UN-Abstimmung: Togo will Weltkarten korrigieren – so gross ist Afrika
Die UN-Volllversammlung hat eine Reform für die Verwendung neuer Weltkarten mit realistischeren Grössenverhältnissen beschlossen. Eine entsprechende Resolution wurde bei der Abstimmung am Freitag von 164 Mitgliedstaaten unterstützt, die USA stimmten dagegen und sechs Staaten enthielten sich.
Die Resolution zur Kartenänderung hatte die westafrikanische Republik Togo im April dieses Jahres eingebracht. Sie wurde dabei von mehreren Staaten unterstützt, unter anderem von den 54 Mitgliedsländern der Afrikanischen Union und Frankreich.
Gerechtigkeit und Würde
Der Aussenminister Togos, Robert Dussey, sprach nach der Abstimmung von einem historischen Moment. Die Entscheidung gehe weit über reine Kartographie hinaus. «Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung und darum, wie wir unsere Welt darstellen.»
Worum geht es Togo genau?
Die Weltkarte, die viele Menschen aus Schulatlanten kennen, vermittelt ein verzerrtes Bild davon, wie gross Länder und Kontinente tatsächlich sind. Grund dafür ist die sogenannte Mercator-Projektion, die der flämische Kartograf Gerardus Mercator 1569 für die Navigation auf See entwickelte. Weil sich die kugelförmige Erde nicht ohne Verzerrungen auf einer flachen Karte darstellen lässt, werden bei dieser Projektion Gebiete umso stärker vergrössert, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. So erscheinen etwa Grönland, Kanada oder Russland überproportional gross, während Afrika im Vergleich deutlich kleiner wirkt, als es tatsächlich ist.
Die von Togo unterstützte Kampagne #CorrectTheMap wirbt deshalb für die sogenannte Equal-Earth-Projektion. Sie wurde 2018 von einem internationalen Team von Kartografen entwickelt. Auch diese Darstellung kann die kugelförmige Erde nicht vollkommen verzerrungsfrei auf einer Ebene zeigen. Sie ist jedoch flächentreu. Die Grössenverhältnisse der Länder und Kontinente zueinander bleiben erhalten.
Der französische Aussenminister Jean-Noël Barrot versprach: «Wir werden die Mercator-Projektion zugunsten von Kartendarstellungen aufgeben, die dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst sind, die tatsächlichen Flächenverhältnisse besser wiedergeben und den Empfehlungen von Kartografen und Wissenschaftlern entsprechen.»
Der UN-Beschluss hat zunächst wohl vor allem symbolische Bedeutung, denn Resolutionen der Generalversammlung sind nicht bindend. Die Initiative könnte dennoch konkrete Folgen haben. Die Befürworter hoffen unter anderem auf Veränderungen bei Schulbüchern und Lehrplänen sowie bei digitalen Kartendarstellungen.
Für Dussey geht es dabei auch darum, wie Afrika sich selbst in der Welt präsentiert. Der Kontinent wolle mehr Verantwortung dafür übernehmen, seine eigene Darstellung zu verändern. Oder, wie Togos Aussenminister es formuliert: Es sei an der Zeit, «die Erzählung zu verändern».
Verwendete Quellen:
- theguardian.com: "UN vote: Should the world map switch from Mercator to Equal Earth to better represent Africa?" (englisch)
- cnn.com: "UN vote: New world map proposal sparks debate" (englisch)
- stern.de: "Warum die UN heute entscheiden, ob wir eine neue Weltkarte brauchen"

