F-22 könnte zurückkehren: USA prüfen neue Produktion
Die USA haben ihren stärksten Kampfjet vor 14 Jahren aus der Produktion genommen. Nun könnten sie diese Entscheidung bereuen. Während die F-22 «Raptor» (Raubvogel) im Krieg gegen Iran aktuell zum Einsatz kommt, wächst mit Chinas J-20-Flotte ein neuer Gegner heran. Gleichzeitig kämpft die F-35, auf die auch die Schweiz setzt, mit Problemen bei der Einsatzbereitschaft.
In Washington gewinnt deshalb eine spektakuläre Idee wieder an Aktualität: Die längst eingemottete Produktionslinie für die F-22 könnte neu aufgebaut werden.
Gemäss Berichten des Fachportals «Meta-Defense» werden im Pentagon derzeit mehrere Möglichkeiten geprüft, um die US-Luftwaffe angesichts geopolitischer Krisen rascher zu verstärken.
Dazu gehören zusätzliche F-15EX, modernisierte F-16 und eben eine Raptor-Neuauflage. Einen Produktionsentscheid für neue F-22 gibt es allerdings nicht, geschweige denn die entsprechende Finanzierung.
China setzt die USA unter Druck
Die F-22 wurde im Gegensatz zur vielseitigeren F-35 vor allem für eine Aufgabe konstruiert: gegnerische Kampfflugzeuge der neuesten Generation aufzuspüren und zu zerstören. Ursprünglich wollte die US Air Force 750 Exemplare. Jedoch wurden nur 187 Serienmaschinen gebaut.
Nach dem Kalten Krieg erschien der spezialisierte Luftüberlegenheitsjäger wie eine unnötig teure Investition aus vergangenen Zeiten. 2009 wurde das Programm gestoppt, 2012 verliess die letzte F-22 das Werk. Der damalige Stückpreis: 137 Millionen Dollar. Danach gab es immer wieder Bestrebungen, den Raptor wegen der hohen Kosten ganz auszumustern.
Heute sieht die Welt anders aus: Besonders die wachsende Flotte des chinesischen Tarnkappenjägers J-20 bereitet den USA Sorgen. Gemäss Studien plant Peking 1000 einsatzfähige Maschinen bis 2030. Bereits sollen es über 300 sein.
Dass der Raptor weiterhin gebraucht wird, beweist auch der US-Kongress: Der Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses hat im Juni dafür gestimmt, die Ausmusterung der noch vorhandenen 184 F-22 bis Ende September 2032 zu verbieten. Bisher gilt ein solches Verbot lediglich bis 2027.
Damit soll auch die Zeit überbrückt werden, bis der Nachfolger F-47 verfügbar ist. Definitiv ist die Verlängerung aber nicht: Die Vorlage muss das weitere Gesetzgebungsverfahren einschliesslich des Senats erst noch durchlaufen.
Nur jede vierte F-35 voll einsatzbereit
Dass die F-22 keineswegs zum alten Eisen gehört, zeigt der Krieg gegen den Iran. Die US Air Force setzt den Luftüberlegenheitsjäger dort weiterhin für Kampfeinsätze ein, bisher ohne bekannte Verluste. Probleme bereitet unterdessen die Einsatzbereitschaft der F-35. Der Tarnkappenjet verfügt über hoch entwickelte Sensoren und kann tief in verteidigten Luftraum eindringen, ist aber wartungsintensiv.
Laut US-Rechnungshof GAO sank der Anteil der F-35, die mindestens eine vorgesehene Mission erfüllen konnten, von 67 Prozent 2021 auf 44 Prozent 2025. Nur 25 Prozent waren für sämtliche vorgesehenen Missionen einsatzbereit. Gleichzeitig steigen die Unterhaltskosten.
Das Pentagon hält dennoch an der F-35 fest und hat 2025 ein Programm für 13,7 Milliarden Dollar aufgelegt, um deren Einsatzbereitschaft zu erhöhen. US-Militärs betonen insbesondere ihre Fähigkeiten in stark verteidigtem Luftraum.
Damit betrifft die Debatte indirekt auch die Schweiz. Ihre Luftwaffe erhält ab 2028 insgesamt 36 F-35A als Ersatz für die F/A-18. Die ersten Schweizer Maschinen befinden sich bereits in Produktion. Die Schweizer Luftwaffe betont, beim Hersteller ein zusätzliches Ersatzteilpaket bestellt zu haben, um sich gegen die Unterhaltsprobleme abzusichern.
Ein Comeback der F-22 würde am Schweizer Kauf daher kaum etwas ändern. Zumal die Idee nicht neu ist und immer wieder aufpoppt. Bereits 2016 liess der US-Kongress untersuchen, ob die F-22-Produktion wieder aufgenommen werden könnte. Damals standen bis zu 194 zusätzliche Maschinen zur Diskussion. Die Air Force veranschlagte dafür in einer eigens angefertigten Studie rund 50 Milliarden Dollar – ein Killer-Betrag.
Trotzdem kursieren immer wieder Berichte über einen Raptor-Neubau. Die enormen Hürden bleiben stets dieselben: Zulieferketten und Fertigung müssten neu aufgebaut und die Technik modernisiert werden. Gleichzeitig entwickeln die USA mit der F-47 bereits den Nachfolger.
Ob tatsächlich jemals wieder brandneue F-22 vom Band rollen, ist deshalb offen; vermutlich sogar unwahrscheinlich. Bemerkenswert ist aber, dass Washington die vor 14 Jahren beerdigte Produktion mit solcher Hartnäckigkeit immer wieder aufs Neue diskutiert. (schweizheute.ch)

