In dem Interview mit dem US-Sender CBS News erklärte Biden, es sei ihm darum gegangen, sein Bestes zu tun, um die Demokratie in den Vereinigten Staaten zu schützen und eine Wiederwahl des Republikaners Donald Trump zu verhindern. «Wir müssen, müssen, müssen Trump schlagen», betonte der 81-Jährige.
Umfragen hätten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und Trump prognostiziert, sagte Biden. Doch Senatoren und Abgeordnete aus seiner Partei hätten Befürchtungen geäussert, dass sein Festhalten an der Präsidentschaftskandidatur auch ihre eigenen Erfolgschancen eintrüben könnte. Er sei in der Folge besorgt gewesen, dass die Frage nach seinem Verbleib als Kandidat den Wahlkampf überschatten würde. «Ich dachte, das wäre eine wirkliche Ablenkung», sagte er. Zudem habe er sich schon im Wahlkampf 2020 als Präsident des Übergangs zu einer jüngeren Generation gesehen, erklärte Biden.
Nach der Debatte zwischen Trump und Biden, sanken die Umfragewerte von Biden, während Trump zulegen konnte. Die neue demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris konnte den Trend wieder umkehren.
Im Interview kam er ebenfalls darauf zu sprechen, was ihn zu seiner Kandidatur 2020 bewegte. Er erklärte, die Charlottesville-Proteste 2017 seien ein entscheidender Grund für seine politische Reaktivierung gewesen. Damals kam es unter dem Titel «Unite the Right rally» zu massiven Protesten mehrerer rechtsextremer Gruppierung, unter anderem Neonazis, Neo-Konföderierte und Ku-Klux-Klan-Mitglieder.
Bei den Protesten wurde eine Frau von einem rechtsextremen Demonstranten getötet, als dieser mit seinem Fahrzeug in eine Gruppe Gegendemonstranten raste.
Wie Biden ausführte, erklärte Trump damals als Reaktion auf die Proteste, dass «es auf beiden Seiten gute Leute habe». Diese, aus Bidens Sicht, mangelnde Verurteilung der rechtsextremen Proteste vonseiten des damaligen US-Präsidenten Trump, habe ihn dazu veranlasst, 2020 zu kandidieren.
Für ihn seien derart offene rechtsextreme Proteste nur möglich gewesen, da die rechtsradikalen Gruppierung mit Donald Trump einen Verbündeten im weissen Haus hatten.
Biden gewährte ebenfalls einen Ausblick auf die Wahlübergabe nach der diesjährigen US-Wahl. So macht er sich einige Sorgen, falls Trump die Wahlen verlieren sollte. «Wenn Trump verliert, bin ich überhaupt nicht zuversichtlich», sagte Biden. «Er meint, was er sagt. Wir nehmen ihn nicht ernst. Er meint es ernst. Wenn wir verlieren, wird es ein Blutbad geben.»
Trump hat erklärt, dass er vor einem wirtschaftlichen Blutbad gewarnt habe, als er von einem «Blutbad» bei seiner Wahlniederlage sprach.
Biden hatte vor gut drei Wochen seinen Rückzug als Kandidat erklärt und sich für Vizepräsidentin Kamala Harris ausgesprochen. Biden war wegen eines weitestgehend misslungenen Auftritts bei einem TV-Duell mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump Ende Juni heftig in die Kritik geraten. Auch Parteifreunde fingen plötzlich an, mehr oder weniger offen infrage zu stellen, ob er noch physisch und mental fit genug sei für eine weitere Amtszeit. Zunächst wollte Biden allerdings nichts davon wissen und mauerte. Knapp einen Monat nach dem TV-Duell verkündete er schliesslich seinen Rückzug.
Für die Demokraten scheint sich die ungewöhnliche Rochade nur drei Monate vor der Wahl Anfang November gelohnt zu haben. Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass Harris und ihr frisch gekürter Vize-Kandidat, Gouverneur Tim Walz, etwas bessere Chancen haben, Trump zu besiegen. Doch auch mit dem frischen Wind bei den Demokraten und dem neuen Enthusiasmus bei den Anhängern der Partei ist klar: Den Umfragen zufolge dürfte es weiter ein sehr knappes Rennen werden. (ear, mit Material der sda)
Umgekehrt heisst das für das Trump-Lager: wenn er weiterhin unzusammenhängende Sätze sagt und viele Rebublikaner gar nicht wählen gehen, sieht das Ergebnis für die Abgeordnedenkammern auch anders aus.