Endlich kommt der Regen, doch lindert er auch die Trockenheit? Das sagt der Experte
Roger Perret ist kein Fan von hohen Temperaturen. Dem Meteorologen von MeteoNews ist daher die Erleichterung in der Stimme anzuhören, wenn er über die Prognosen der kommenden Woche spricht: «Wir stehen vor einem markanten Wetterumschwung. Während der Sommer bisher von lang anhaltenden Hochdruckphasen geprägt war, scheint sich dies nun ins Gegenteil zu verkehren.»
Während die ab Samstag erwarteten Niederschläge am Wochenende noch als Gewitter entlang der Berge, im Jura und vereinzelt auch im Flachland niederfallen, kommt es im Verlauf der nächsten Woche wiederholt zu Schauern in der gesamten Schweiz.
Wie viel Regen exakt falle, das könne nur schwer vorhergesagt werden, sagt Perret. Die aktuellen Prognosen würden auf 30 bis 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Flachland und in der Südschweiz hindeuten, in den Alpen könnte es bis zu 100 Liter im Verlauf der nächsten sieben Tage geben. «Für die kommende Woche verzeichnen wir eine überdurchschnittliche Menge an Niederschlag», so der Meteorologe.
Erste Zeichen der Entspannung
Hinsichtlich der extremen Trockenheit in der Schweiz seien das gute Neuigkeiten, nicht nur aufgrund der prognostizierten Menge, wie der Gewässerforscher Massimiliano Zappa der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) erklärt: «Der Niederschlag fällt glücklicherweise nicht auf einmal, sondern als Landregen verteilt über mehrere Tage. Das ist genau das, was wir brauchen, um die Trockenheit langsam aber effizient zu lindern.»
Die prognostizierten Niederschläge würden helfen, die ausgetrockneten Böden langsam wieder zu befeuchten, so dass der Regen auch wieder in die Böden eindringen könne, so der Forscher der WSL. Für die Landwirtschaft seien das sehr gute Neuigkeiten, so könne in diesem Bereich wohl auch von einer Entspannung gesprochen werden. Hinsichtlich der Schweizer Gewässer könne davon jedoch noch nicht die Rede sein.
Die Prognosen des Forschers gehen im Einzugsgebiet der Limmat von 50 bis 100 Litern Niederschlag in den kommenden zehn Tagen aus. Dies entspreche ungefähr den 80 bis 100 Litern, die in einem durchschnittlichen Sommermonat erwartet würden, so der Hydrologe: «Im besten Fall können wir das Defizit des Augusts ausgleichen, die Niederschlagsdefizite aus den Monaten Mai, Juni und Juli macht dies jedoch noch lange nicht wett.»
Hinweise auf ein lang anhaltendes Tiefdruckgebiet
Dennoch seien die Prognosen ein guter Anfang, wichtig sei jedoch, dass es in diesem Stil weitergehe, so Zappa. Einen ersten Hinweis, dass dies eintreffen könnte, liefern die Mittelfristdaten des europäischen Wettermodells ECMWF. Dieses würde auch für die übernächste Woche eine überdurchschnittliche Niederschlagsmenge prognostizieren, sagt der Meteorologe Roger Perret: «Die Wetterlage hat sich verschoben, die stabilen Hochdruckgebiete sind weitergezogen. Nun kommen wir in den Einfluss eines Tiefdrucktrogs. Dieser scheint gemäss aktueller Daten in absehbarer Zeit auch nicht so recht wegzugehen.»
Hinsichtlich der stark ausgetrockneten Gewässer bräuchte es einen weiteren Monat mit mindestens der doppelten Menge des prognostizierten Niederschlags, so Massimiliano Zappa: «Wenn von heute an bis Mitte September 300 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fallen, dann können wir wohl von einer Erholung sprechen.»
Wichtig sei vor allem, dass das Wetter wieder stattfinde, anstelle dass eine Hitzewelle auf die nächste folge, unterbrochen nur von gelegentlichen Gewittern. Dann werde sich das System im Laufe des Herbstes hoffentlich wieder erholen, so der Forscher der WSL.
Doch auch wenn das Wetter umschlage, die Temperaturen sinken und der lange erhoffte Niederschlag falle, die Auswirkungen der Trockenheit würden uns wohl noch lange beschäftigen, so Zappa. Umso wichtiger sei es, weiter hinzuschauen:
