Taylor Swift sorgt für den grössten Überraschungsmoment bei «Toy Story 5»
«Toy Story 5»-Premiere in Los Angeles: Ein Raunen geht durch die Balkon-Ränge. Handykameras werden gezückt. Unten im Orchester wird Taylor Swift zu ihrem Platz geleitet. Im Dolby Theater, wo jeweils im Frühling die Oscars verliehen werden, ist man sich Promi-Sichtungen gewohnt, aber Taylor Swift ist auch hier eine besondere Erscheinung. Die grosse Überraschung: Nach dem Film wird sie am Piano auf die Bühne geschoben. Sie singt den «Toy Story 5»-Song «I Knew It, I Knew You» solo, bedankt sich bei allen Künstlern, die am Film gearbeitet haben, und gibt zum Schluss den «Toy Story»-Klassiker «You've Got a Friend in Me» im Duett mit Komponist Randy Newman zum Besten. Die Oscar-Kampagne 2027 ist somit lanciert.
«Toy Story 5» hat weltweit bereits 959 Mio. Dollar eingespielt. Es wird erwartet, dass der Einspiel-Rekord von über einer Milliarde von «Toy Story 4» (2019) gebrochen wird. Generationen sind mit den nostalgischen «Toy Story»-Spielzeuggeschichten um Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear aufgewachsen, und die Pixar-Blockbuster haben den hohen Qualitätsstandard seit dem ersten Film im Jahr 1995 aufrechterhalten.
Das sind Gründe, weshalb selbst ein Superstar wie Taylor Swift mit von der Partie sein will. Swift sei zwar auf Tour gewesen, aber dann tat sich ein Zeitfenster auf, erklärt die Produzentin Lindsey Collins: «Sie ist ein ‹Toy Story›-Fan und fragte, ob sie den Film sehen könne. Sie hat gleich verstanden, worum es ging und dass sie einen Song für Jessie schreiben wollte.»
Cowgirl-Puppe Jessie übernimmt das Zepter
In «Toy Story 5» übernimmt nämlich die Cowgirl-Puppe Jessie das Zepter: Sie hatte in «Toy Story 4» von Woody den Sheriff-Stern erhalten und wurde quasi zu seiner Nachfolgerin befördert. Jetzt lebt sie im Kinderzimmer der achtjährigen Bonnie. Sie macht sich Sorgen um das Kind. Es hat keine Freunde, denn die Nachbarskinder hocken zu Hause an ihren Bildschirmen. Die Eltern sind ratlos und kaufen Bonnie deshalb ebenfalls einen Lilypad, ein sprechendes Tablet, das sie mit anderen Kindern vernetzt. Bonnie macht nun Freunde online. Die haben nichts mit Puppenspielen am Hut. Jessie wird klar, dass Lilypad Bonnies Fantasie unterbindet, und trommelt die Toy-Story-Freunde zusammen, um das Mädchen aus den manipulativen Fängen des Gerätes zu befreien.
«Wir wollten die komplizierte Beziehung darstellen, die wir und unsere Kinder mit Technologie heute haben», so Collins. «Lilypad ist der Antagonist, aber sie kommt ursprünglich ins Kinderzimmer wie alle Spielzeuge in ‹Toy Story›: Sie will helfen. Sie hat eine Aufgabe. Sie will sie mit Hilfe von Data-Auswertungen angehen, was im starken Kontrast zu Jessie steht.»
Das Story-Gerüst stammt wie bei den vorhergehenden Filmen von Pixar-Urgestein Andrew Stanton. Um bei der Gen Z relevant zu bleiben, holte er sich diesmal die 31-jährige non-binäre Person McKenna Harris zur Seite: «Der erste Film, den ich als Kind im Kino sah, war ‹Toy Story 2›», erinnert sich das hier zur Co-Autorenschaft und Co-Regie avancierte Pixar-Dramaturgie-Talent. «Andys Kindheit im ersten Film war damals einfacher als die von Bonnie heute. Ich werde selbst nostalgisch, wenn ich an meine Kindheit denke: Das iPhone kam erst auf und ich verbrachte viel Zeit draussen. Das hat für einige Kids heute fast Geschichtsbuch-Charakter.» Und so bleibt auch für die Toys die Zeit nicht stehen: Harris verpasst Woody den Ansatz einer Glatze.
Tech-Revolution wird nicht verteufelt
Die Tech-Revolution zu verteufeln, kann jedoch nicht im Sinn von «Toy Story» sein, läutete das Original doch als erster vollständig computergenerierter Spielfilm der Geschichte eine neue Ära im Kino ein. «Das Technische verzaubert einen aber gerade mal drei Sekunden», findet Pete Docter, Chief Creative Officer von Pixar Animation Studios und Mann der ersten «Toy Story»-Stunde. «Danach muss ein Film eine reale, emotionale Verbindung zum Publikum herstellen und etwas zu sagen haben.»
Deshalb brauche man sich auch nicht vor künstlicher Intelligenz in Animationsfilmen zu fürchten: «‹Toy Story› war der Wendepunkt für viele meiner Kollegen und Kolleginnen, die handgezeichnete Animation studierten. Inzwischen ist Computeranimation die Norm. Und jetzt haben wir wieder ein Game-Changer-Werkzeug mit KI, das uns erlaubt, Fehler zu machen und Neues zu probieren.» Produzentin Collins stimmt dem zu: «Unsere Tech-Künstler können heute jedes Problem lösen, aber das heisst nicht, dass die Filme schneller und mit weniger Leuten fertiggestellt werden. Alle Ersparnisse fliessen direkt zurück ins Verbessern der Geschichte.»
