimpft sind.

Ob das Problem damit gelöst ist, wird sich zeigen. Die Erfahrung dieser Pandemie lehrt, dass man nicht zu viel erwarten sollte. Donald Trump geht und der Impfstoff kommt. Beides ist eine gute Nachricht. Trump und das Virus werden nicht einfach verschwinden. Aber die Chance ist intakt, dass aus dem so mies gestarteten 2021 doch ein gutes Jahr wird.

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So berichtet die Zeitungen über den Sturm auf das Kapitol

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