«Er hat uns alle betrogen»: Die Trump-Medien-Blase droht zu platzen
«Die Bewegung hat begonnen», verkündete die ehemalige Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene Anfang August in den sozialen Medien. Das Projekt soll ihrem Anspruch nach tatsächlich «America first» sein, die Interessen der USA also zur Priorität machen. Von Donald Trump fühlt sie sich hintergangen – und sie ist mit diesem Gefühl nicht allein.
We said no more foreign wars and we meant it and supported Donald Trump because he made that promise.
— Former Congresswoman Marjorie Taylor Greene🇺🇸 (@FmrRepMTG) August 1, 2026
But he’s betrayed us all.
Our commitment is America First for all Americans, right, left, and center.
The movement has begun. pic.twitter.com/mZXadw0kBr
Auf dem Bild, welches das einstige Aushängeschild der Trump-Republikaner auf X teilte, sitzen unter anderem der rechte Podcaster und ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson, der frühere Nationale Sicherheitsberater Joe Kent und der republikanische Abgeordnete Thomas Massie an einem Tisch. Der US-Präsident habe sie «alle betrogen», schreibt Greene weiter. «Wir haben gesagt: keine weiteren Kriege im Ausland. Und das haben wir ernst gemeint. Wir haben Donald Trump unterstützt, weil er genau das versprochen hatte», ergänzt sie.
Die Zersplitterung der «Make America Great Again»-Bewegung (MAGA) ist rund anderthalb Jahre nach Trumps zweiter Amtseinführung in vollem Gange. Der Umgang der Regierung mit den Epstein-Akten, die Nähe der USA zu Israel und schliesslich der Krieg gegen den Iran haben sie und weitere Aushängeschilder des rechtskonservativen Flügels gegen ihr einstiges Vorbild gestellt.
Shapiro hat Einbussen, Owens und Fuentes heben ab
Das hat bei einigen von ihnen allerdings nicht nur ideologische Gründe. Wie Recherchen der «New York Times» (NYT) zeigen, verliert die Unterstützung für den derzeit äusserst unbeliebten Präsidenten für manche rechte Influencer und Podcaster auch an Attraktivität. Solange Joe Biden im Weissen Haus sass, konnten sie Trump als Erlöser präsentieren und die demokratische Regierung für Missstände verantwortlich machen. Nun aber sind die Republikaner selbst an der Macht – und die Abgrenzung vom politischen Gegner funktioniert nicht mehr so einfach.
Der politische Kommentator Ben Shapiro, der Donald Trumps Krieg gegen den Iran offen unterstützt, hat zwischen April und Juni dieses Jahres rund 60'000 Abonnentinnen und Abonnenten seines Newsletters «Chaotic Era» verloren. Schauten im Wahljahr 2024 noch fast 30 Millionen Menschen seine Youtube-Videos, sind es heute noch rund vier Millionen.
Auch die Zuschauerzahlen von Podcaster Benny Johnson und der Ex-Fox-News-Moderatoren Megyn Kelly und Dan Bongino sind eingebrochen. Letzterer war unter Trump bis Januar 2026 stellvertretender FBI-Direktor. Als er im Februar seinen Podcast wieder startete, pendelte sich die Zahl bei etwa der Hälfte der Zuhörer des Wahljahres ein.
Gleichzeitig sind diejenigen Kommentatoren, die den Präsidenten kritisieren, teils so erfolgreich wie noch nie. Nach der Ermordung des rechten Influencers Charlie Kirk teilten die meisten Mitglieder der rechten Medienblase Nachrufe und Analysen zum mutmasslichen Täter. Candace Owens hingegen verbreitete Verschwörungstheorien – ein Erfolgsrezept, wie sich herausstellte: Ihre Videos, in denen sie gegen Israel hetzt oder das Geschlecht von Brigitte Macron, der Ehefrau des französischen Präsidenten, anzweifelt, gehen regelmässig viral.
Auch Nick Fuentes, ein rechtsextremer Aktivist, der Trump anfänglich unterstützte und ihn heute regelmässig kritisiert, verbucht durchschnittlich bis zu acht Millionen Aufrufe pro Woche. Im Jahr 2024 waren es noch rund eine Million.
Stimmen wie Owens und Fuentes könnten künftig eine grössere Rolle bei rechten Online-Medien haben, wie Angelo Carusone, Präsident der linken Medienbeobachtungsorganisation «Media Matters for America», gegenüber der «New York Times» sagt.
Der Riss unter rechten Influencern kommt für Trump zu einem äusserst ungünstigen Moment. Im Herbst sind Zwischenwahlen. Dann entscheidet sich, welche Partei für den Rest seiner Präsidentschaft das Sagen im Repräsentantenhaus und im Senat haben wird. Während der vergangenen Wahlen konnten die Republikaner auf eine mehrheitlich geschlossene Medienfront bauen. Das wird dieses Mal anders sein. (schweizheute.ch)

