Bekannter US-Wahlforscher glaubt an baldigen Trump-Rücktritt
Eine «seltsame Intuition» habe er, sagte US-Wahlprognostiker Nate Silver im Podcast Still Counting nach der verheerenden Midterm-Klatsche der Republikaner in der Nacht auf Mittwoch (Schweizer Zeit). Silver glaubt, Trump könnte schon bald «aufhören», also von seinem Amt zurücktreten.
Der bekannte Wahlforscher, der das Ausmass des demokratischen Wahlsiegs als einer der wenigen annähernd korrekt prognostiziert hatte, glaubt, Trump könnte schon bald «sehr, sehr isoliert» sein in der Republikanischen Partei. Für ihn ist plausibel, dass sich Aushängeschilder der Republikaner bald von ihm abwenden werden. Die Situation von Kamala Harris im Wahlkampf 2024 habe deutlich gemacht, dass es wichtig sei, sich im richtigen Moment zu distanzieren. Harris, und die Demokraten im Allgemeinen, hätten das damals versäumt, als sie Joe Biden zu lange die Stange hielten.
Gerade Trumps Vizepräsident JD Vance werden grosse eigene politische Ambitionen nachgesagt. Silver glaubt, dass sich zunächst Vance und dann weitere Republikaner aus Eigennutzen von ihrem Präsidenten abwenden könnten. Tatsächlich hatte sich Vance nach der Niederlage kritisch geäussert, was als Indiz dafür herhalten könnte. Der Vizepräsident hatte den von Trump gestarteten Iran-Krieg offen als Grund für die Pleite bezeichnet.
Trump habe nun «keinerlei Druckmittel» mehr und seine «furchteinflössende Wirkung verloren», so Silver weiter. Zumal die Demokraten im Kongress die Mehrheit übernehmen und sich insgeheim unzufriedene Republikaner nun aufraffen könnten, sich aus der Umklammerung Trumps zu lösen. Silver sagt über Trumps Bedeutung für die Partei:
Eine mögliche Isolierung Trumps macht diesen nach Silvers Einschätzung aber auch «gefährlich». Tatsächlich deuten die letzten Aussagen und Handlungen Trumps, nach der anfänglich gemässigten Reaktion auf die Midterms, nur sehr bedingt darauf hin, dass er die Macht abgeben könnte – weder freiwillig noch unter Druck aus seiner eigenen Partei. Mit der Ernennung von Stephen Miller zum neuen Stabschef und der gleichzeitigen Entlassung von Susie Wiles deutet sich eher noch eine Radikalisierung der Politik der US-Regierung statt eines Einknickens an. (con)
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