Trump wirft die Bauern erneut unter den Traktor – diese verkaufen Fleisch auf TikTok
Die USA befinden sich in einer absurden Fleischkrise.
Nie war die Nachfrage höher. Nie war Fleisch teurer. Gleichzeitig war die Lage für die Bauern aber auch noch nie so prekär. Der Grund: Nie waren die Produktionskosten höher. «Es ist der schlimmste finanzielle Einbruch in der Branche seit den 1980er Jahren», sagt John Hansen, Präsident der Bauerngewerkschaft von Nebraska gegenüber der Financial Times.
Präsident Trump, viele sehen ihn als Verursacher der aktuellen Probleme in der US-Landwirtschaft, begegnet der Krise auf seine Weise: Mit einem Erlass vom letzten Mittwoch erhöht er den Jahresbestand an zollbefreitem Importfleisch einmalig von 700’000 auf 1’000’000 Tonnen.
Mit dem billigen Importfleisch will er die Preise um 25 Prozent senken und damit wenigstens die Konsumenten und die Inflationskritiker zum Schweigen zu bringen. Im Gegensatz zur Schweiz kennt die USA keine Herkunftsdeklarationspflicht. Amerikanische Konsumenten wissen also nicht, aus welchem Land das Fleisch stammt, das sie im Supermarkt erstehen.
Bei den Konsumenten könnte Trump damit punkten, die Bauern bringt er allerdings erneut gegen sich auf. Für sie ist der Erlass ein weiterer Nackenschlag. Statt mit Investitionen langfristig für Entspannung zu sorgen, verschärft er die Lage der Bauern mit Konkurrenz aus dem Ausland. Als Folge entziehen immer mehr Bauern dem Präsidenten die Unterstützung: «Die Lösung des Präsidenten ist ein weiterer miserabler Deal, ein weiterer Schlag ins Gesicht der US-Bauern», sagt John Boyd Jr., Soja- und Viehbauer und Gründer des Nationalen Verbands schwarzer Landwirte gegenüber MS Now. «Die Midterm-Wahlen stehen vor der Tür», erinnert er seine Branchenkollegen, «Ich appelliere an die weissen Bauern, die zu 99 Prozent Donald Trump wählten, um in ihren Distrikten nach neuen Kandidaten … Ausschau zu halten.»
Auch Aaron Lehman von der Bauerngewerkschaft in Iowa ist wütend: «Es ist ein Witz, für ein Produkt die Importbedingungen zu lockern, das wir Bauern eigentlich selbst gerne produzieren wollen. Liegen der Regierung die US-Bauern wirklich am Herzen oder sagt sie es nur? Die Taten sprechen eine eindeutige Sprache.»
Ins selbe Horn stösst Walter Schweitzer, Präsident der Farmergewerkschaft Montana, gegenüber PBS: «Weil wir keine Herkunftsnachweispflicht haben, werden die ausländischen Verarbeitungsfirmen ihr Fleisch direkt hierhin schicken, es mit dem USDA-Stempel versehen, und zum selben Preis verkaufen. Der Preis sinkt damit nicht.» Schweitzer sieht das Problem bei den Fleischverarbeitern. Vier Firmen kontrollieren den Markt. Sie haben, so Schweitzer, sowohl die Bauern als auch den Konsumenten im Griff.
Seit Trumps zweiter Amtszeit leiden US-Bauern unter seinen Launen. Der Zollstreit mit China kostete US-Sojaproduzenten rund 15 Milliarden Dollar. Nun strapaziert der Krieg gegen den Iran die sowieso schon geringen Gewinnmargen. Die Preise für Diesel und Dünger haben sich verdoppelt. Dazu kommen Mehrbelastungen durch höhere Zinsen für Darlehen, teurere Geräte und Kosten für Arbeiter. Ähnlich wie Europa litten auch die USA grossflächig unter Dürren. Laut John Boyd verlieren die USA jeden Tag 77 Bauern – und die US-Viehbestände sind so klein wie seit 75 Jahren nicht mehr.
Auch das Landwirtschaftsministerium (USDA) kann den Bauern nicht helfen. Zu Beginn seiner Amtszeit mistete Trump dort mit der groben Heugabel aus. 20’000 bis 24’000 Jobs wurden vernichtet – mehr als ein Viertel aller Stellen. Die fehlen nun beim Support der Landwirte, schreibt die New York Times.
@stonebridgelivestockfarm grassfed goodness born and raised by us on the farm.make the switch today and start buying in bulk directly from our farm and I promise you'll never go back to grocery store beef.#beef #knowyourfarmer #angusbeef #fromfarmtotable #pastureraised ♬ Green Onions - Booker T. & The MG's
Not macht bekanntlich erfinderisch. Um die Margen zu erhöhen, bieten viele Bauern ihre Fleischerzeugnisse nun direkt auf Tiktok an. Daraus entstand ein regelrechter Trend – der neben Spott und Hohn auch Zuspruch erhält – denn der amerikanische Hunger nach tierischem Protein ist weiterhin ungesättigt.
Der Durchschnittsamerikaner kocht fünf Mahlzeiten pro Woche selbst – zehn in zwei Wochen. Eine dieser zehn Mahlzeiten ist durchschnittlich fleischlos, in den restlichen neun brutzeln tierische Proteine in der Pfanne. Die Nachfrage ist entsprechen riesig: Average Joe hat pro Woche ca. 2 Kilogramm Fleisch zur Verfügung, 1,2 davon konsumiert er tatsächlich. Zum Vergleich: Herr und Frau Schweizer haben etwa die Hälfte davon zur Verfügung. Wie lange er noch Geld dafür hat, wird sich zeigen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise zwischen 12 und 13 Prozent gestiegen.
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