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Moskau greift Zug in Polen an – Waren Diplomaten das Ziel?

epa13203887 Polish Prime Minister Donald Tusk speaks during a commemoration ceremony marking the 87th anniversary of the outbreak of World War II at the Monument to the Defenders of the Coast on Weste ...
Polens Regierungschef Donald Tusk rief für den Nachmittag einen Krisenstab zusammen.Bild: keystone

Moskau greift Zug in Polen an – Waren Diplomaten das Ziel?

13.09.2026, 15:1613.09.2026, 19:49

Das russische Militär hat einen Personenzug in der ukrainischen Grenzregion zu Polen mit einer Kampfdrohne angegriffen und damit für Verstimmung in Warschau gesorgt. Die polnische Regierung warf Moskau eine Verschärfung des Konflikts vor, später sorgte die ukrainische Bahngesellschaft für Aufsehen, als sie spekulierte, dass möglicherweise ein anderer, mit westlichen Diplomaten besetzter Zug, das Ziel des Angriffs war.

«Die Eskalation von russischer Seite ist nun Realität geworden, und die Beispiele dafür rücken immer näher an unsere Grenze heran», sagte Polens Regierungschef Donald Tusk bei einer Sitzung des Krisenstabs. Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen – der Luftraum über dem Land ist gesperrt.

Am Sonntag war nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des regulären Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hiess es.

Ukrainische Bahngesellschaft: Zug mit Diplomaten in der Nähe

Die ukrainische Eisenbahngesellschaft teilte am Abend mit, dass kurz vor dem Angriff ein Diplomatenzug am Bahnhof Jahodyn gehalten habe, an Bord dessen sich unter anderem Sicherheitsberater mehrerer EU-Mitglieder sowie ehemalige europäische Spitzenpolitiker, darunter der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, befanden. Diese hatten tags zuvor an einer Konferenz in Kiew teilgenommen. In einem anderen Zug, der zum Angriffszeitpunkt am Bahnhof stand, habe sich der frühere CIA-Chef David Petraeus aufgehalten.

«Es ist durchaus denkbar, dass das Ziel dieser russischen Drohne auch der Diplomatenzug gewesen sein könnte, der im Rahmen der Anpassung der Fahrpläne in Echtzeit aufgrund der ständigen Gefahr russischer Angriffe früher als ursprünglich vorgesehen vom Bahnhof abgefahren war», schrieb die Bahngesellschaft auf Telegram. Schliesslich würden die Fahrpläne wegen des Kriegsgeschehens ständig angepasst.

Der britische Ex-Premier Johnson schrieb auf X:

«Ich weiss nicht, welche krude Logik Putin dazu bewogen hat, heute Morgen an der polnischen Grenze eine stillstehende ukrainische Lokomotive in die Luft zu jagen.»
Britischer Ex-Premier

Es sei genau «die Art von willkürlichem und sinnlosem Angriff», dem die Menschen in der Ukraine täglich ausgesetzt seien. Dazu, dass er in einem weiteren Zug in der Nähe des Angriffs gesessen haben soll, äusserte er sich nicht.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hiess es. Die Angriffe seien im Tagesverlauf fortgesetzt worden.

Zwei polnische Grenzübergänge zeitweise evakuiert

Wegen der Gefahr von Luftschlägen stellten zwei Grenzübergänge auf der polnischen Seite zeitweise den Betrieb ein. Mehrere hundert Menschen wurden vorübergehend evakuiert. Am Nachmittag normalisierte sich die Situation an der Grenze wieder.

Tusk warnt vor weiteren Störaktionen an der GrenzeRegierungschef Tusk verwies darauf, dass Russland in der Vergangenheit bereits versucht habe, Grenzübergänge in Moldawien lahmzulegen. Man habe von Verbündeten zuvor Hinweise bekommen, dass der russische Plan Versuche beinhalten würde, die ukrainischen Grenzübergänge zu desorganisieren und möglicherweise auch zu zerstören – dies könne auch Polen betreffen. Man müsse mit verstärkten Aktionen Russlands in den kommenden Wochen und Monaten rechnen, sagte Tusk weiter.

Kiew: Moskau muss Konsequenzen spüren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb zuvor, Moskaus Angriffe hätten nahe der polnisch-ukrainischen Grenze in der Region Wolyn eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschädigt.

Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X.

«Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato ‹klopft›.»
Ukrainischer Aussenminister

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Bei russischen Angriffen gibt es immer wieder auch Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen. (sda/dpa)

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53 Kommentare
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FrancoL
13.09.2026 16:14registriert November 2015
Russland ist ähnlich wie Trump, es ist immer weniger glaubwürdig, extremistisch und grobfahrlässig in ihren Handlungen.
Wer heute noch meint man könne mit diesem Russland auch nur ansatzweise etwas in Richtung Frieden verhandeln, der ist genau so verbrecherisch unterwegs wie die Russen selbst.
Wer Freiheit will und schätzt, muss mit aller Kraft mithelfen, dieses Russland zurückzubinden.
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Vecchio Trombone
13.09.2026 16:35registriert Juni 2024
Und Unternehmen in der Schweiz treiben weiterhin im grossen Stil Handel mit Russland (siehe z. B. Fisch aus RU in der Migros) und Sorgen so für einen stetigen Geldfluss).
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So oder so
13.09.2026 15:58registriert Januar 2020
Die Souveränität von Moldavien ignoriert Putin Komplet - klar die Moldavien sind halt in keinem Verteidigungs Bündnis - also haben die Still zu sein.
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Nach Zugunglück in Frankreich: Keine Hinweise auf Anschlag
Das Zugunglück mit mehr als 40 Verletzten im Nordwesten Frankreichs ist nach Ansicht der Ermittler nicht auf einen Anschlag zurückzuführen. Am Abend teilte der Staatsanwalt von Rouen, Sébastien Gallois, laut übereinstimmenden Medienberichten mit, bisher gebe es «keine Anhaltspunkte für eine böswillige Handlung mit der vorsätzlichen Absicht, den Zug zum Entgleisen zu bringen, und schon gar nicht für einen Anschlag».
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