Regenwald zeigt Stärke: Tropenbäume trotzen Dürren überraschend gut
Tropische Regenwälder sind für das Weltklima von enormer Bedeutung. Sie speichern nicht nur riesige Mengen Kohlenstoff, sondern beherbergen zugleich einen grossen Teil der weltweiten Artenvielfalt. Bisher galt: Die zunehmenden Dürren könnten dieses empfindliche Ökosystem massiv bedrohen, von Waldbränden ganz zu schweigen. Zumindest bei längeren Trockenzeiten erweisen sich viele Baumarten aber als Improvisationskünstler.
Bäume sind widerstandsfähiger als gedacht
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature am 12. August, untersuchte knapp 300 Bäume von mehreren der wichtigsten Arten in Puerto Rico. Forschungsfrage: Wie reagieren diese Bäume auf Trockenperioden? Das Team um María Uriarte von der Columbia University mass dazu sogenannte hydraulische Eigenschaften, also wie gut Bäume Wasser transportieren oder bei Nacht aus feuchten Bodenschichten nach oben leiten können.
Bisher war die Annahme, dass Bäume einer Art überall ähnlich auf Wasserknappheit reagieren. Doch die Studie zeigt: Selbst innerhalb einer Art sind die Unterschiede gross. In trockeneren Regionen sind Bäume derselben Art deutlich widerstandsfähiger gegen Dürre als in niederschlagsreichen Gebieten.
Anpassung an lokale Bedingungen als Überlebensstrategie
Der Befund: Tropische Baumarten sind offenbar in der Lage, ihr Wassertransportsystem an teils sehr unterschiedliche Bedingungen anzupassen. Das bedeutet, dass viele dieser Bäume auf Trockenphasen vorbereitet sein können und ihre Überlebenschancen in einem sich ändernden Klima steigen.
María Uriarte, eine der Studienautorinnen, erklärt dazu:
Doch bei allem berechtigten Optimismus, den dieses Ergebnis auslösen kann: Die Anpassungsfähigkeit der Bäume hat Grenzen. Anhaltende, extreme Dürren bleiben weiterhin ein grosses Risiko für diese empfindlichen Ökosysteme und für das weltweite Klima. Dennoch zeigt der neue Forschungsansatz, dass der Regenwald nicht sofort bei jeder Dürre kollabiert.
Weitere aktuelle Studien deuten darauf hin, dass viele andere Ökosysteme widerstandsfähiger auf den Klimawandel reagieren als lange angenommen: Bestimmte Korallenpopulationen entwickeln offenbar vergleichsweise schnell Hitzetoleranz und einige Riffe erholen sich besser, wenn lokale Belastungen wie Überfischung reduziert werden.
Zudem zeigen Untersuchungen aus dem Amazonas, Kanada und Europa, dass artenreiche Mischwälder deutlich robuster gegenüber Dürre, Hitze und Schädlingen sein könnten als Monokulturen, wodurch Renaturierung und nachhaltige Forstwirtschaft bereits innerhalb weniger Jahrzehnte messbare Resilienz schaffen können.
Ausserdem zeigen Satellitendaten, dass Regionen mit Aufforstungs- und Schutzprogrammen teilweise mehr CO₂ aufnehmen als ältere Prognosen erwartet hatten – ein Zeichen dafür, dass Ökosysteme positiv auf Schutzmassnahmen reagieren können, auch wenn dies den notwendigen Emissionsrückgang nicht ersetzt.
