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Im Trump-Staat Wyoming wechseln Demokraten die Seiten – das steckt dahinter
Für die gegnerische Partei stimmen – das ist die ungewöhnliche Entscheidung vieler Demokraten, die in den konservativsten Bundesstaaten der USA leben. Vor vier Jahren hatte diese Praxis für grosses Aufsehen gesorgt.
Zur Erinnerung: Im Juni 2022 rief die bekannte Republikanerin Liz Cheney die Demokraten dazu auf, sie bei den republikanischen Vorwahlen in Wyoming zu unterstützen. Sie trat gegen eine weit rechts stehende Kandidatin an, die vom MAGA-Präsidenten unterstützt wurde. Cheney hoffte, dass ihr Ruf als republikanische Gegnerin von Donald Trump ihr zum Sieg verhelfen würde. Vergeblich.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Der Trick dahinter? Das sogenannte Crossover Voting. Dabei lassen sich Wählerinnen und Wähler kurz vor der Abstimmung aus rein wahltaktischen Gründen als Republikaner registrieren.
Auch 2026 ist diese Praxis in ultrakonservativen Gegenden weit verbreitet, wo demokratische Kandidaten praktisch keine Chance haben, gewählt zu werden. Das gilt insbesondere für Wyoming, den Bundesstaat mit der grössten Trump-Anhängerschaft im ganzen Land.
Im vergangenen August haben sich erneut zahlreiche demokratische Wähler als Republikaner ausgegeben, um zu retten, was noch zu retten ist. Konkret wollten sie bei den Vorwahlen dafür sorgen, dass der am wenigsten gefährliche Gegner gewinnt.
Bob Woodall ist einer dieser Wähler. Der pensionierte Fotograf und Magazinverleger lebt seit den 1970er-Jahren in der Kleinstadt Jackson im Teton County, der einzigen demokratischen Hochburg des Bundesstaates.
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Mit den «Verrückten» meint unser Gesprächspartner die Kandidaten des Freedom Caucus, des extremistischen Flügels der Republikanischen Partei. Bob hatte gute Gründe, das Schlimmste zu befürchten: Wyoming war der erste US-Bundesstaat, in dem es dieser Bewegung gelang, die Kontrolle über eine Parlamentskammer zu übernehmen. Das war 2024 – bei jener Wahl gingen gerade einmal 27 Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler an die Urne.
«Während die Lokalpolitiker hier klar links stehen, existieren wir im Rest des Bundesstaates praktisch nicht. Deshalb ist unsere Stimme so wichtig», erklärt Bob, der sich in Jackson ein wenig so fühlt, als würde er mitten unter Wölfen leben. Man muss wissen: In Wyoming sind gerade einmal zehn Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler Demokraten. Die meisten davon leben im Teton County. Das ist sehr wenig.
Wie fühlt es sich an, ein «Papier-Republikaner für einen Tag» («RINO for a day», von «Republican In Name Only») zu sein, wie sich Bob gern beschreibt? «Ich habe nicht das Gefühl, meine Werte zu verraten, wenn ich meine politische Zugehörigkeit ändere. Denn ich weiss ganz genau, wer ich bin», erklärt er. Dabei ist er selbst in einer republikanischen Familie aufgewachsen. Seine Eltern engagierten sich aktiv in der Partei. «Der Freedom Caucus ist eine Gruppierung, die nichts mit Wyoming zu tun hat und versucht, sämtliche Gesetze des Bundesstaates zu ändern. Dagegen müssen wir uns wehren.»
Obwohl bei den Vorwahlen 2026 zahlreiche Demokraten die Seiten wechselten, war das schwieriger als in den Vorjahren. Denn im Kampf gegen diese Praxis konnten Trump und die Republikaner ihnen erhebliche Steine in den Weg legen.
Ein neues Gesetz verbietet es den Wählerinnen und Wählern in Wyoming, ihre Parteizugehörigkeit innerhalb der 96 Tage vor den Vorwahlen zu ändern. Das bedeutet: Die demokratischen Pfuscher müssen sich frühzeitig und gewissermassen blind bei der gegnerischen Partei registrieren lassen, ohne die endgültigen Kandidaten zu kennen. «Das ist tatsächlich umständlicher, und man muss den Prozess im Voraus planen … Aber das hat mich nicht davon abgehalten, meine Pflicht zu erfüllen», sagt Bob lächelnd. Ihm ist bewusst, dass diese Besonderheit Menschen ausserhalb der USA überraschen kann.
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Wie steht die Partei zum Crossover Voting?
Es lässt sich erahnen, dass die demokratischen Vorwahlen in Wyoming und anderen zutiefst konservativen Bundesstaaten praktisch keine Rolle spielen. Eine Ausnahme bilden die lokalen Wahlen in den wenigen demokratischen Hochburgen. Doch wie reagiert die Demokratische Partei in der Region auf diese Welle von Crossover-Wählern?
Um das herauszufinden, haben wir uns mit der Präsidentin der Demokraten im Teton County auf einen Kaffee getroffen. Annette Osnos bestätigt uns, dass dies «hier eine gängige Praxis» sei. Sie erklärt: «Dass unsere Vorwahlen geschlossen sind, bringt die Menschen dazu, so zu handeln. Das bedeutet, dass man nur einen Wahlzettel für eine der beiden Parteien erhalten kann.» Anders gesagt: Wer sich entscheidet, bei den Republikanern abzustimmen, kann nicht gleichzeitig an den Vorwahlen der eigenen Partei teilnehmen.
Das Problem ist, dass den Demokraten «nicht viele Mittel» zur Verfügung stehen, um gegen die überwältigende republikanische Mehrheit in Wyoming anzukämpfen. «Man kann Gastbeiträge für die Lokalzeitung schreiben oder an Kundgebungen wie No Kings teilnehmen.»
Fühlt sich Annette in diesem tiefroten Bundesstaat trotzdem zu Hause? «Ja, ich fühle mich hier wirklich zu Hause, auch wenn es nur sehr wenige Demokraten gibt. Ich lebe in einer kleinen Gemeinschaft, in der sich alle gut kennen. Hier kann man auch sichtbarer und aktiver auftreten, was ich sehr schätze», sagt die Demokratin abschliessend.
Bob und seine «falschen republikanischen» Freunde hatten dieses Jahr wohl gute Gründe, ihre Partei zu «verraten». Zwar lässt sich nicht feststellen, wie viele Menschen tatsächlich Eintagesrepublikaner wurden. Fest steht aber, dass der Freedom Caucus bei den republikanischen Vorwahlen in Wyoming eine Reihe historischer Niederlagen einstecken musste. Die Gruppierung verlor sogar ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus des Bundesstaates.
Laut lokalen Medien wurden «14 amtierende Abgeordnete oder Kandidaten, die dieser ultrakonservativen Gruppierung nahestehen», von ihren republikanischen Gegnern geschlagen. Das dürfte ihre Pläne erheblich bremsen, die öffentlichen Budgets radikal zusammenzustreichen und die Einschränkungen beim Wahlrecht und beim Recht auf Abtreibung zu verschärfen.
Einen Haken gibt es allerdings: Auf Bundesebene geniessen die «Verrückten», wie Bob sie nennt, weiterhin grossen Rückhalt. Das liegt insbesondere an der Popularität von Harriet Hageman. Die Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus kandidiert für den Senat und konnte im vergangenen August ihren gemässigten Gegner schlagen. Obwohl sie dem Freedom Caucus in Washington offiziell nicht angehört, vertritt sie eine ausgesprochen harte konservative Politik und geniesst die starke Unterstützung von Donald Trump.
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Ironischerweise war es auch sie, die Liz Cheney 2022 in Wyoming besiegte. Schon damals profitierte sie von der massiven Unterstützung des MAGA-Gurus – und das trotz des Crossover Voting der Demokraten. Bob Woodall ist unterdessen immer noch als Republikaner registriert. Kann er damit überhaupt ruhig schlafen?
